Kommentar Hajo Zenker zu höheren Beiträgen für Kinderlose

Das führt in die Irre

  • Hajo Zenker Foto: Gerd Markert
Das klingt erst einmal einleuchtend: Wer keine Kinder hat, muss deutlich höhere Beiträge in die Renten- und Pflegeversicherung einzahlen. Denn er hat ja keine Kinder, die einmal seine Rente und seine Pflege zahlen können. Gegen die Idee aber spricht nicht nur, dass viele Paare ungewollt kinderlos bleiben. Das Sozialsystem ist kein Bestrafungsinstrument. Wer Arbeitnehmer ist, muss Beiträge zahlen – abhängig vom Einkommen und nicht davon, ob man Kinder hat, Raucher oder Autofahrer ist.

Familienförderung dagegen ist absolut wichtig, aber Sache der Allgemeinheit, und damit von Steuergeld. Steuern müssen nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Beamte, Selbstständige und Politiker zahlen. Daraus fließen dann Kinder- und Elterngeld, wird kostenloser Kita- oder Uni-Besuch finanziert.

Wahr bleibt, dass immer weniger Junge immer mehr Älteren gegenüberstehen. Deshalb muss man die finanzielle Basis verbreitern. Wenn man die Beitragsbemessungsgrenze anhebt oder abschafft, bittet man die sehr gut Verdienenden zusätzlich zur Kasse – und auch jene, die aus Karrieregründen auf Kinder verzichten.

Das aber wird natürlich nicht reichen. Versprechungen der Politik, man könne sowohl das Rentenniveau hoch halten als auch die Beiträge deckeln, führen in die Irre. Die staatliche Rente verliert an Bedeutung. Betriebliche und private Vorsorge werden wichtiger. Für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen sinnvollerweise kräftig gefördert vom Staat. Vielleicht erinnern sich so mehr Deutsche daran, was jahrzehntelang selbstverständlich war: Kinder machen nicht nur glücklich. Sie sind auch eine Hilfe im Alter.
© Südwest Presse 10.11.2018 07:45
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