Kommentar Ellen Hasenkamp zu Greta Thunbergs Reise nach Amerika

Symbol unter Segeln

  • Ellen Hasenkamp Foto: MMH
Für die Schiffe des Wikingers Leif Eriksson mussten zahllose Bäume dran glauben, Christoph Kolumbus hatte tonnenweise gesalzenes Fleisch an Bord. Derartige Klimasünden kann sich Greta Thunberg nicht erlauben. Die junge Schwedin hat für ihre Reise nach Amerika einen unbequemen und nicht ungefährlichen Weg gewählt – und muss dennoch kritische Fragen zum blauen Plastikeimer für die Notdurft an Bord fürchten. Der ganze Hype um die Segelfahrt des Jahres liegt daran, dass in Südengland eine Mission auf radikale und zugleich symbolische Weise fortgesetzt wird. Die Anhänger feiern diese Konsequenz, die Gegner lauern auf das Scheitern: Muss womöglich doch im Sturm vor Neufundland der Diesel angeworfen werden?

Als echter Beitrag zur Klimarettung taugt der Bootstrip natürlich nicht. Fünf Menschen, zwei Wochen und eine Rennjacht der Extraklasse sind ein Ausrufezeichen, keine Antwort auf Fragen nach der Mobilität der Zukunft. Das sperrige Thema Klimaschutz brauchte aber offenbar eine Greta und ihre Art der Atlantikquerung, um dort zu landen, wo es hingehört: ganz oben auf der Agenda.
© Südwest Presse 15.08.2019 07:45
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