Hintergrund

Strategie gesucht

  • Bei Trockenheit steigt der Wasserbedarf. Foto: dpa/Patrick Pleul
Nicht nur Knappheit stellt die Wasserwirtschaft vor Probleme. Auch Dünger und Pestizide, Mikroplastik, Medikamente, Klimawandel und alte Rohre sind eine Herausforderung. Um sie zu bewältigen, erarbeiten Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden seit vergangenem Jahr in einem „Nationalen Wasserdialog“ Lösungsvorschläge. „Wie muss man die Wasser-Infrastruktur heute verändern, damit sie auch in Zukunft noch funktioniert?“ beschreibt Franz Emde, Wasserexperte im Bundesumweltministerium, die anspruchsvolle Aufgabe.

Denn die Umweltbedingungen ändern sich. Trocken- und Hitzephasen werden im Zuge des Klimawandels den Spitzenbedarf an Wasser steigern, heißt es in einem Zwischenpapier, das dieser Zeitung vorliegt. Gleichzeitig wird aufgrund des Rückgangs der Bevölkerung in bestimmten Regionen und neuer wassersparender Technologien mit einem vielerorts niedrigeren Grundbedarf gerechnet. Das alles muss bei der Planung von Infrastruktur jetzt schon berücksichtigt werden. „Investitionsentscheidungen, die heute getroffen werden, müssen auch in 40 Jahren noch tragfähig sein“, betont Emde.

Entleerte Dörfer ohne Wasser?

Auch der demografische Wandel macht der Wasserwirtschaft zu schaffen. „Wie können wir entleerte Dörfer in Zukunft noch versorgen?“, fragen die Experten sich. Kann in Zukunft noch in jedes einzelne Haus eine Wasserleitung aufrechterhalten werden? Wachsende Städte bereiten den Fachleuten ebenfalls Kopfschmerzen. Wer soll Vorrang haben in der Versorgung, wenn das Wasser knapp wird? Städte oder Dörfer mit ihrer Landwirtschaft?

Zudem wird Abwasser zunehmend als Rohstoff verstanden. Derzeit aber bleiben die im Abwasser enthaltenen Nährstoffe häufig ungenutzt. „Phosphor und Stickstoff können aber beispielsweise zur Herstellung von Dünger genutzt werden. Mit den im Abwasser verfügbaren Phosphorvorkommen könnten die Hälfte der jährlichen Phosphormineralimporte eingespart werden“, schreiben die Experten. Eine Wasserstrategie, die das Ministerium auf Basis der Vorschläge erstellen will, soll den Schutz der Wasserressourcen langfristig garantieren. Igor Steinle
© Südwest Presse 15.08.2019 07:45
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