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Bremen im Sturm erobert

  • Andreas Bovenschulte (SPD) Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Noch kann Andreas Bovenschulte entspannt durch Bremen schlendern, ohne von vielen erkannt zu werden. Das dürfte sich bald ändern, denn als Regierungschef des Bundeslandes wird der Politiker deutlich präsenter werden, auch in den Medien. Am Donnerstag – rund zweieinhalb Monate nach der Landtagswahl in Bremen – hat die Bürgerschaft des Bundeslandes über die Landesregierung aus SPD, Grüne und Linke entschieden. Bovenschulte erhielt im ersten Wahlgang die notwendige Mehrheit.

Umziehen muss der Sozialdemokrat wegen des neuen Jobs nicht. Der gebürtige Hildesheimer – in seiner Partei wird der Zwei-Meter-Mann liebevoll „Bovi“ genannt – wohnt mit seiner Familie schon seit Jahren in Bremen. Während der vergangenen Jahre war er Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Weyhe. Anhand von Zahlen wird der Jobwechsel von Weyhe nach Bremen deutlich: Dort waren es 500 Verwaltungsmitarbeiter bei rund 60 Millionen Euro Etat. In Bremen sind es fünf Milliarden Euro und 40 000 Mitarbeiter.

Gegner der Privatisierung

Doch der 54-Jährige kennt Bremen, wo er von Mitte 2010 bis Ende 2013 bereits SPD-Landeschef war. Das Bundesland Bremen ist kein Flächenland, die Wege sind kurz, auch wenn zwischen Bremen und Bremerhaven rund 60 Kilometer liegen. Das Kommunale liegt dem Juristen, der 1998 mit einem kommunalrechtlichen Thema promovierte.

Bovenschulte ist wie sein Vorgänger Carsten Sieling dem linken Spektrum der SPD zuzuordnen. Beide sind befreundet, lebten vor vielen Jahren sogar eine Zeit lang gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Der „Noch-SPD-Fraktionschef“ ist mit der SPD-Politikerin Ulrike Hiller verheiratet, die Bevollmächtigte der Freien Hansestadt Bremen beim Bund und für Europa war, dieses Amt aber abgibt. Die beiden haben zwei Töchter.

Als Modell oder gar Vorbild will Bovenschulte die rot-grün-rote Koalition in Bremen nicht verstanden wissen. Zumindest noch nicht. Zuerst soll das Bündnis liefern, dann kann man über Vorbildcharakter sprechen. „Nicht zu hoch hängen“, dämpfte er in Interviews schon mehrfach die Erwartungen. „Ich freue mich auf vier erfolgreiche und spannende Jahre. Hoffentlich nicht zu spannende“, sagte er.

Bovenschulte ist ein Befürworter von öffentlichen Unternehmen und wichtigen Infrastrukturen in staatlicher Hand. Im Wahlkampf etwa warnte er intensiv vor Privatisierungsplänen im Fall einer Regierung mit CDU und FDP. dpa/afp
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
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