Sage mir, wie deine Straße heißt

  • Mitarbeiter der Stadt Bonn befestigen das Straßenschild der Helmut-Kohl-Allee. Foto: Oliver Berg/dpa
So eine Straße mit dem eigenen Namen, das wäre fein. Frau Schmitz liefe zur Hochform auf, radelte sie morgens über den Schmitzdamm ins Büro. Herr Müller wäre nicht mehr so müde, würde ihn das fröhliche Hupen von der Müllerstraße aufmuntern. Und welcher Meier würde im Sommer nicht gerne auf dem Meierplatz sitzen, mit den Freunden auf ein Bier.

Stattdessen gibt es ewigen Streit darum, nach wem welche Straße nun jetzt eigentlich benannt werden soll. Damit sich die Gemeindevertreter nicht allzu sehr fetzen, weicht man vielerorts auf unverfänglichere Namen aus.

Neue Siedlungen mit entsprechend vielen Straßen werden deshalb nach heimischen Singvögeln oder auch nach Orten in der Schweiz benannt. Das ist auch vermarktungstechnisch einfach, kann man dort vom „Schweizer Viertel“ oder „Vogel Quartier“ sprechen.

Manchmal sprechen aber auch andere Regeln gegen die Namensgebung für Jedermann. In Berlin gilt, dass alle neuen Straßen nur noch Frauennamen tragen dürfen. In New York dürfen Straßen nur nach verstorbenen Personen benannt werden – mindestens zwei Jahre müssen sie tot sein. Das wird vermutlich Elizabeth Rowins Plan verhindern, den Teil der Straße, die am Trump-Tower entlang führt, in Barack-H.-Obama-Avenue umzutaufen. Schade eigentlich. Wen es trösten mag: Bonn hat seit Donnerstag Helmut-Kohl-Allee. Guido Bohsem
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
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