Interview

Keine exzessive Bautätigkeit

  • Immobilienexperte Michael Voigtländer. Foto: IW-Institut
Die Gefahr einer Immobilienblase ist gering, meint Michael Voigtländer, Immobilienexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).

Herr Professor Voigtländer, wie groß schätzen Sie die Gefahr einer Immobilienblase in Deutschland ein?

Michael Voigtländer: Ich sehe sie als noch relativ gering an. Die klassischen Symptome einer Blase sind nicht zu erkennen. Wir haben weder eine exzessive Bautätigkeit, wie wir sie beispielsweise in Spanien hatten, noch eine große Überschuldung der Haushalte. Die Kreditvergabe ist relativ moderat, und die Beleihungsgrenze liegt recht konstant bei 80 Prozent der Kreditsumme. Die Preisentwicklung von Immobilien folgt noch fundamentalen Werten: Die Zinsen sind niedrig, und die Nachfrage nach Immobilien ist sehr hoch, weil die Städte stark wachsen.

Ist es ein Problem, dass Preise für Immobilien in manchen Städten stark steigen, weil sie Investoren als gute Anlagemöglichkeit sehen?

Es ist richtig, dass Investoren den Immobilienmarkt entdeckt haben. Allerdings ist die Verzinsung immer noch höher als bei festverzinslichen Wertpapieren wie Bundesschatzbriefen. Da sagen sich viele: Mit Immobilien in München oder Hamburg verdiene ich zwar nicht mehr viel, aber es ist eine relativ sichere Anlage. Wir sehen noch nicht, dass viele auf steigende Preise spekulieren. Das sind langfristig orientierte Anleger, die ihr Geld dauerhaft sichern wollen.

Welche Folgen hätte das Platzen einer Immobilienblase – wäre das regional begrenzt?

Das ist schwer zu sagen. Typischerweise fallen erst einmal die Preise deutlich. Das trifft alle, die gerade verkaufen wollen, ob Privatleute oder Fonds, die in andere Anlagen investieren möchten. In den Großstädten käme es zu einem Schock, wenn die Preise um 20 Prozent fallen, wie das Platzen einer Blase definiert ist. Die langfristig größeren Folgen gäbe es wahrscheinlich im Umland. Da wird heute schon relativ viel gebaut. Ein solcher Schock könnte dazu führen, dass dort die Preise stark fallen, weil sich die Nachfrage in die Großstadt verlagert und sie sich dort schneller erholt.

Welche Entwicklung erwarten Sie in absehbarer Zeit?

Ich gehe davon aus, dass die Immobilienpreise und die Mieten weiter steigen, wenn auch mit langsamerem Tempo. Die Zinsen werden nicht weiter fallen. Damit fällt ein wesentlicher Preistreiber weg. Aber die Nachfrage ist weiter hoch. Dieter Keller
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
268 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.