Kommentar Roland Müller zu den Plänen des Verkehrsministers

Ein erster Schritt

  • Roland Müller Foto: Volkmar Könneke
Gestresste Autofahrer, Rambo-Radler, aufs Smartphone starrende Fußgänger – und jetzt noch E-Scooter-Flitzer. Der Verkehr in den Städten gleicht einem Kleinkrieg mit ungleichen Waffen. In der Enge des Gefechts gilt oft das Gesetz des Dschungels: Vorfahrt hat der, der sie sich nimmt.

Radfahrer sind daran nicht unschuldig – und dennoch im direkten Kontakt mit SUV-Panzern häufig die Leidtragenden, wie steigende Unfallzahlen zeigen. Verkehrsminister Scheuer will ihnen das Leben nun leichter machen: Bußgelder für zugeparkte Radwege sollen drastisch steigen, beim Überholen ein Sicherheitsabstand gelten. Für Scheuer, der bisher nicht als Schutzpatron der Radler aufgefallen ist, ist das immerhin ein erster Schritt. Auch dass er Busspuren für Fahrgemeinschaften freigeben will, zeigt: Das Problem ist zumindest erkannt. Städten, in denen jeder allein im Auto im Stau steht, droht der Infarkt. Die Crux: Wer echten Wandel will, müsste viel mehr tun – für sicheren Radverkehr und moderne Mobilität. Doch jeder Einschnitt, der mehr als Kosmetik sein soll, geht am Ende auf Kosten des Autos. Dafür braucht es langen Atem – und viel Mut.
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
134 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.