Mensch und Meerschwein

  • Im Verstecken sind Meerschweinchen nicht besonders gut. Dafür aber im Salat futtern. Foto: Jennifer Jahns/dpa
„Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein“, ist ein Ruf, der einen automatisch zurück in die Kindheit katapultiert. „Hinter mir und vor mir, zu beiden Seiten gilt es nicht!“ Merken Sie es? Wer keine Erinnerung mehr daran hat, wie wundervoll das Verstecken spielen damals war, der weiß auch nicht mehr, wo er herkommt.

Dem fehlen womöglich sogar, das zumindest legen neueste Forschungsergebnisse von Berliner Wissenschaftlern nahe, grundlegende Kapazitäten im präfrontalen Cortex. Das ist jener Teil des Großhirns, der für soziale Wahrnehmung und Perspektivwechsel zuständig ist: fürs Umparken im Kopf sozusagen. Herausgefunden haben das die Experten mit Hilfe von 30 Quadratmetern, sieben Versteckmöglichkeiten und sechs Ratten. Und siehe da: Die Nager spielen gerne – und sie spielen ziemlich gut.

Diese Erkenntnis lässt sich allerdings nicht auf alle Kleintiere mit Fell und scharfen Zähnen übertragen. Häusliche Versuche mit Meerschweinchen haben ergeben, dass insbesondere männliche Exemplare der Meinung sind, sie seien ausreichend versteckt, wenn das Vorderteil den Unterschlupf erreicht hat, während das von Kinderhand üppig genährte Hinterteil weithin sichtbar über den Stall hinausragt.

Was man selbst nicht sehen kann, ist auch nicht mehr da: Diese Form der Problemlösung haben der Mensch und das Meerschwein vermutlich gemeinsam. Ellen Hasenkamp
© Südwest Presse 13.09.2019 07:45
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