Kommentar Helmut Schneider zur Entscheidung der Zentralbank

Lieber nicht lockern

  • Helmut Schneider Foto: Marc Hörger
Das beste Mittel, mit dem eine Notenbank ihre Unabhängigkeit demonstrieren kann, ist es, Entscheidungen zu treffen, mit denen nicht gerechnet wurde. Dies hat Mario Draghi, der scheidende EZB-Präsident, versäumt. Er hätte besser die erwartete weitere Verschärfung der ultralockeren Geldpolitik unterlassen.

Dass Null- und Negativzinsen für Sparer, Altersvorsorge und Banken schlecht sind, ist klar. Je länger sie anhalten, desto größer die Risiken – auch klar. Aber die Stabilität des europäischen Währungs- und Wirtschaftsraumes, mit der die Notenbank ihre Geldpolitik begründet, ist von überlagernder Bedeutung.

Trotzdem hätte Draghi die Zinszügel nicht weiter lockern sollen. Zum einen der genannten Signalwirkung wegen. Zum zweiten, weil die Wirksamkeit der verstärkten EZB-Dosis billigen Geldes bezweifelt werden muss. Investitionen lassen sich bei Niedrigstzinsen nicht mehr so recht lenken. Sie hängen heute stärker davon ab, ob die politischen Unsicherheiten bald beseitigt werden.

Deshalb sollte auch das klar sein: Der Schwarze Peter liegt mehr bei der europäischen Politik als bei den europäischen Währungshütern.
© Südwest Presse 13.09.2019 07:45
116 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.