Kommentar Peter DeThier zur Kandidatensuche der US-Demokraten

Eine neue Favoritin?

  • Peter DeThier Foto: swp
Das Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber ist deutlich geschrumpft, und nach der jüngsten Debatte dürften weitere Anwärter ihre ohnehin geringen Chancen endgültig begraben haben. Der prominenteste Verlierer des Abends war zweifellos der linksliberale Senator Bernie Sanders. Vor drei Jahren hätte der Senkrechtstarter beinahe Hillary Clinton den Spitzenrang abgelaufen. Sanders' Kampagne wurde aber von demokratischen Parteifunktionären, die Clinton längst zur Kandidatin auserkoren hatten, unterlaufen. Die Partei hatte für die Fehlbesetzung einen hohen Preis zu zahlen: eine blamable Wahlniederlage gegen Donald Trump.

Sanders weist aber nun unverkennbare Verschleißerscheinungen auf. Seine Parolen sind dieselben wie im Wahljahr 2016: Krankenversicherung für alle Amerikaner, die komplette Streichung sämtlicher Schulden von Studenten, die ihr Studium auf Pump finanzieren mussten, und die Zwangsauflösung der Großbanken. Dem einst ungeheuer populären Sanders fehlt es an Originalität und neuen Ideen. Dass er an diesem Abend obendrein mit krächzender Stimme wie ein bitterer alter Mann wirkte, das war seiner Sache keineswegs dienlich.

Top-Favorit Joe Biden schlug sich wacker, auch einige andere machten eine gute Figur. Insbesondere bewies Senatorin Elizabeth Warren erneut, warum sie als Anwärterin auf die Spitzenkandidatur ernst zu nehmen ist: Rhetorisch brillant, sattelfest in den Themen und eine unermüdliche Kämpferin, verkörpert sie genau die Eigenschaften, die US-Präsident Donald Trump nervös machen könnten. Denn darum muss es den Demokraten gehen: einen Kandidaten aufzustellen, der Trump bezwingen kann.
© Südwest Presse 14.09.2019 07:45
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