Pluspunkte für zwei Top-Favoriten

Bei der dritten Debatte der US-Demokraten können sich Joe Biden und Elizabeth Warren behaupten. Bernie Sanders dagegen verblasst – und drei Außenseiter überraschen.
  • Die US-Demokraten Joe Biden (l.) und Elizabeth Warren während der Debatte in Texas. Foto: Win McNamee/Getty Images/afp
Das Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber ist von mehr als zwei Dutzend auf die „Top 10“ geschrumpft, die bei der dritten Fernsehdebatte nun erstmals alle gleichzeitig antraten. Ex-Vizepräsident Joe Biden und die Senatorin Elizabeth Warren festigten ihre Spitzenpositionen, während der links-liberale Senator Bernie Sanders einen schwachen Auftritt hatte. Bei dem fast dreistündigen Schlagabtausch fiel Sanders vor allem durch seine heisere, krächzende Stimme auf.

Zentrales Thema war der seit Jahren andauernde Streit um die Krankenversicherung; die Kandidaten gerieten teilweise heftig aneinander. Biden fordert eine Ausweitung der Deckung, die Ex-Präsident Barack Obama im Zuge seiner Gesundheitsreform eingeführt hatte.

Anders sieht es Warren. Sie will private Versicherungen abschaffen und erreichen, dass Medicare, die Krankenversicherung für Rentner, sämtliche Amerikaner erfasst. In dieselbe Stoßrichtung gehen die Vorschläge von Sanders, der das US-System insbesondere nach europäischem Vorbild ausrichten will.

Wie bei den ersten zwei TV-Debatten fehlte es nicht an Versuchen, den Topfavoriten Biden (76) wegen dessen Alters und wiederkehrender Gedächtnislücken zu diskreditieren. Diesmal war es Obamas früherer Wohnbauminister Julian Castro, der gnadenlos zum Angriff blies. „Haben Sie schon vergessen, was Sie vor zwei Minuten gesagt haben?“ glaubte Castro während der Gesundheitsdebatte einen Versprecher Bidens entdeckt zu haben. Später warf er ihm vor, dass „nicht Sie es sind, sondern ich es bin, der Obamas politisches Vermächtnis fortführt“.

Einigkeit bei Waffenkontrollen

Der Versuch scheiterte aber kläglich, und Castro zählte ähnlich wie Sanders und der Unternehmer Andrew Yang zu jenen Kandidaten, deren Chancen mit jeder Debatte weiter schrumpfen.

Eine gute Figur machten der junge Bürgermeister Pete Buttigieg, Senator Cory Booker und erstmals auch der frühere Kongressabgeordnete Beto O‘Rourke. Gewagt war ausgerechnet als Texaner O‘Rourkes Versprechen, „ja, wir werden Euch Eure verdammten Sturmgewehre abnehmen!“. Sämtliche Demokraten sprachen sich für den Zwangsrückkauf von Sturmgewehren bei Privatbürgern aus und versprachen, der mächtigen Waffenlobby den Kampf anzusagen.

Viel Redezeit widmeten die Kandidaten dem wachsenden Rassismus in den USA. Senatorin Kamala Harris brachte die Rassismusdebatte auf den Punkt: Trump betätige an dem Revolver „zwar nicht den Abzug, doch aber verteilt er via Twitter jede Menge Munition“. Peter DeThier

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© Südwest Presse 14.09.2019 07:45
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