Hintergrund

Streit um Verbote

Der Staat fördert Gebäudesanierungen mit zinsgünstigen Darlehen und Zuschüssen. Allein die Broschüre über die Förderung des Bundes umfasst 100 Seiten. Zuständig sind die Kreditanstalt für Wiederaufbau und das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Zusammen bringen es Bund, Länder, Kommunen und Stadtwerke auf mehr als 3100 verschiedene Förderprogramme, die meist an unterschiedliche Bedingungen geknüpft und zum Teil kombinierbar sind.

Im Standardhausbau gibt es ebenfalls maßgeschneiderte Sanierungslösungen. Das System stammt aus den Niederlanden von der Non-Profit-Organisation Energiesprong. Alle Bauelemente werden vorgefertigt: Fassade, Dach und Technikeinheit. Die Sanierung kann in wenigen Wochen abgeschlossen werden. Die Gebäude erfüllen dann den Nullenergie-Standard. Sie produzieren im Jahr genau so viel Energie, wie die Bewohner für Raumwärme, Warmwasser und Strom benötigen. Die EU-Gebäuderichtlinie schreibt diese Norm ab 2021 für Neubauten vor.

Der Bund sollte diesen Standard schon 2020 vorschreiben, empfehlen Experten. Der zusätzliche Aufwand für gut gedämmte Gebäude liege bei 4 bis 6 Prozent der Baukosten, senke die Nebenkosten massiv und amortisiere sich im Durchschnitt in weniger als zehn Jahren. Neubauten würden bis 2050 nicht mehr umfangreich modernisiert. Sie befürworten die Technologieoffenheit in der Haustechnik. Mit einer energieeffizienten Gebäudehülle lassen sich Niedertemperatur- oder Brennwert-Geräte wie Erneuerbare-Energieanlagen am besten kombinieren.

Die Deutsche Umwelthilfe fordert, den Einbau von Ölheizungen ab 2020, von Gasheizungen ab 2025 zu verbieten. Sonst sei ein klimaneutraler Gebäudebestand bis 2050 nicht erreichbar. Die Bundesregierung diskutiert längere Übergangsfristen und setzt auf synthetische Brennstoffe. Doch mit Strom Gas und Kraftstoff zu erzeugen, macht nur Sinn, wenn dieser Strom aus erneuerbaren Energiequellen stammt. Doch deren Ausbau bremst die Regierung.

Qualifizierte Energieberatung ist Voraussetzung, um für jedes Gebäude den finanziell und umweltpolitisch passenden Sanierungsplan zu entwickeln. Die öffentliche Hand sollte diese Kosten tragen, sagen die Verbände. Zudem gelte es, Investitionen und Energieersparnis gerecht auf Mieter, Vermieter und den Staat zu verteilen. Martin Hofmann
© Südwest Presse 14.09.2019 07:45
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