Vier von fünf Anfragen nach Pflegeplätzen abgelehnt

Eine Umfrage ergibt: Stationäre Versorgung in Wohnortnähe ist nur schwer zu bekommen.
Wer einen stationären Pflegeplatz sucht, handelt sich in Baden-Württemberg sehr oft eine Absage ein. Die Ablehnungsquote liegt im Schnitt bei 80 Prozent. Das ergab eine Umfrage der Liga der freien Wohlfahrtspflege im Südwesten.

535 Heime mit Dauer- und Kurzzeitpflegeplätzen beteiligten sich an der Umfrage im Frühjahr. Das sind immerhin 30 Prozent aller Heime im Südwesten. Sie gaben an, wie viele Anfragen sie in einem Zeitraum von fünf Tagen ablehnen mussten. Ergebnis: 82 Prozent der Anfragen für Dauerpflege konnten im Schnitt nicht bedient werden und 77 Prozent der Anfragen nach einem Kurzzeitplatz.

Die Absage-Quote schwankte in dieser Momentaufnahme zwischen 25 Prozent bei der Dauerpflege in Mannheim und 100 Prozent bei der Kurzzeitpflege in den Kreisen Zollernalb und Rottweil.

„Das Ergebnis ist vor allem aus Sicht der betroffenen Menschen unakzeptabel“, so Ursel Wolfgramm von der Liga in einer Mitteilung. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen suchten verzweifelt nach Plätzen. Die Umfrage belege, dass Versorgungsnotstand herrsche. Darin seien sich die Ligaverbände einig. Die Kurzzeitpflege treffe es dabei besonders, wohnortnahe Versorgung sei in vielen Regionen nicht mehr gesichert, hieß es. Mitglieder der Liga sind zum Beispiel Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie und Rotes Kreuz.

Die Ursachen aus Sicht der Verbände: fehlendes Fachpersonal und die Landesheimbauverordnung. Weil Personalschlüssel oder Fachkraftquote nicht zu erfüllen seien, blieben Betten unbelegt. Mehr als 3000 Plätze seien weggefallen, weil das Land Einzelzimmer vorgebe. Das Land müsse die Rahmenbedingungen dringend weiterentwickeln, Kommunen müssten Grundstücke und Gebäude für neue Pflegeplätze bereitstellen.

Unterschiede in den Regionen

Die Liga fragte die Einrichtungen auch nach ihrer Einschätzung der Lage. 42 Prozent finden demnach die Versorgungssituation in der Dauerpflege „ausreichend“, 45 Prozent sagen, sie sei „schlecht“. In der Kurzzeitpflege finden die derzeitige Situation nur acht Prozent ausreichend, aber 83 Prozent schlecht.

Es gibt allerdings Unterschiede in der Einschätzung: So bewerten im Alb-Donau-Kreis zehn Prozent der Einrichtungen, die in der Umfrage geantwortet haben, die Situation in der Dauerpflege als schlecht. Im Kreis Reutlingen sind es 47 Prozent, im Kreis Heidenheim 67 Prozent. Die entsprechende „Schlecht-Quote“ beim Einschätzen der Kurzzeitpflege: 80 Prozent im Alb-Donau-Kreis, 93 Prozent im Kreis Reutlingen und 92 Prozent im Kreis Heidenheim. Alfred Wiedemann
© Südwest Presse 12.07.2019 07:45
120 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.