Zwei Männer und ihr „Hümmelchen“

Ohne sie stünden die historischen Züge auf dem Abstellgleis: Lokomotivführer Juri Hucklenbroich und Heizer Matthias Funk bringen die Sauschwänzlebahn in Fahrt.
  • Sauschwänzlebahn beim Start in Weizen: Die Eisenbahn ist eine überregional bekannte Touristenattraktion. Foto: Patrick Seeger/dpa
  • Heizer Matthias Funk an einem Ventil im Führerstand. Foto: Patrick Seeger/dpa
  • Lokführer Juri Hucklenbroich schaut aus dem Führerhaus. Foto: Patrick Seeger/dpa
Ohne Kohle geht der historischen Dampflok die Puste aus. Für Lokführer Juri Hucklenbroich und Heizer Matthias Funk bedeutet das Schwerstarbeit. Die zwei Männer im Führerhaus der Lokomotive 262 BB schaufeln im Minutentakt Kohle in das Feuer, das im Inneren der Lok lodert. Unterwegs sind sie mit der Sauschwänzlebahn. Die historische Eisenbahn mit ihren dampfenden Lokomotiven ist eine der bedeutendsten Museumseisenbahnen Deutschlands und eine überregional bekannte Touristenattraktion. Ohne Lokführer und Heizer würde bei ihr gar nichts gehen.

Als Hucklenbroich und Funk mit der Dampflokomotive in Blumberg im Schwarzwald-Baar-Kreis in den Bahnhof einfahren, sind sie ein beliebtes Fotomotiv. Passagiere, die sich auf eine Fahrt mit der Bahn freuen, beobachten die zwei Männer bei ihrer Arbeit.

„Wir sind ein rollendes Museum“, sagt der Geschäftsführer der Bahn, Christian Brinkmann. Touristen kommen aus dem In- und Ausland. Die Bahn in Blumberg zieht laut Betreiber jährlich mehr als 95 000 Fahrgäste an. Hucklenbroich (45) und Funk (48) sorgen dafür, dass alles läuft.

Die Lok wiegt 135 Tonnen

„Ohne eine gewisse Leidenschaft für historische Eisenbahnen würde es nicht funktionieren“, sagt Hucklenbroich, als er gemeinsam mit Funk die aus 135 Tonnen Stahl bestehende Lok besteigt. Das digitale Zeitalter lassen die zwei Männer zurück, wenn sie mit der Lok unterwegs sind. Hier geht alles mechanisch. Gefragt ist Handarbeit.

Die Lokomotive aus dem Jahre 1954 hat vier Tonnen Kohle und 11 000 Liter Wasser an Bord. Mit der Kohle wird Feuer gemacht. Dieses erhitzt das Wasser. Dadurch entsteht Wasserdampf. Und dieser treibt die Lok an. „Es braucht Fingerspitzengefühl“, sagt Heizer Funk, während er zur Schaufel greift. Das Feuer muss am Lodern gehalten werden und braucht ständig Kohle. Wirft Funk zu viel Kohle in den Feuerkessel, geht die Wassertemperatur nach oben und die Lok dampft zu stark. Bei zu wenig Kohle ist die Fahrt schnell zu Ende.

Durch das offene Feuer, den Dampf und die Mechanik der tonnenschweren Stahllok ist es am gemeinsamen Arbeitsplatz von Heizer und Lokführer ziemlich heiß, staubig und sehr laut. Doch ist die Lok erst einmal in Fahrt, entsteht Eisenbahnromantik. „Hümmelchen“ nennt der Lokführer die dampfende Zugmaschine. „Weil sie so schön und gleichmäßig schnauft.“

Die Strecke ist einmalig und führt durch eine idyllische Landschaft. Auf 25 Kilometer werden 231 Höhenmeter überwunden. Die Strecke schlängelt sich den Berg hinauf und hinunter, sieht aus wie eine Spirale und erinnert optisch an ein geringeltes Schweineschwänzchen. Das erklärt den Namen Sauschwänzlebahn. Die Bahn und ihre Besatzung fährt vier Mal die Strecke und somit 100 Kilometer am Tag.

Von dem Duo auf der Lok ist dabei volle Konzentration gefragt, die Verantwortung ist groß. Die Lok 262 BB zieht bis zu sieben historische Waggons mit mehr als 500 Passagieren. Die Sicherheit der Fahrgäste liegt in den Händen der zwei Männer auf der Lok. Hohes Tempo spielt keine Rolle. Gefahren wird mit maximal 45 Kilometer pro Stunde. Mehr braucht es bei einer Museumseisenbahn nicht.

„Uns eint die Begeisterung für historische Eisenbahnen“, sagt Heizer Funk. Ihren Fahrgästen geht es ähnlich: Bei Stopps in Bahnhöfen drängeln sie sich an und auf die Lok, um sich ein Bild zu machen. Und Kinder fragen meist, ob sie ein Stückchen Kohle mitnehmen dürfen. „Klar“, sagen Heizer und Lokführer dann, bevor die Fahrt weitergeht.

„Die meiste Arbeit haben wir vor und nach der Fahrt“, erzählt Hucklenbroich. Morgens muss die Lok erst einmal geheizt und warm werden. Zwölf Schubkarren Holz braucht es und einen in Öl getränkten Lumpen, um das Feuer zu entfachen. Danach wird mit Kohle gefeuert. Und am Ende des Tages muss die Lok von Schlacke, Ölresten, Staub und Asche befreit werden. Der Arbeitstag dauert so zwölf Stunden.

Die Sauschwänzlebahn macht die Faszination der nostalgischen Eisenbahn erfahrbar und durchbricht dabei spielend alle Generationengrenzen. Rentner lassen sich ebenso begeistern wie Kinder, sagen die zwei Männer, die seit fünf Jahren zusammen auf der Lok stehen.

Die Fragen kreisen nicht mehr allein um die Technik, sondern auch um die Schadstoffbelastung der Umwelt. „Für die Menge Fahrgäste, die sie transportiert, arbeitet die Bahn effizient“, sagt Heizer Funk. Pro Betriebstag verbrenne sie 1,8 und im Jahr 300 Tonnen Kohle. Jürgen Ruf, dpa
© Südwest Presse 13.09.2019 07:45
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