„Ein unvergessliches Jahr“

Die Amtszeit der Deutschen Weinkönigin Carolin Klöckner geht zu Ende. Jetzt will sich die 24-Jährige aus Vaihingen an der Enz ihrer Bachelorarbeit widmen.
  • Die scheidende Weinkönigin Klöckner hat viele Termine hinter sich. Das Bild entstand bei einem Weinseminar in einem Einkaufszentrum. Foto: Uli Deck/dpa
Ein Jahr lang war die Baden-Württembergerin Carolin Klöckner Regentin der deutschen Weinwelt. Kurz vor Ende ihrer Amtszeit zieht die 24-Jährige ein positives Fazit: „Anfangs war ich etwas skeptisch, ob ich das alles hinbekomme. Aber wenn ich zurückblicke, war das ein unvergessliches Jahr, in dem ich viel gelernt habe – dafür bin ich sehr dankbar“, sagte die „First Lady des Weins“. Am Ende ihrer Amtszeit am 27. September werde sie wohl mehr als 200 Termine absolviert haben. „Aber ich bin ein Energiebündel und fühle mich jetzt nicht ausgebrannt oder so. Der Adrenalinkick hat mich immer wieder angespornt“, betonte sie.

Die Krone werde sie „mit ganz viel Freude und Euphorie“ übergeben, wenn ihre Nachfolgerin Ende September in Neustadt an der Weinstraße (Pfalz) gewählt werde. „Und ich werde ihr den Rat geben: Bleibe dir selbst treu und folge dem, für das du stehst. Lass dich auf das Amt ganz ein. Wenn man zurückblickt, hat jede Weinkönigin es auf ihre Art gemacht“, sagte Klöckner.

Sie selbst sei froh, dass sie von ihrer Familie stark unterstützt worden sei. „Ob das die Mama ist, mit der man eine geplante Präsentation noch einmal durchgeht. Oder meine Geschwister. Aber ich wollte mich in diesem einen Jahr ganz einbringen.“

Dabei habe das Amt auch Vorrang gehabt vor ihrem Studium der Agrarwissenschaften in Hohenheim bei Stuttgart. „Wenn man diese Rolle annimmt, sollte man es hundertprozentig tun. Aber als nächstes kümmere ich mich um meine Bachelorarbeit. Nach diesem Jahr geht es wohl um etwas aus dem Bereich des Weins“, sagte die junge Frau aus Vaihingen (Kreis Ludwigsburg) schmunzelnd.

Was eine Weinkönigin überhaupt mache, diese Frage sei ihr oft gestellt worden. „Interessanterweise nicht im Ausland, wo ich gleich als Fachfrau verstanden wurde, die den deutschem Wein vertritt“, erzählte Klöckner. Wenn sie aber geschildert habe, wofür das Amt stehe, sei schnell Akzeptanz da gewesen. „Ich stehe ja nicht rum und lächele nett, sondern versuche, ein Netzwerk für den deutschen Wein aufzubauen. Da ist die Krone oft ein Anlass, ins Gespräch zu kommen. Dabei sind auch persönliche Freundschaften entstanden.“

13 Anbaugebiete

Rückblickend seien ihre Reisen durch die 13 deutschen Anbaugebiete vielleicht noch interessanter gewesen als die Besuche im Ausland. „Anfangs dachte ich, das vielzitierte Wort der Vielfalt des deutschen Weins sei vor allem ein Marketingbegriff. Aber die Unterschiede bestehen wirklich.“

Der Ruf des deutschen Weins im Ausland sei gut, sagte Klöckner. „Ob in Japan, Hongkong oder den USA: Mir sind Menschen begegnet, die sich richtig gut mit deutschem Wein auskennen. Das hat mich schon überrascht. Oft wurde sogar bedauert, dass man in den heimischen Läden so wenig deutschen Wein findet.“

Als 70. Weinkönigin vertrat Klöckner rund 20 000 deutsche Winzer. Bei der Wahl setzte sie sich gegen elf Konkurrentinnen durch, gefragt waren auch Kenntnisse über Weinproduktion und Weinrecht.

Was bleibt? „Ich hätte gerne Tagebuch geführt. Aber ich bin nicht der Typ, der sich abends noch mal hinsetzt und schreibt. Ich habe jedoch viel fotografiert und werde mir ein schönes Album zusammenstellen“, sagte die scheidende Weinkönigin. Insgesamt freue sie sich darauf, wieder mit Freunden zusammenzusitzen, ohne dass der nächste Termin drängt. Wolfgang Jung
© Südwest Presse 14.09.2019 07:45
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