Neuer Streit um eine Landarztquote

Die CDU pocht auf Einführung des Instruments, Grüne und die Unikliniken widersprechen.
  • Hält an der Landarztquote fest: Wolfgang Reinhart (CDU). Foto: Sebastian Gollnow/dpa
Die CDU-Landtagsfraktion pocht weiter auf eine Landarztquote und blockiert den Plan von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) für den Ausbau des Medizinstudiums. Bauer will die Zahl der Studienplätze im Bereich Humanmedizin deutlich erhöhen. Allerdings lehnt sie eine Landarztquote ab. Die CDU dagegen will künftig zehn Prozent der Erstsemester vor Studienbeginn dazu verpflichten, später in ländlichen Regionen zu arbeiten, wo drastischer Hausarztmangel droht. Eigentlich sollte das Vorhaben am Dienstag im Kabinett verabschiedet werden. „Wir können die Kabinettsvorlage noch nicht freigeben“, sagte CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart am Freitag.

Bauer äußerte Unverständnis: „Ich bedauere es, dass wir durch den Stopp der CDU-Fraktion wichtige Zeit verlieren beim für 2020 geplanten Ausbau der Medizinstudienplätze.“ Die Landarztquote verspreche etwas, was sie nicht halten könne. „Wenn überhaupt, würde sie frühestens in zwölf Jahren greifen.“ Stattdessen soll es nach ihrer Vorstellung Lehrangebote geben, die angehende Allgemeinmediziner für eine Tätigkeit auf dem Land motivieren. In Hessen haben sich die Grünen dagegen im Koalitionsvertrag zur „Einführung einer ,Landarztquote'“ mit dem Ziel verpflichtet, „Medizinnerinnen und Mediziner für den ländlichen Raum zu gewinnen“.

Widerspruch zur CDU-Position kommt derweil auch von Seiten der Unikliniken Tübingen, Ulm, Freiburg, Heidelberg und Mannheim. „Wir sind gegen eine Landarztquote. Sie wäre aus unserer Sicht die uneffektivste Maßnahme, um Ärzte für den ländlichen Raum zu gewinnen. Sie würde auch erst in 15 bis 20 Jahren wirken“, sagte der Vorsitzende der Konferenz der Dekane der Medizinischen Fakultäten Baden-Württemberg, Professor Ingo Autenrieth, dieser Zeitung.

Reinhart äußerte sich nach der zweitägigen CDU-Klausurtagung in Ulm noch zu weiteren Vorhaben mit Konfliktpotenzial. Dabei geht es unter anderem um die Aufstellung des Doppeletats für 2020/2021. Reinhart kritisierte Finanzministerin Edith Sitzmann (Grüne). „Die Regierung und insbesondere die Finanzministerin müssen erst einmal ihre Hausaufgaben machen und einen ausgeglichenen, strukturierten Haushaltsentwurf vorlegen, auf dessen Basis dann die Parlamentarier beraten können“, sagte er. Bislang gebe es „noch keine ausreichende Grundlage für die Regierungsfraktionen“. dpa/rol
© Südwest Presse 14.09.2019 07:45
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