Zur Kündigung kommt der Maßschneider

Ein Vorfall bei Investmentbankern in London bringt Konzernchef Sewing auf die Palme.
Der radikale Konzernumbau bei der Deutschen Bank wird auch eine größere Zahl von Mitarbeitern im Inland ihren Job kosten. „Natürlich wird auch in Deutschland eine substanzielle Zahl an Stellen wegfallen“, sagte Vorstandschef Christian Sewing dem „Handelsblatt“. Wie viele es sein werden, sagte er nicht. Als „respektlos“ bezeichnete Sewing das Verhalten von Mitarbeitern in der Londoner Niederlassung Anfang der Woche. Sie hatten einen Maßschneider bestellt, während Kollegen über ihre Kündigung informiert wurden.

Deutschlands größtes Geldhaus hat sich einen radikalen Konzernumbau verordnet. Das Institut will sich unter anderem aus dem Aktienhandelsgeschäft zurückziehen. Bis Ende 2022 sollen weltweit 18 000 von zuletzt 91 000 Vollzeitstellen gestrichen werden. In Deutschland hatte die Bank Ende März 2019 insgesamt gut 41 500 Vollzeitjobs.

Beim angestrebten internen Kulturwandel sieht Sewing die Bank längst nicht am Ziel. Er sprach auch einen Vorfall bei der Deutschen Bank in London an: „Mir fehlt jegliches Verständnis dafür, dass in unserer Niederlassung in London am Montag jemand Schneider bestellt hat, um Maßanzüge auszumessen.“ Zugleich räumte Sewing ein, dass die umstrittenen millionenschweren Bonuszahlungen in der Vergangenheit „viel zu hoch und viel zu sehr an kurzfristige Erfolgsmaßstäbe geknüpft“ gewesen seien. dpa
© Südwest Presse 13.07.2019 07:45
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