Deutschen vergeht die Lust aufs Auto

Der Dieselskandal hinterlässt deutliche Spuren. E-Autos gelten weiter nicht als massentauglich.
  • Käufer schätzen Gebrauchtwagen. Foto: Alexander Rüsche/dpa
Der Dieselantrieb hat bei deutschen Autokäufern einen zunehmend schweren Stand, zudem lässt die Lust auf das Auto generell nach: Mit rund einem Drittel nach mehr als 40 Prozent vor 2 Jahren wollen weniger Deutsche in den kommenden 18 Monaten ein Auto kaufen. Aber wenn es ein neues Modell sein soll, schielt rund ein Viertel der Interessenten auf einen Geländewagen oder SUV. Vor 4 Jahren noch lag dieser Anteil bei nur 5 Prozent. Nur 7 Prozent können sich den Kauf eines Elektro-Fahrzeugs vorstellen, 17 Prozent immerhin ein Hybrid-Modell. Damit überholt diese Antriebsart den Diesel. Nach 18 Prozent vor 2 Jahren denken jetzt nur 12 Prozent an einen Selbstzünder, wenn es um ein neues Auto geht. Für Hersteller besonders ernüchternd an der Studie des Mineralölkonzerns Aral zu Trends beim Autokauf: Nur noch 14 Prozent wollen ein Neufahrzeug kaufen, vor 2 Jahren war es noch ein Viertel.

Unter dem Strich liege das Kaufinteresse mit 35 Prozent aber über dem langjährigen Durchschnitt, sagt Peter Sauermann von Aral. Trotzdem sind die Vorzeichen, die die Studie für die Internationale Automobilausstellung IAA Mitte September setzt, nicht rosig. 12 Prozent haben beim Kauf einen Gebrauchtwagen im Auge, so viel wie nie zuvor in der seit 15 Jahren erhobenen Analyse. Vor 2 Jahren waren es 6 Prozent.

Auch die Elektrooffensive der Hersteller betrachten die potentiellen Autokäufer eher zurückhaltend. „Als massentaugliche Alternative“ würden Elektroautos noch nicht wahrgenommen, sagt Sauermann. Zwar kann sich die Hälfte der Befragten den Kauf eines Elektroautos vorstellen, aber nicht in den nächsten eineinhalb Jahren. Außerdem wachsen die Ansprüche.

Gestiegene Ansprüche

Im Mittel erwarten E-Autokäufer eine Reichweite von 531 Kilometern. Fast 70 Prozent wünschen sich eine Ladezeit von 30 Minuten oder weniger: „Da ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität unverändert groß.“

In Sachen Umwelt sehen Käufer die deutschen Konzerne im Hintertreffen. Jeder zweite denkt bei Umweltfreundlichkeit an das US-Unternehmen Tesla. In der Markenwahl liegt BMW erstmals mit einem Anteil von 14 Prozent ganz vorne. 2017 stand noch Audi an der Spitze. Mit 12 nach 17 Prozent steht die VW-Tochter jetzt auf Rang 2, Mercedes mit 10 Prozent auf Rang 3. Ein VW-Modell würden nur noch 9 Prozent kaufen, es war früher fast ein Viertel. Ford und auch Opel finden sich mit einem Anteil von jeweils nur 4 Prozent weiter eher in einer Nische.

Aral-Manager Sauermann erwartet aber eine robuste Nachfrage bis Mitte 2021. Rolf Obertreis
© Südwest Presse 16.08.2019 07:45
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