Kommentar Thomas Veitinger zum Urteil über hohe Basiskonto-Gebühren

Den Armen helfen

  • Autor Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könneke
Auf der Internet-Seite Sparkasse.de lässt sich unter „Gesellschaftliches Engagement“ Wohlfeiles finden. Mit „vielfältigen gemeinwohlorientierten Projekten“ setze man sich für das Wohl der Menschen vor Ort ein, heißt es da. Nur warum hat die Stiftung Warentest dann 2019 herausgefunden, dass vor allem Sparkassen für Basiskonten besonders viel verlangen?

Die Antwort dürfte die gleiche sein, wie bei der nun vom Bundesgerichtshof getadelten Deutschen Bank: Die Geldinstitute wollen die Ärmsten der Armen nicht als Kunden haben. „Abwehrkonditionen“ heißen die Kontoführungspreise von bis zu 250 Euro pro Jahr entsprechend. Warum kostet sonst das so genannte Aktiv-Konto bei der Deutschen Bank 4,99 Euro, das Basiskonto aber bislang 8,99 Euro?

Natürlich müssen Banken heute besonders auf ihre Margen achten. Aber solange sie in Glaspalästen in der Stadtmitte sitzen und ihre Bilanzsumme bei mehr als acht Milliarden Euro liegt, sollten auch billige oder gar kostenlose Konten drin sein. Weil es Sozialhilfeempfänger, Obdachlose oder Geflüchtete sonst noch schwerer haben.

Dabei bringen Basiskonten sogar Vorteile mit: Sie dürfen nicht ins Negative rutschen und wer nicht viel Geld hat, verursacht auch nicht viele Bankbewegungen. Die Banken sollten ihr Verhalten überdenken, gerade in schwierigen Zeiten.
© Südwest Presse 01.07.2020 07:45
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