Böse Fallen in Genesungswünschen

Was ist das Gegenteil von gut? Gut gemeint! Gut gemeinte Genesungswünsche können beim Empfänger völlig falsch ankommen und Beziehungen in der Familie, unter Freunden oder am Arbeitsplatz ungewollt belasten. Nehmen Sie sich also Zeit und überlegen Sie genau, wie Sie Ihre Wünsche formulieren. Die nachfolgende Übersicht zeigt typische Fehler und gibt Tipps, wie Sie es besser machen.

1. Der falsche Kommunikationskanal

Über Genesungswünsche freut sich jeder von uns - vermutlich aber nicht über einen Anruf um acht Uhr morgens, wenn der Kranke ausschlafen will. Unangekündigte Besuche sind unangemessen, selbst wenn Blumen oder Pralinen im Gepäck sind. Das gilt für die Wohnung und erst recht für das Krankenhaus. Übermitteln Sie Ihren Gruß lieber auf die altmodische Art per Brief an die Privatadresse. Wenn Sie wissen, dass der Verwandte, Freund oder Kollege längere Zeit im Krankenhaus oder in Kur ist und sich niemand um den Briefkasten kümmert, können Sie auch an die Klinik schreiben. Achten Sie auf eine möglichst genaue Adressierung mit Angabe der Station. So haben Sie die besten Chancen, dass Ihre Post auch ankommt.

2. Genesungswünsche zwischen Tür und Angel

Eine Krankheit ist ein sensibles Thema und sollte entsprechend behandelt werden. Das erwartet der Betroffene von Ihnen. Was beim Geburtstag gerade noch als höflich durchgehen mag, reicht für Genesungswünsche nicht. Eine zwischen hundert anderen Vorgängen eilig zusammengeschusterte E-Mail oder eine WhatsApp-Nachricht ist leicht zu identifizieren und sorgt beim Empfänger für Verärgerung. Vermeiden Sie Tippfehler, kopieren Sie nicht einfach nur fertige Texte aus dem Internet, bringen Sie eine persönliche Note ein. Karten, die neben dem vorgedruckten Text nur Ihre Unterschrift tragen, beweisen nicht Ihre Wertschätzung, sondern das Gegenteil. Worst case sind Kopierfehler, bei denen eine falsche Anrede oder Hinweise auf eine Weiterleitung des Textes, den Sie früher schon verwendet haben, sichtbar bleiben. Egal ob elektronisch oder auf Papier, lesen Sie alles vor dem Absenden noch einmal durch.

3. Schwere Krankheiten nicht ernst nehmen

"Gute Besserung" kann man bei einem Schnupfen wünschen - aber nicht bei einer Krebserkrankung mit unklaren Überlebenschancen. Informieren Sie sich über die Erkrankung und wie der Patient damit umgeht. Eine zu lockere Ansprache wirkt nicht aufmunternd, sondern stellt in Frage, ob Sie die Sorgen ernst nehmen. Auf der anderen Seite ist eine religiöse Ansprache mit Hinweis auf die Endlichkeit des Lebens wohl auch nicht angebracht. Je nachdem, wie eng Ihre Beziehung ist, wünschen Sie lieber ganz allgemein viel Kraft für eine schwere Zeit.

4. Falsche Motivation transportieren

Machen Sie auch als Chef deutlich, dass es Ihnen um den Menschen geht. Ist der Kollege an Burnout erkrankt, hilft es absolut nicht, ihm unter die Nase zu reiben, dass es am Arbeitsplatz drunter und drüber geht und er möglichst schnell zurück sein sollte. Gerade bei psychischen Erkrankungen wünschen Sie besser gute Erholung und Abstand zum Alltagsstress. Bekunden Sie Ihre Anteilnahme und Ihr persönliches Interesse, nicht nur an der Arbeitskraft.

5. Hilfe anbieten, aber nicht leisten

"Falls ich etwas für Sie tun kann, lassen Sie es mich wissen." Rechnen Sie damit, dass der Kranke Ihr Angebot annimmt. Vielleicht bittet er nur um eine kleine Gefälligkeit wie Abgabe der Krankmeldung oder einen Einkauf. Vielleicht möchte er aber Gesellschaft am Krankenbett. Dafür brauchen Sie Zeit und ein offenes Ohr. Bieten Sie im Genesungsschreiben nur Hilfe an, die Sie auch tatsächlich leisten können und wollen. Ein leeres Versprechen ist gerade in einer Krankheitsphase eine große Enttäuschung.

Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

© Schwäbische Post 23.01.2020 10:56
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