Die Schrothkur: altes Heilverfahren neu entdeckt!

Wer im Internet nach Gesundheit und Vitalität sucht, der wird schnell fündig. Unzählige Programme locken mit Entschlackung durch Shakes oder anderem Nahrungsersatz. Allerdings bleibt die Frage nach der Wirksamkeit: Johann Schroth entwickelte bereits im 19. Jahrhundert ein „Wellnessprogramm“, dessen Wirkung noch zu seinen Lebzeiten anerkannt wurde. Ab ca. 1840 wurde die Schrothkur als Naturheilverfahren bei Wunden, Infektionen und anderen Gebrechen eingesetzt. Doch wie funktioniert Fasten nach Johann Schroth? Und ist die Wirkung medizinisch bestätigt? Wir geben Ihnen einen Überblick.

Was ist die Schrothkur?

Der „Semmeldoktor“, wie Johann Schroth (1798 - 1856) auch genannt wurde, entwickelte die Schrothkur durch Selbstversuche und Tierbeobachtungen. Dem Fuhrmann und Sohn eines Landmanns fiel ein besonderes Verhalten von Pferden auf: Bei einer Verletzung oder Krankheit fraßen und tranken die Tiere für gewisse Zeitintervalle weniger. Er schloss daraus, dass ihre Selbstheilungs- und Abwehrkräfte durch das Fasten mobilisiert würden. Magenschonende Kost wie trockene Brötchen (im süddeutschen Dialekt „Semmeln“) wurde die Basis seiner Schrothkur – daher der wohlwollende Spitzname. Heutzutage besteht die Schrothkur aus den Säulen, die Johann Schroth 1840 festgelegt hatte, Fastengäste können sich jedoch auf raffiniertere Speisen als trockene Semmeln freuen.

So funktioniert die Schrothkur: die vier Säulen

Eine Schrothkur besteht aus vier Elementen.

    • Die erste Säule ist das Fasten. Die Fastengäste nehmen während der gesamten Dauer nur kohlehydratbetonte Kost ohne Fett und tierisches Eiweiß zu sich, also vor allem Gemüse, Obst und Vollkornbackwaren.

    • Die zweite Säule setzt auf feuchte Umschläge: Nach dem Aufstehen wird der Körper in kaltfeuchte Leintücher gewickelt und durch warme, trockene Packbetten bedeckt. Die so entstehende Stauwärme fördert die Entgiftung des Körpers.

    • Das dritte Element besteht aus dem Wechsel von Trocken- und Trinktagen: An Trockentagen zieht das Blut Flüssigkeit und damit Schadstoffe aus dem Gewebe, die am Trinktag ausgeschieden werden. Die Regulierung von Wasser, Säften oder Kurwein geschieht, wie die gesamte Kur, unter ärztlicher Aufsicht.

    • Die letzte Säule setzt auf ein bestimmtes Maß an Bewegung, das sich an der Körperverfassung orientiert: Während an den Fastentagen Massagen, Spaziergänge und Entspannung auf dem Plan stehen, hilft Bewegung an den anderen Tagen bei der Ankurbelung des Stoffwechsels und sorgt so für mehr Fettabbau.

    Wirkt die Kur tatsächlich?

    Bewusst essen und viel Bewegung – an den positiven Effekten dieser einfachen Wellnessangebote besteht kein Zweifel. Doch sind die gesundheitlichen und körperlichen Veränderungen während der Schrothkur auch von Dauer? Die Wirksamkeit der Schrothkur wurde in diversen Studien bestätigt – die LMU wies sogar langfristige positive Effekte bei Diabetes-Kranken nach. Zudem bestätigten sich bereits in den 90er Jahren, dass die Schrothkur Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Leistungsfähigkeit der Fastenden hat.

    Gegen Akne, Diabetes, Migräne: die Wirkung der Schrothkur

    Schrothkuren werden unter anderem bei Akne, Diabetes, Migräne, Neurodermitis und rheumatischen Beschwerden eingesetzt. Die Heilung zahlreicher Krankheiten wird durch die Entgiftung des Körpers unterstützt. Experten empfehlen, eine Kurdauer von drei Wochen, um die volle Wirkung zu erzielen. Der Stoffwechsel stellt sich erst innerhalb von einer Woche um. Erst danach setze die heilende, entschlackende Wirkung ein.

    Wo wird das Naturheilverfahren angeboten?

    Viele Kurhotels im Allgäu haben sich auf das Fasten nach Johann Schroth spezialisiert, das seit 1949 zur langen Liste der Allgäuer Naturheilverfahren und Wellnessangebote zählt. Als einziger Schrothkurort Deutschlands bietet Oberstaufen über 60 für die Schrothkur zertifizierte Hotels und Betriebe mit unterschiedlichen Angeboten – von der urigen Pension bis zum Luxushotel mit Golfplatz. Allen gemeinsam ist die Wohltat der Anwendungen und des Fastens nach Johann Schrott sowie die idyllische Allgäuer Bergkulisse.

    Bildquelle: https://pixabay.com/

    © Schwäbische Post 15.05.2020 13:35
    959 Leser
    Ist dieser Artikel lesenswert?
    Kommentar schreiben
    Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

    Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

    Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

    Jetzt kostenlos anmelden

    Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy