Nattokinase - was kann das asiatische Heilmittel?

Aus einem über tausend Jahre alten japanischen Gericht, das aus fermentierten Sojabohnen zubereitet wird, konnte ein ganz besonderes Enzym gewonnen werden. Dieses entsteht im Gericht durch die Zugabe eines speziellen Bakteriums (Bacillus subtilis). In Japan ist das Gericht als "Natto" bekannt und ist schon lange ein zentraler Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Besonders auffallend ist an dieser Stelle, dass Japaner/-innen im globalen Vergleich über die höchste Lebenserwartung verfügen und auch im hohen Alter eher selten an Krankheiten leiden.

Was genau ist also dieses spezielle Enzym? 

Das im Natto entdeckte Enzym wird Nattokinase genannt. Es ist ein Protein und besteht aus 362 Aminosäuren. Ein Forscher aus Japan beschrieb die Nattokinase zum ersten Mal im Jahr 1987. Dabei handelt es sich, in einfachen Worten, um die Fasern der Sojabohnen, die im Natto den klebrigen Teil ausmachen und das Gericht "zusammenhalten". Es wurde seitdem an japanischen als auch an US-amerikanischen Universitäten erforscht.
Nachdem die Forschungsergebnisse über die Medien verbreitet wurden, stiegen die Verkaufszahlen von Natto enorm an. Die positiven gesundheitlichen Effekte wurden schnell weltbekannt.
Heute muss Nattokinase nicht zwingend aus Natto hergestellt werden. Im Labor werden bestimmte Bakterien, die zum Teil genetisch verändert werden, dafür eingesetzt. Je nach Nährboden, kann das Produkt also vegan oder nicht vegan sein.

Wofür wird es verwendet?

Nattokinase dient häufig als Supplement bzw. Nahrungsergänzungsmittel und kann sowohl in Tabletten- als auch Kapselform erworben und eingenommen werden. Besonders bekannt ist Nattokinase allerdings in der alternativen Heilmedizin. 
Dem Enzym wird nachgesagt, ein natürlicher Blutverdünner zu sein. Durch seine fibrinolytischen Eigenschaften kann es Blutgerinnsel lösen, daher zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen angewendet werden und als Ersatz für gängige Medikamente dienen. Zudem wirkt es sich positiv auf einen zu hohen Blutdruck aus und kann bei weiteren Gefäßerkrankungen hilfreich sein.

Trotz allem sind die Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten noch nicht ausreichend getestet, weshalb die Risiken von Nattokinase noch nicht ideal eingeschätzt werden können. Die Langzeitwirkung kann heute noch nicht sicher bestätigt werden, da die passenden Studien dazu fehlen. Gesundheitliche Schäden durch Nattokinase sind gemeinhin jedoch nicht bekannt. 
Obwohl die Forschung noch am Anfang steht, ist Nattokinase ein vielversprechendes Mittel gegen verheerende Volkskrankheiten.

Wird Natto auch in Europa serviert?

Das japanische Gericht ist in der Regel in europäischen Ländern nicht bekannt. Lediglich Betroffene der oben genannten Krankheiten setzen sich mit Nattokinase in Tablettenform auseinander.
Ähnlich wie das wachsende Interesse an Vintage Mode wird auch der Verzehr von Nattokinase als Superfood im europäischen Raum zunehmend nachgefragt. Natto ist für Europäer/-innen jedoch weiterhin eher außergewöhnlich. Der Geschmack ist intensiv, der Geruch verhältnismäßig streng und das Aussehen wirkt durch die vielen, klebrigen Fäden kaum appetitlich. Es wird demnach ungern regelmäßig verzehrt. 
Aus diesem Grunde wurde für genau dieses Problem Natto in Pulverform entwickelt, das in viele Gerichte wie zum Beispiel Saucen oder Suppen integriert werden kann. Auf diese Art und Weise muss nicht auf das gesunde "Superfood" verzichtet werden.

Mit den passenden Utensilien kann Natto sogar individuell hergestellt werden. Die notwendigen Ingredienzien können dafür im Internet erworben werden.

Photo by 8-Low Ural on Unsplash

© Schwäbische Post 23.03.2020 08:35
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