Was Humor mit uns macht - und warum er so wichtig ist

Ohne Freude, Witz und Komik wäre das Leben nur halb so schön. Mit Humor trotzen wir den Widrigkeiten des Lebens und sehen Probleme aus einem anderen Blickwinkel. Man kann also getrost sagen: Wer lacht, der lebt gesünder. Und läuft es einmal nicht ganz rund, dann ist Lachen immer noch die beste Medizin. Doch warum lachen wir eigentlich - und was geschieht dabei im Körper?  

Humor und Gelächter - zwei Seiten einer Medaille

Einmal ganz von vorne: Humor und Lachen gehen zwar Hand in Hand, sie sind aber nicht das Gleiche. Lachen ist eine reflexhafte Reaktion des Körpers - am Humor sind dagegen auch Hirnareale beteiligt, die etwas mit unseren Erwartungen an die Welt zu tun haben. Das Wesen der Komik ist, uns zunächst auf die falsche Fährte zu führen. Eine Vermutung über den Verlauf der Ereignisse wird von einer komischen Wendung schwungvoll über den Haufen geworfen. Bereits Schopenhauer sah in der Komik genau diese Art von "Inkongruenz": Zwei parallele Wahrnehmungen passen nicht zueinander, fügen sich nicht in das übliche Schema der Interpretation - und lösen damit Überraschung aus. Das Begreifen dieser überraschend komischen Wendung vollzieht sich im Gehirn - genauer, an der Außenseite des linken Stirnhirns. Teile des limbischen Systems werden aktiv, die für die Verarbeitung von Emotionen zuständig sind: Im besten Fall lösen die sogenannten Mandelkerne im Anschluss an das Begreifen eine Erheiterung aus. Stimmbänder, Zwerchfell und Gesichtsmuskulatur produzieren unser Lachen - und das alles innerhalb von Millisekunden.

Jeder hat Humor - aber jeder einen anderen

Was wir komisch finden und worüber wir lachen können - das sagt eine Menge darüber aus, wie wir anderen Menschen begegnen und mit ihnen kommunizieren. Unser Humor zeigt unsere innere Haltung, unsere Einstellung zum Leben und zu unseren Mitmenschen. In der Forschung werden dementsprechend vier verschiedene Humorarten unterschieden:

  • Ein Mensch mit verbindendem Humor möchte den Umgang mit anderen Menschen möglichst angenehm und entspannt gestalten - und setzt dafür sein komisches Talent ein.
  • Der selbststärkende Humor hilft dabei, anspruchsvollen Situationen humorvoll zu begegnen und somit einen entspannten Überblick über das Geschehen zu bewahren.
  • Ein Mensch, der Witze auf Kosten anderer macht, um sich selber zu erhöhen und den anderen zu erniedrigen, hat einen aggressiven Humor.
  • Der selbstentwertende Humor bezweckt dagegen die Verspottung der eigenen Person. Damit geht der tieferliegende Wunsch einher, die Gunst der Mitmenschen zu erlangen.

Es lässt sich also sagen: Einen gutmütigen Witz zu erzählen und damit die Atmosphäre aufzuhellen - das ist etwas ganz anderes, als jemanden mit spöttischen Worten "humoristisch" zu entwerten. Humor ist gesund - aber eben nur die verbindende und selbststärkende Art von Humor.

Warum ist Lachen so gesund für den Körper?

Humor wirkt sich nicht nur auf die Psyche aus, sondern beeinflusst auch ganz unmittelbar die körpereigene Glückshormon-Produktion: Beim herzlichen Lachen werden Endorphine ausgeschüttet, die den Spiegel der Stresshormone Cortisol und Adrenalin im Blut senken. Darüber hinaus wird die Bildung von immunstärkenden Zellen angeregt - und das ist besonders gut für die Gesundheit und die Abwehrkräfte. Lachen bewirkt außerdem eine Entspannung der Muskulatur, eine Verbesserung der Durchblutung von Knochen, Sehnen und Bändern und eine Senkung des Schmerzempfindens - für das persönliche Wohlbefinden ist das eine Wohltat.

Humor als Therapie: Kann man Humor trainieren?

Schon der Tiefenpsychologe Sigmund Freud (1856-1939) betrachtete Humor als Mechanismus, der uns hilft, das Leben positiv zu bewältigen. Nach Freud dient Humor der Abwehr von Konflikten, das Lachen der Entladung von psychologischen Spannungen. Auch neueste Erkenntnisse aus der Humorforschung legen nahe: Humor kann dabei helfen, die eigene Situation in einem anderen Licht zu sehen und sie damit ganz neu und konstruktiv zu reflektieren. Dementsprechend setzen Psychotherapeuten mittlerweile zunehmend auf die heilende Wirkung von Humor. Der Einsatz sanfter, natürlicher Stimmungsaufheller wie der hier erhältlichen kann diesen "humoristischen" Ansatz wirkungsvoll unterstützen. Depressive Patienten sind in der Regel niedergeschlagen, fühlen sich vereinzelt und empfinden wenig bis gar keine Freude mehr - sie können aber wieder Freude zurückgewinnen. Der Humor muss dabei nicht neu gelernt werden: Jedes Kind verfügt bereits über eine bestimmte Form von humoristischem Gespür. Mit bestimmten Trainings und Übungen können depressive Patienten wieder eine Verbindung zu ihrem inneren Kind herstellen - und damit auch zu ihren positiven Emotionen. Hinter den meisten Witzen und Scherzen verbirgt sich ein Stück Wahrheit, ein Stück Schmerz. Im humorvollen Umgang mit diesem Schmerz vollzieht sich ein Prozess des Begreifens und Erkennens - und das schafft Befreiung. Das Lachen ist demnach ein Grenzphänomen, ähnlich wie das Weinen. An der Stelle, wo wir mit unseren üblichen Begriffen und Erwartungen nicht mehr weiterkommen, haben wir die Wahl: Das Lachen kann eine befreiende Erweiterung unserer üblichen Mittel sein, mit der Situation fertig zu werden.

Mit Humor das Leben neu betrachten

Wer von den Freuden eines durch Humor bereicherten Lebens profitieren will, der macht sich am besten gleich daran, die Komik des Alltäglichen zu entdecken: unfreiwillig lustige Situationen, Dinge, die einem sonst eher peinlich sind. Die eigene Scham zu überwinden und auch über diese Dinge lachen zu können, ist der erste Schritt auf dem Weg zur positiven Lebenseinstellung. Im nächsten Schritt geht es darum, weder entwertend über sich selbst noch aggressiv über andere zu lachen - sondern das Lachen als verbindendes Element zu entdecken, das Menschen einander näherbringt. Gemeinsames Lachen wirkt integrierend - und ist damit besonders heilsam. Es löst sowohl den scherzenden als auch den humorvoll reagierenden Menschen aus der jeweiligen Vereinzelung und schafft ein Gefühl der Gemeinschaft und Verbundenheit. Das Beste daran: Integrierendes Lachen funktioniert auch, wenn Unbekanntes aufeinanderstößt - wenn sich also Menschen gegenüberstehen, die einander fremd oder noch nicht ganz geheuer sind. Ein neuer Blickwinkel, ein Perspektivwechsel, ein Bruch mit den Erwartungen - und schon kann das Eis brechen. Letztlich steckt hinter einem Scherz oder einer komischen Bemerkung doch der Wunsch, die Welt etwas rosiger aussehen zu lassen - und über Fremdes, Beängstigendes oder Schmerzvolles befreiend hinwegzulachen. 

Photo by PhotoMIX-Company on Pixabay

© Schwäbische Post 08.05.2020 09:56
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