Wie schädlich können Schlafmittel werden?

Guter Schlaf ist wichtig, denn nur so kann das Gehirn zur Ruhe kommen und seine Aufräumarbeiten vornehmen. Ebenso gelingt auch eine Regeneration der Nervenzellen, welche über den Alltag hinweg stark beansprucht werden. Wenn wir aber unter Schlafstörungen leiden, dann geschehen diese Prozesse nicht und die ersten Konsequenzen hieraus werden spürbar. Mit der Zeit können sogar ernsthafte Erkrankungen daraus resultieren.

Es ist daher naheliegend, ein Schlafmittel zu konsumieren. Es scheint die beste Lösung zu sein, denn wir stellen uns hierunter vor, dass wir ins Bett gehen, problemlos einschlafen und am nächsten Morgen erholt und fit aufstehen. Doch so einfach ist es nicht, meinen Schlafexperten und raten dringend von Schlafmitteln ab.

Warum sind Schlafmittel keine Lösung?

Schlafstörungen sind nicht selten behandlungsbedürftig, denn hierbei ist eine Eigentherapie nicht möglich. Ein Arzt muss individuell entscheiden und nötige Maßnahmen ergreifen. Eine leichtfertige Einnahme von Schlafmittel könnte zur Abhängigkeit führen und das Problem wird hierdurch keineswegs — vor allem nicht langfristig — behoben.

Die Abhängigkeit von Schlafmitteln ist auch in Deutschland ein großes Problem, denn über eine Million Menschen sind hiernach süchtig, wobei sich die Dunkelziffer kaum schätzen lässt. Zu den am häufigsten konsumierten Schlafmitteln zählt Valium — ein Benzodiazepin. Wird dieses Medikament verschrieben, dann sollte es nur maximal zwei Wochen konsumiert werden. Ärzte verschreiben diese Mittel aber nur in Härtefällen.

Die Konsequenzen aus dem Konsum von Schlafmitteln

Um einer Abhängigkeit entgegenzuwirken werden in der Regel sekundäre Schlafmittel wie zum Beispiel niedrigpotente Neuroleptika eingenommen, diese führen aber wiederum zu weiteren Nebenwirkungen. Zugleich besteht die Gefahr, dass der Patient sogar in den Tag hinein weiterhin müde bleibt. 

Einhergehen diese Komplikationen aber auch mit Konzentrationsdefiziten, Aufmerksamkeitsstörungen und eine Art Benommenheit, die bei älteren Menschen dazu führen kann, dass es beispielsweise bei einem Toilettengang zu einem Sturz kommt.

Selbiges kann aber auch bei einem rezeptfreien Schlafmittel passieren. Diese Mittel sind aber längst in der breiten Gesellschaft angekommen und gelten fälschlicherweise als harmlos, denn die Werbung hierzu ist im Alltag allgegenwärtig. Letztendlich profitiert aber lediglich der Hersteller.

Einen besseren Schlaf ermöglichen

Viele Betroffene sehnen sich nach einer schnellen Lösung, denn die Folgen eines schlechten Schlafes sind spürbar. In der Schule oder in der Arbeit einnicken ist sicherlich schon jeden passiert und das ist ganz bestimmt nicht angenehm. Doch es ist falsch auf ein Schlafmittel auszuweichen, denn es gibt noch andere Maßnahmen, die sofort ergriffen werden können und tatsächlich wirken.

Es geht hierbei in erster Linie um den Schlafkomfort. Es ist sich kaum einer bewusst, dass bereits eine Matratzenauflage den Schlaf erheblich verbessern kann. Diese gibt es in unterschiedlichen Materialien und sind dafür gedacht, einen gesunden Liegekomfort zu gewährleisten. Zugleich wird sogar die Schlafhygiene verbessert, da Verunreinigungen nicht in die tiefen der Matratze vordringen können.

Die Schlafdauer überdenken

Die ideale Schlafdauer gibt es nicht, denn jeder Mensch unterscheidet sich. Es gibt zahlreiche Faktoren, die hierbei eine Rolle spielen, darunter auch das Alter und eine genetische Veranlagung. Ebenso spielt es aber auch eine Rolle, ob der Schlaf nach Gewohnheiten erfolgt.

Somit kann nicht pauschalisiert werden, wie viel Stunden Schlaf nun nötig wären. Einigen Menschen reichen schon sechs Stunden, während andere Menschen dagegen etwa zehn Stunden Schlaf am Tag benötigen. Wiederum andere halten zusätzlich einen Mittagsschlaf.

Überdacht werden sollte die Schlafdauer allerdings, wenn es einem schwerfällt, überhaupt aus dem Bett zu kommen. In einem solchen Fall hat man entweder zu viel oder zu wenig geschlafen. Es ist tatsächlich so, dass ein „Überschlaf“ dafür sorgen kann, dass ein gewisses Maß an Müdigkeit entsteht.

Im Übrigen liegt die effektivste Schlafdauer im Durchschnitt bei sieben bis acht Stunden Schlaf. Tests haben außerdem gezeigt, dass Menschen mit Übergewicht dazu neigen, mehr Schlaf zu benötigen.

Eine Abendroutine starten

Eine Abendroutine kann den Schlaf ebenfalls verbessern und dieser Tipp ist ganz und gar nicht zu unterschätzen. Unterbewusst wird der Körper nämlich auf den Schlaf vorbereitet. Bis die ersten Erfolge hieraus resultieren dauert es sogar nur wenige Tage. Spätestens aber nach circa zwei Wochen, wird die erhöhte Schlafqualität zu spüren sein.

So könnte eingerichtet werden, dass um 21 Uhr das Smartphone oder Tablet weggelegt und auch in den Flugmodus gesetzt wird. Dann sollte eine Stunde in sich selbst investiert werden, dies könnte eine Meditation sein oder das Lesen eines Buches. Beide Tätigkeiten sollten aber nicht im Schlafzimmer oder gar Bett geschehen, sondern in einem separaten Raum.

© Schwäbische Post 19.03.2020 15:16
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