Gaming: Ein Riesengeschäft?


Gaming ist ein ungemein beliebtes Hobby – infolgedessen streicht die Videospiel-Branche jährlich Milliardenumsätze ein. Unter den Entwicklerstudios tobt jedoch ein großer Konkurrenzkampf – insbesondere, seit der Vertrieb immer einfacher wird. So werden die meisten Spiele längst nicht mehr auf festen Datenträgern angeboten, sondern direkt im Internet veröffentlicht: Dadurch sind sie umgehend für ein weltweites Publikum nutzbar. In Deutschland fordert die Gaming-Branche nun mehr Förderung, um international wettbewerbsfähig bleiben zu können.

Das Feld der Computerspiele ist breit gefächert: Von kleinen Indie-Studios bis hin zu riesigen Konzernen mit Büros in der ganzen Welt werden Spiele unterschiedlichster Genres angeboten. Dazu kommen Magazine, die über Games berichten, Messeveranstalter und viele mehr. In Deutschland überwiegen im Gaming-Bereich vor allem kleine und mittelgroße Entwicklungsfirmen. Auf Seiten wie Browsergames.de kann man sehen, dass insbesondere im Bereich der MMO-Games (Massively Multiplayer Online Games) auch deutsche Firmen durchaus erfolgreich sind: Zum Beispiel Gameforge aus Karlsruhe mit dem „OGame“ oder die Goodgame Studios mit dem MMO-Spiel „Goodgame Big Farm“. Wie viele andere sind auch diese Spiele „free-to-play“ – man kann sie also grundsätzlich kostenlos spielen und zahlt nur, wenn man beispielsweise spielerleichternde Zusatzangebote nutzen will. Ein Geschäftsmodell, das immer beliebter wird.

Investitionen nötig

Potenzial für die deutsche Games-Branche ist also definitiv vorhanden, doch müsste sie laut Verbänden wie dem BIU stärker finanziell gefördert werden und bessere Rahmenbedingungen haben. Das bestätigen auch die ersten Ergebnisse einer groß angelegten Studie der Hamburg Media School in Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn mit dem Titel „Studie zur Computer- und Videospielindustrie in Deutschland. Daten und Fakten zum deutschen Entwicklungs- und Vertriebsmarkt für digitale Spiele“.

So finanzieren sich Games in Deutschland größtenteils über Eigenfinanzierung und zu rund 97 Prozent ohne öffentliche Förderung: nur 2,6 Prozent der Entwicklungskosten werden vom Staat getragen. Dadurch ist es vor allem für kleinere Firmen schwierig, aufwendige Spiele mit hohen Investitionskosten zu entwickeln, da sie mit jedem Produkt ein erhebliches Risiko eingehen. Ein durchdachtes Fördersystem würde ein „nachhaltiges Wachstum“ der Unternehmen ermöglichen.

Neue Wege

Dennoch sei die Games-Industrie eine der umsatzstärksten Medienbranchen in Deutschland, so der Branchenverband BIU. Die Umsätze werden im Vergleich zu anderen Medienbranchen fast zur Hälfte im Ausland erwirtschaftet. Darüber hinaus entwickeln sich auch E-Sports-Events, also Wettkämpfe in Videospielen, weltweit zu einer bedeutenden Branche. Das Publikum verfolgt das Geschehen über Live-Streams auf Plattformen wie beispielsweise Twitch.

In diesem Jahr wurde auch in Deutschland ein Büro von Twitch eröffnet, das zweite in Europa nach London. Der Twitch-Leiter in Deutschland – Burkhard Leimbrock – meint, Deutschland habe für Twitch eine hohe Priorität im Hinblick auf Let’s-plays (per Video aufgezeichnete Spiele) und E-Sports. Es besteht also die Hoffnung, dass sich für die deutsche Gaming-Szene bald neue Wege auftun.

 

Bildrechte: Flickr Gaming Toshiyuki IMAI CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

© Schwäbische Post 06.10.2017 11:23
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