Giftige & tickende Zeitbomben: alte Nachtspeicherheizungen

  • Nachtspeicheröfen und Nachtspeicherheizungen sind gefährlich für Umwelt und Gesundheit. Ältere Heizkörper sind oft mit Asbest belastet.

In vielen deutschen Heimen ticken unbemerkt giftige Zeitbomben vor sich hin. Denn rund eineinhalb Millionen Haushalte in Deutschland nutzen noch veraltete Nachtspeicherheizungen. Die Nachtspeicheröfen erzeugen nicht nur sehr hohe Heizkosten, sondern sind häufig gesundheitsgefährdend – und das ist den meisten Verbrauchern nicht bewusst. Dabei gibt es heutzutage viele alternative und moderne strombetriebene Heizlösungen wie elektrische Speicherheizungen, die energieeffizient, umweltfreundlich und unbedenklich für die Gesundheit sind.

Nachtspeicherheizungen als Gefahr für Umwelt und Gesundheit

Energiekonzerne werben immer noch mit Ihnen: Nachtspeicheröfen. Dabei sind Nachtspeicherheizungen teuer und unökologisch. Insbesondere ältere Modelle enthaltenen oft toxische Stoffe, welche die Gesundheit beeinträchtigen und zu schweren Erkrankungen führen können. Schadstoffe, die in alten Nachtspeicherheizungen vorkommen können, sind unter anderem künstliche Mineralfasern (KMF), polychlodiertes Biphenylen (PCB), chromhaltige Speichersteine/Magnesitsteine sowie Asbest. Zudem weisen Nachtspeicheröfen eine hohe Staubbelastung und immense Bakterienbildung auf und sind für Allergiker oder Asthmatiker nicht geeignet.

Asbest in Nachspeicheröfen

Besondere Vorsicht ist bei Nachtspeicheröfen, die Asbest beinhalten, geboten. Asbest galt im Heizungsbau wegen seiner Beständigkeit und Unempfindlichkeit gegen Hitze als beliebter Baustoff für die Isolation und den Brandschutz. 1993 wurde der eindeutig krebserregende Werkstoff in Deutschland verboten. Schwach gebundener oder freier Asbest kann jedoch immer noch in älteren Nachtspeicherheizungen bis Baujahr 1984 enthalten sein und sich in verschiedenen Bauteilen – überwiegend im Dämm- und Isolationsmaterial – verstecken.

Warum ist Asbest so gefährlich? Ist Asbest schwach gebunden, kann er einfach freigesetzte werden. Die freien Asbestfasern dringen beim Einatmen in die Lungen ein und bahnen sich ihren Weg durch das organische Gewebe. Aufgrund ihrer Beständigkeit verbleiben Asbestfasern häufig im menschlichen Körper und werden nicht mehr ausgeschieden. Einmal eingeatmet kann der Asbest in der Lunge das Gewebe reizen und nachhaltig schädigen. Von Asbest verursachte Erkrankungen können zum Beispiel Asbestose und Lungenkrebs sein.

Die meisten Hersteller von Nachtspeicheröfen weisen darauf hin, dass eine gesundheitsgefährdende Belastung durch Asbest nicht im täglichen Heizbetrieb, sondern erst bei selbstständigen Arbeiten am Heizkörper wie beim Reparieren oder Zerlegen und Entsorgen von Altgeräten eintritt. Andere Stimmen halten es für ratsam, kein Risiko einzugehen und veraltete Geräte professionell gegen moderne Elektroheizungen auszutauschen.

Entsorgung von Altgeräten

Von der eigenständigen Entsorgung belasteter Nachtspeicheröfen sollte gänzlich abgesehen werden. Denn durch die Zerlegung und Entsorgung können Schadstoffe freigesetzt und sowohl die Gesundheit als auch die Umwelt nachhaltig geschädigt werden. Die Entsorgung sollte einem spezialisierten Unternehmen oder der Gemeinde überlassen werden. Bei einer fachgerechten Beseitigung von Nachtspeicheröfen werden Lüftungsöffnungen abgedichtet, das Gerät mit Folie umhüllt und der Heizköper im ungeöffneten Zustand aus dem Gebäude entfernt. In schwierigen Fällen kann es sogar vorkommen, dass die Nachtspeicherheizungen mit einem Kran aus dem Haus befördert werden müssen.

Bildquelle: https://unsplash.com/

© Schwäbische Post 27.10.2017 15:34
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