Marienlied aus dem Archiv geborgen

Tradition Zum Patriziusfest gestaltet der neue Patriziuschor die Wiederaufführung des historischen Musikstücks. Erstmals gibt es beim Fest auch Führungen durch Schloss und Kirche.
  • 1867 schrieb Heinrich Graf Adelmann das Marienlied. Martin Häußermann hat es im Staatsarchiv in Ludwigsburg entdeckt. Foto: jan

Abtsgmünd-Hohenstadt

Zum Patriziusfest am 17. und 18. März in Hohenstadt gibt es in diesem Jahr etwas ganz Besonderes für die Besucher aus nah und fern: Martin Häußermann fand im Ludwigsburger Staatsarchiv ein von Heinrich Graf Adelmann (1848 – 1920) gedichtetes und komponiertes Marienlied. Das soll zum ersten Mal wieder aufgeführt werden.

„Jedes Jahr suchen wir ein historisches Merkmal für das Patriziusfest. 2017 war es eine Reliquie und davor das Glockenjubiläum der Wallfahrtskirche“, erklärt Martin Häußermann. 2018 soll es nun den ganz besonderen musikalischen Höhepunkt bei einem Kirchenkonzert um 18 Uhr am Samstag: Der Patriziuschor Hohenstadt, der im September 2016 gegründet worden ist, wird gemeinsam mit dem Gesangverein Eschach erstmals dieses Marienlied zum Besten geben. Begleitet wird das Ensemble von Harald Ocker an der Orgel. Die Besucher dürfen sich auf einen musikalischen Genuss freuen – auch in der Folge der Wiederaufführung: Der „de Camino Chor“ des Liederkranz Hohenberg unter der Leitung von Ruth Schmid wird beim Kirchenkonzert ebenfalls mitwirken.

Dass das Marienlied des Grafen nun erstmals zu hören sein wird, „war gar nicht so einfach“, wie Nikolaus Graf Adelmann als Nachfahre beschreibt. Grund: Das Lied war vierstimmig komponiert. „Und das ist mit dem Chor nicht zu schaffen. Wir haben zu wenig Männerstimmen“, bedauert Leiterin Sibylle Balle.

In Lehrer a.D. Franz Sickert aus Mutlangen fanden sie einen Fachmann, der aus dem einst vierstimmigen Lied ein dreistimmiges machte. Und so konnte der Chor vor wenigen Wochen mit dem Proben beginnen und der Premiere in Hohenstadt steht nichts mehr im Weg.

Denn die 18 Sängerinnen und Sänger sind ehrgeizig. Der Vorfahr der heutigen Grafenfamilie, Heinrich, war nicht nur Musikliebhaber, sondern auch gefragter Komponist. Der Hofkammerpräsident der Hohenzollern schrieb und komponierte auch Liebeslieder wie „S‘ Rösle“ oder beispielsweise den Sigmaringer Carnevals-Marsch „Freut euch des Lebens“.Und hat so ein ganzes Repertoire an Stücken hinterlassen, die unter anderem auch bei der Grammophongesellschaft als Schallplatte herausgegeben wurden, wie Nikolaus Graf Adelmann schildert.

Das Patriziusfest 2018 in Hohenstadt startet am Samstag, 17. März, um 10 Uhr mit dem Hochamt, das Pfarrer Andreas Macho aus Oberkochen hält. Um 18 Uhr beginnt das Kirchenkonzert mit der Premiere. Am Sonntag, 18. März, trifft man sich um 10 Uhr in der Wallfahrtskirche zum Pontifikalamt mit Weihbischof Matthäus Karrer aus Rottenburg, der auch die Predigt hält.

Der Patriziuschor singt beim Fest auch die Kirchberger Singmesse von Lorenz Maierhofer. Nach dem Hochamt wird im Fruchtkasten und im Zelt bewirtet. Dazu gibt es einer Tombola und erstmals auch Ponyreiten, Kinderschminken sowie Schlossführungen um 13 und 15.30 Uhr. Um 16 Uhr führt Nikolaus Graf Adelmann durch die Kirche. Der Erlös des Patriziusfestes ist für Baumaßnahmen an der Wallfahrtskirche bestimmt. Seit November 2017 muss der Blitzschutz erneuert werden. Die Arbeiten kosten 400 000 Euro.

© Schwäbische Post 05.03.2018 20:58
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