Wie funktionieren multifokale Kontaktlinsen?


Für viele Menschen mit einer Sehschwäche gehören Kontaktlinsen zum Alltag. Die Linsen sind klein, durchsichtig und auf dem Augapfel kaum sichtbar - dennoch gleichen sie selbst starke Sehschwächen aus. Früher konnten Kontaktlinsenträger nur zwischen Fern- und Nahstärke wählen; ein Äquivalent zur Gleitsichtbrille gab es für Kontaktlinsenträger nicht. Doch seit einigen Jahren erobern multifokale Kontaktlinsen den Markt.

Um zu verstehen, wie multifokale Kontaktlinsen funktionieren, muss man zunächst die Funktionsweise herkömmlicher Modelle verstehen. Sie basiert auf den Grundprinzipien der Optik. Das einfallende Licht bricht sich auf der Oberfläche der Linse. Durch deren Wölbung treffen alle Lichtstrahlen an einem Punkt zusammen, und zwar auf der Netzhaut im Augapfel. An diesem "Brennpunkt" entsteht die maximale Schärfe eines Bildes. Im Auge eines sehschwachen Menschen können die Strahlen allerdings nicht an einem Punkt gebündelt werden, wodurch er unscharf sieht. Bei weitsichtigen Menschen liegt der Brennpunkt hinter der Netzhaut, bei kurzsichtigen davor. Ursache dafür ist meist ein zu kurzer oder ein zu langer Augapfel, der die Lichtstrahlen entweder zu schwach oder zu stark bündelt.

Wie kann nun eine Kontaktlinse diese Fehlstellung korrigieren? Die Linse wirkt als zusätzlicher Filter, durch den das einfallende Licht gebrochen wird. Weitsichtige brauchen eine "Sammellinse", die das Licht noch stärker bricht, sie ist demnach in der Mitte dicker als am Rand. Die Linsen für Kurzsichtige, sogenannte Zerstreuungslinsen, sind an den Rändern dicker und zerstreuen das Licht, damit der Brennpunkt auf die Netzhaut fällt und nicht davor.

Gleitsicht für Kontaktlinsenträger

Gleitsichtbrillen funktionieren mit verschiedenen Sehstärken: Im unteren Bereich kommt die Nahstärke zum Tragen, im oberen Bereich die Fernstärke. Der Übergang zwischen den Zonen ist fließend, sodass die Brille in der Mitte eine Zwischendistanz fokussiert. Die neuen Modelle der multifokalen Kontaktlinsen kommen inzwischen ganz ohne Sehstärkenzonen aus. Beide Sehstärken wirken gleichzeitig, da sie kreisförmig auf der Linse platziert sind. In der Mitte befindet sich entweder die Nah- oder die Fernstärke, drumherum liegt der jeweils andere Sehstärkenbereich. Einige Kontaktlinsenhersteller haben eine ringförmige Aufteilung entwickelt, bei der sich die Zonen der Nah- und Fernwirkung abwechseln. Beide Varianten haben jedoch gemeinsam, dass die Sehstärken immer gleichzeitig wirken. Das Auge konzentriert sich dann automatisch auf das scharfe Bild, das es wahrnehmen möchte. Die multifokalen Linsen gibt es als harte und weiche Kontaktlinsen. Sie eignen sich besonders zur Korrektion von Alterssichtigkeit (Presbyopie). Der einzige Nachteil: Das Gehirn braucht eine Weile, bis es sich an die veränderte Wahrnehmung gewöhnt hat.


Bildrechte: Flickr 306/365 - March 6, 2009 Morgan CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

© Schwäbische Post 29.05.2018 10:37
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