Alte Fehde mit der Politik neu befeuert

Matthias Große, nun kommissarisch Präsident, möchte den Verband einen, sorgt aber gleich wieder für Unmut.
  • Kämpferisches Duo: Claudia Pechstein und Matthias Große. Foto: Nico Tapia/dpa
Zu Beginn seiner verkündeten Rettungsmission in der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) hat sich der kommissarische Präsident Matthias Große zum Hausverbot im Bundestag geäußert. Im FAZ-Interview spricht er über Dagmar Freitag und deren SPD-Kollegen Martin Gerster, die ihm damals vorwarfen, bedroht worden zu sein: „Ich habe mit beiden nie im Leben geredet. Wie soll ich sie bedroht haben?“ Das lässt die Sportausschuss-Vorsitzende so nicht stehen: „Um Drohungen auszusprechen, muss man nicht mit jemandem persönlich reden“, sagte Freitag. „Die damals unverzüglich angefertigten schriftlichen Vermerke meiner Mitarbeiterinnen über Herrn Großes Äußerungen sprechen eine klare Sprache: unverschämt im Ton, drohend vom Inhalt („ich marschiere auch in den Plenarsaal ein“).“ Ihre Mitarbeiterinnen seien so verunsichert gewesen, dass deren Fotos aus Sicherheitsgründen von der Website genommen wurden.

Große begründete, er habe im Kampf gegen die Zwei-Jahres-Sperre gegen Claudia Pechstein wegen erhöhter Blutwerte vor zehn Jahren „bestimmt 50 Mal versucht, Freitag und Gerster telefonisch zu erreichen. Vergeblich. Die Volksvertreter waren für einen aus dem Volk nicht zu sprechen. Da habe ich gesagt, wenn die Abgeordneten einen Wahlkampf-Auftritt haben, fahre ich hin. Richten Sie bitte aus, ich werde sie stellen und fragen, warum sie nicht mit der Sportlerin sprechen, die sie öffentlich verunglimpfen“. Dann hätten die Politiker den damaligen Innenminister informiert, dass sie sich bedroht fühlten. „Er hat mich auf die Liste unerwünschter Personen setzen lassen“, so der 52-Jährige.

Dagmar Freitag ist skeptisch, ob Große den Verband einen kann. Ob für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nach tiefgreifenden und zudem öffentlich vorgeführten Zerwürfnissen eine Basis gefunden werden könne, sei für sie „mit einem großen Fragezeichen versehen“.

Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Pechstein kündigte aktuell die Präsentation eines neuen Verbandssponsors für Donnerstag an: „Ein krisenfestes Unternehmen, das die DESG über mehrere Jahre hinweg mit einem sechsstelligen Betrag unterstützt.“ dpa
© Südwest Presse 30.06.2020 07:45
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