Beim Training in Moskau erwischt

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Normannia-Teammanager Stephan Fichter (l.) und Coach Zlatko Blaskic sitzen derzeit nicht nebeneinander auf der Normannia-Bank – "aber wir telefonieren fast täglich", sagt Fichter.
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Stabile Sponsoren und ein Normannia-Spieler, der in Moskau eine Strafe kassiert.

Grashalme sind die Krisengewinner beim FC Normannia. "Der Rasen war noch nie so schön um diese Jahreszeit", sagt Spielleiter Claus-Jörg Krischke. Was sich sonst noch im Stillen der Corona-Zwangspause tut beim FCN.

Die Kaderplanung: Stephan Fichter ist derzeit der einzige beim FCN, der das macht, was er sonst um diese Jahreszeit auch tut: Vertragsgespräche führen. Mit vielen wichtigen Spielern ist sich der Teammanager schon einig geworden, bei einigen ist die Zukunft noch offen. Alle werden nicht bleiben. "Wir wollen auf jeden Fall den Kader etwas verkleinern." Von derzeit 26 (inklusive der Langzeitverletzten Mo Sanogo und Janis Hackner) auf 20 Feldspieler und zwei Torhüter, "plusminus ein, zwei", fügt Fichter hinzu. Auch mit möglichen Neuzugängen ist der Kaderplaner im Gespräch, mehr ist kaum möglich, bevor der WFV nicht über den Fortgang des Spielbetriebs entschieden hat. "Es ist schwierig, einen Vertrag zu unterschreiben, solange es sogar denkbar ist, dass die nächste Saison erst 2021 beginnt."

Das App-Training: Vier Laufeinheiten pro Woche absolvieren die Normannia-Fußballer derzeit. Jeden Sonntagabend verschickt Trainer Zlatko Blaskic die Trainingspläne für die nächste Woche. Über die App "runtastic" dokumentieren die Spieler Strecken und Zeiten und senden die Daten dann an ihren Trainer. "Das klappt fast zu hundert Prozent", sagt Blaskic, "ich bin extrem überrascht, wie gut es funktioniert." Seine Spieler bestätigten seine Einschätzung, "dass sie sehr eigenverantwortlich handeln". Seit fünf Wochen geht das nun so. "Wir wollen bereit sein, wenn es wieder weitergeht." Blaskic weiß auch von Teams aus der Verbandsliga, "die gar nichts machen". "Aber ich finde, das macht man nicht als Trainer in einer schwierigen Phase."

Die gemeinsame Yoga-Stunde: Für den 12. Mai haben sich die Normannia-Fußballer wieder verabredet. Nicht in echt, sondern zu einer virtuellen Yoga-Stunde. Die Regie führt nicht der Normannia-Trainerstab, sondern Lena Backhaus, eine Yoga-Trainerin aus Backnang, die Blaskic schon länger kennt. Mitte April hatte der Chefcoach den Versuch zum ersten Mal gewagt, und es war eine gute Sache, erzählt er. Aus sportlichen und menschlichen Gründen: "Die Führungsspieler haben die Rückmeldung gegeben, dass es richtig fordernd war. Und es hat extrem gutgetan, die Jungs einfach mal wieder zu sehen", erzählt der Trainer. Und wie sich manche verändert haben: "Mal mit Vollbart, mal mit langen Haaren …"

Der Spieler in Moskau: Zwei Wochen lang hat auch Jurij Kotiukov nach Plan trainiert - obwohl der Defensivspieler seit einigen Wochen in Moskau bei seiner Familie ist. Dann musste er abbrechen: In der dritten App-Trainingswoche der Normannia kam in Russland eine Ausgangssperre, Kotiukov hat trotzdem an seinen Trainingsläufen festgehalten, aber er ist erwischt worden. "Er musste sogar eine Strafe zahlen, das möchte ich natürlich nicht", sagt Zlatko Blaskic. Der Trainer hält dennoch weiter Kontakt zu seinem Kicker. "Sobald sich die Lage einigermaßen normalisiert hat und Reisen wieder möglich ist, will er zurückkehren", erzählt er.

Das Präsidium: Den üblichen Termin Ende Juni wird es nicht geben. "Die Mitgliederversammlung ist auf das dritte oder vierte Quartal verschoben", sagt FCN-Präsident Alexander Stütz. Auf der Tagesordnung unter anderem: die vorausgehende Bestellung des Präsidiums durch den Aufsichtsrat. Es sieht sehr nach Kontinuität aus: "Alle vier Präsidiumsmitglieder, Marco Biegert, Roland Staiber, Daniel Dreyer und ich, stellen sich zur Wiederwahl", so der Präsident. Auch auf seinem neuen Posten – Stütz wird ab 1. Juni stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg – glaubt das bisherige Barmer-Vorstandsmitglied, die Zeit fürs Ehrenamt beim FCN weiter aufbringen zu können. "Wir sind ja ein eingespieltes Team", so Stütz.

Die Finanzen: Existenziell bedrohlich wie für manche Proficlubs ist die Lage durch die Corona-Zwangspause für den FC Normannia nicht, das versichert Präsident Alexander Stütz. "Wir sind sehr froh, dass wir eine stabile Situation bei den Sponsoren haben, wir haben sogar positive Signale bekommen." Das sei sehr wichtig, so Stütz, denn die Zuschauereinnahmen fehlen natürlich auch beim FCN. Dafür haben die Spieler zurückgesteckt: "Die Mannschaft verzichtet auf einen gewissen Betrag, sie haben sich sehr positiv verhalten – im Sinne des Vereins."

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