Bremen wird das Risiko erhöhen

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Einer seiner größten Momente als Fußballer: In der Saison 2013/2014 ist Erol Sabanov (vorne) mit dem 1. FC Heidenheim in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Oben mit dem Pokal Kapitän Marc Schnatterer, rechts Torjäger Florian Niederlechner, der heute für den FC Augsburg in der 1. Bundesliga stürmt.
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Trotz des 0:0 im Hinspiel: Für Ex-Kapitän Erol Sabanov hat der 1. FC Heidenheim noch ein hartes Stück Arbeit vor sich. "Das wird am Montag ein ganz anderes Spiel."

In Sachen Aufstieg kennt er sich aus: Erol Sabanov hat es mit dem 1. FC Heidenheim von der Oberliga bis in die 2. Bundesliga geschafft. Jetzt drückt er seinem Ex-Verein die Daumen, dass der Sprung in die 1. Liga gelingt. Im Interview spricht der Ex-Kapitän über ein gerechtes 0:0, die Chancen und darüber, dass "Frank Schmidt jetzt einen neuen Plan braucht".

Herr Sabanov, was war Ihr erster Gedanke, als das Spiel bei Werder Bremen abgepfiffen wurde?

Sabanov: Dass der Plan von Frank Schmidt aufgegangen ist.

Können Sie das erklären?

Es war wirklich eine sehr souveräne Leistung des 1. FC Heidenheim. Taktisch, kämpferisch und auch läuferisch. Nur im letzten Drittel hat sich der FCH schwer getan.

Und doch wäre kurz vor Schluss beinahe der Siegtreffer gelungen.

Ja, der Kopfball von Timo Beermann. "Eule" – wie er von allen genannt wird – war hoch in der Luft, er hat den Ball gut gedrückt, nur war er schlecht platziert. Aber man hat wieder gesehen: Bei den Standards ist der FCH immer gefährlich.

Wäre der Sieg verdient gewesen?

Ich denke, das 0:0 ist ein gerechtes Ergebnis. Es war ein von Taktik geprägtes Spiel. Die Bremer sind mit der Manndeckung der Heidenheimer überhaupt nicht klar gekommen. Sie konnten ihr Spiel nicht aufdrehen, konnten die Räume nicht bespielen. Bremen stand ständig unter Druck.

Was ist das 0:0 auswärts wert?

Für den Kopf ist das eine gute Sache. Heidenheim hat zu Null gespielt, die Defensive stand sehr gut. Aber klar ist auch: Der SV Werder Bremen und dessen Trainer Florian Kohfeldt sind nicht zufrieden. Sie werden in Heidenheim ganz sicher eine Schippe drauflegen. Bremen wird am Montag das Risiko erhöhen und auf ein Auswärtstor gehen. Dazu sind die Bremer auf jeden Fall in der Lage. Und sollte ihnen das gelingen, wird es ganz schwer für Heidenheim. Denn ein Unentschieden reicht dem FCH nicht.

Der 1. FC Heidenheim hat also noch einen weiten Weg vor sich?

Ja, definitiv. Das wird ein komplett anderes Spiel am Montag. Trainer Frank Schmidt braucht jetzt wieder einen neuen Plan. Es wird spannend zu sehen, wie die neuen Ausrichtungen der beiden Mannschaften sind.

Sollte es Heidenheim schaffen: Ist das Team gut genug für die 1. Liga?

Wir müssen uns nichts vormachen: Der 1. FC Heidenheim wäre in der 1. Bundesliga ein krasser Außenseiter. Wenn man die Finanzen sieht und auch die Qualität der Kader – da sind andere Mannschaften viel weiter. Für Heidenheim müsste es darum gehen, das Ganze aufzusaugen und zu genießen. Und vor allem in Ruhe weiterzuarbeiten.

Heidenheim wäre krasser Außenseiter.

Erol Sabanov Ex-Kapitän des 1. FC Heidenheim

Käme ein Aufstieg noch zu früh?

Der FCH ist jetzt die sechste Saison in der 2. Bundesliga. Er hat immer gute Ergebnisse erzielt, hat immer gute Platzierungen geschafft. Das kommt ja nicht von ungefähr.

Was macht den Erfolg beim 1. FC Heidenheim aus?

Der Zusammenhalt, die Geradlinigkeit, die Demut und das vernünftige Wirtschaften. Man muss nur die Infrastruktur anschauen. Hinzu kommen die richtigen Personen in den entscheidenden Funktionen.

Frank Schmidt ist seit 2007 Trainer des FCH. Was macht er anders als seine Kollegen?

Frank ist authentisch. Er entwickelt sich noch immer von Jahr zu Jahr weiter und ist sich nie zu schade, Dinge zu tun, die nicht zu seinem Aufgabenbereich gehören. Und er identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem Verein.

Glauben Sie, dass ihn noch nie etwas anderes gereizt hat?

Mit Sicherheit hat es in all den Jahren schon entsprechende Gespräche gegeben. Aber Frank spürt, dass er den Verein und die Mannschaft noch immer weiterentwickeln kann. Solange das der Fall ist, wird ihn nichts anderes reizen.

Was ist, wenn dieses Gefühl einmal weg ist?

Dann wird sich auch ein Frank Schmidt Gedanken machen, etwas anderes zu machen.

Ein anderes Urgestein ist Marc Schnatterer. Hat er mit 34 Jahren noch die Qualität für die 1. Liga?

Marc ist ein Vollprofi. Wie wichtig er für den FCH ist, hat man erst gegen den HSV wieder gesehen. Er kommt rein und bereitet das entscheidende Tor vor. Marc kann locker noch zwei, drei Jahre spielen – auch in der 1. Bundesliga. Das hat er sich verdient.

Sie selbst waren Kapitän und sind mit dem 1. FC Heidenheim dreimal aufgestiegen. Welches war der schönste Moment?

Jeder Aufstieg war etwas ganz Besonderes. Aber der in die 2. Bundesliga im Jahr 2014 war der emotionalste. Ich bin 40 Jahre alt geworden, ein paar Tage später sind wir in die 2. Liga aufgestiegen und danach habe ich meine Karriere beendet. Das werde ich nie vergessen.

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