Der WFV greift der Politik vor

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Herbstliche Tristesse auf gesperrten Fußball-Plätzen: Mindestens fünf Spieltage Saisonunterbrechung stehen den Amateurkickern nun bevor.
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Was Fußballer aus der Region zur neuen Zwangspause in ihrer Sportart sagen – und weshalb der Württembergische Verband keine Alternative zur Sofortabsage gesehen hat.

Ich bin sprachlos", sagt Joe Colletti, Spielertrainer des Fußball-Bezirksligisten TV Neuler. Damit steht er nicht allein an diesem Donnerstag. Zum zweiten Mal in diesem Jahr sind die Sportler im Land gezwungen, eine Vollbremsung hinzulegen. Wir haben Fakten und Reaktionen aus dem Fußball zusammengetragen.

14 Tore hat er schon wieder auf dem Konto, nach elf Spielen. Aber jetzt ist für Joe Colletti erst Mal wieder Zwangspause – und für unzählige Fußballer mehr. Bis vor kurzem hatten sich viele Kicker nicht träumen lassen, dass es nun zum zweiten mal in diesem Jahr so weit kommen würde. Auch Jens-Peter Schuller, der Bezirksvorsitzende, der ausdrücklich auf das nach den vorliegenden Erkenntnissen sehr geringe Infektionsrisiko auf dem Fußballplatz verwiesen hatte. "Wenn es uns gelingt, auf die dritte Halbzeit zu verzichten, können wir noch lange Fußball spielen", hatte er gesagt.

Auch wenn sich die Spielabsagen durch Corona langsam gesteigert hatten in den vergangenen Wochen, mehr als 90 Prozent aller Partien im WFV-bvereich konnten regulär gespielt werden bis zum vergangenen Wochenende.

Auf die Winterpause gehofft

Joe Colletti hatte gehofft, dass sich der Freiluftsport Fußball noch in die Winterpause würde retten können. "Das wäre die beste Entscheidung gewesen, dann hätte man drei Monate Zeit gehabt, das weitere abzuwarten." Denn die Vorsichtsmaßnahmen seien gut eingehalten worden, findet der 35-Jährige: "Es hat sich, nach meiner Erfahrung aus dieser Saison, jede Mannschaft vorbildlich verhalten bei unseren Spielen." Es bleibt Unverständnis: "Klar, die Gesundheit geht vor. Aber ich verstehe nicht, dass man den Freizeitsport rausnimmt, wo Schulen und einiges andere geöffnet bleiben." Dem Verband macht Colletti keine Vorwürfe: "Der WFV kann, denke ich, wenig dafür – weil er sich nach der Bundesregierung richtet."

Gibt keine Alternative"

Am Donnerstag hatten die drei baden-württembergischen Fußballverbände beschlossen, den gesamten Spielbetrieb der Herren, der Frauen sowie der Jugend von der Oberliga Baden-Württemberg abwärts mit sofortiger Wirkung auszusetzen und ein Spielverbot zu verhängen, das zugleich auch Pokal- und Freundschaftsspiele erfasst. Im Vorgriff der von der Politik erlassenen Regeln: "Die Entscheidung erfolgt bewusst bereits vor der rechtlichen Umsetzung der Bund-Länder-Beschlüsse und aufgrund der sehr eindringlichen Appelle der Bundes- und Landesregierung. Insbesondere Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte, dass alle nicht notwendigen Kontakte bereits jetzt und insbesondere am Wochenende unterbleiben sollen", so die Begründung des WFV.

Es hat sich jede Mannschaft vorbildlich verhalten bei unseren Spielen.

Joe Colletti, TV Neuler

Auch wenn die Infektionsgefahr nach den vorliegenden Studien beim Fußballspielen im Freien als äußerst gering einzuschätzen sei, müsse der Trainingsbetrieb umgehend eingestellt werden. WFV-Präsident Matthias Schöck sagt: "Dieser Schritt ist uns allen schwer gefallen, es gab aber in der aktuellen Situation keine echte Alternative.

"Ordnungsgemäß zu Ende"

Und wie nun weiter? "Es kann keiner abschätzen, man weiß es nicht", bringt es Colletti auf den Punkt. Ob der Spielbetrieb im Kalenderjahr 2020 wieder aufgenommen werden kann, sei derzeit offen und hänge von den weiteren Entwicklungen ab, so der WFV. Der Wille zum Weitermachen ist da: "Alle drei baden-württembergischen Fußballverbände sind weiterhin bestrebt, die Saison 2020/21 ordnungsgemäß zu Ende zu bringen."

Aber es gibt Zweifel

Zweifel gibt es natürlich auch: "Ich glaube persönlich nicht, dass nach jetzigem Stand die Saison – bei der Vielzahl der Spiele – regulär zu Ende gebracht werden kann", glaubt Christian Zech, der Keeper des Oberligisten Sportfreunde Dorfmerkingen.

Es bleibt, wie immer, das Hoffen übrig, zum Beispiel bei Beniamino Molinari, dem Trainer des Verbandsligisten TSV Essingen: "Ich hoffe, dass wir bald wieder trainieren und spielen können."

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