Die Normannia zieht den Kürzeren

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Mit energischem Einsatz versuchten die Spieler der Gmünder Normannia und des TSV Essingen das Ostalbderby der Verbandsliga zu entscheiden. Die Härte auf beiden Seiten verhinderte ein schönes Fußballspiel, das dennoch spannende war bis zum Abpfiff. Hier wetteifern Normanniaakteur Iurii Kotiukov (in rot) und der spätere Essinger Siegtorschütze Yusuf-Serdar Coban um das Leder.
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Der TSV Essingen gewinnt das Ostalbderby bei der Gmünder Normannia durch einen Sonntagsschuss von Yusuf-Serdar Coban mit 1:0.

Wenn er den reinmacht, muss er zuhause ausziehen." Solche Sprüche machten die Runde im VIP-Forum der Normannia, als Luca Molinari in der siebten Minute der Nachspielzeit Maß nahm. Der erst 17-jährige Youngster der Gmünder hätte Familiengeschichte schreiben können. Doch sein Freistoß landete in der Mauer. Und Vater Beniamino Molinari feierte mit seinem TSV Essingen einen glücklichen 1:0-Erfolg.

"Dass wir besseren Fußball spielen können und müssen, das weiß ich", sagte Essingens Chefcoach seinen Jungs gleich nach dem Schlusspfiff. Und dennoch lobte er sie für ihren unbändigen Einsatzwillen und die mannschaftliche Geschlossenheit. "Vor zwei Jahren hätten wir solche Spiele noch verloren." Dank des "Geniestreichs" – wie Molinari den Sonntagsschuss von Yusuf-Serdar Coban ins Dreiangel von Normannia-Keeper Yannick Ellermann in der 49. Minute freimütig bezeichnete – stand am Ende ein glücklicher Essinger Derbysieg.

"Wenn das Spiel 0:0 ausgegangen wäre, hätte niemand etwas sagen können." Diese Einschätzung Jermain Ibrahims – der in der vergangenen Saison noch das Essinger Trikot trug und jetzt den Normanniadress überstreift – teilten die 499 Zuschauer im nach Coronabedingungen ausverkauften Gmünder Normanniastadion am Samstagnachmittag allesamt.

Denn unter dem Strich waren es die Gmünder, die am Ende der ersten 45 Minuten sogar den besseren Eindruck hinterlassen hatten; und nach einer halben Stunde beinahe in Führung gegangen wären. Als Bastian Joas sich vor dem gegnerischen Strafraum das Leder geangelt hatte, schlug er eine Flanke direkt auf den Kopf von Alexander Aschauer. Von dort hätte der Ball aus kurzer Distanz um ein Haar den Weg ins Essinger Gehäuse gefunden. Irgendwie brachte TSV-Keeper Jerome Weisheit die Hand noch dazwischen.

Bis dahin waren echte Tormöglichkeiten Mangelware auf beiden Seiten. Beide Teams gingen hart zu Werke. Es gab viele Unterbrechungen, sodass kein richtiger Spielfluss aufkommen sollte. "Unserer Mannschaft steckt einfach auch ein Spiel mehr in den Knochen", suchte Essingens Abteilungsleiter Dr. Siad Esber die Gründe für die fehlende Spritzigkeit seines Teams an diesem Tag.

Solche Entschuldigungen wollte Beniamino Molinari bei Halbzeit noch nicht gelten lassen. Er fühlte sich in der Kabine seiner ehemaligen Wirkungsstätte im Gmünder Schwerzer deutlich zuhause und artikulierte lautstark seine Unzufriedenheit über die bis dahin gezeigte Leistung seiner Elf. Wirklich besser sollte es aber auch nach dem Seitenwechsel nicht werden.

Und dennoch konnten die Gäste dieses Ostalbderby für sich entscheiden. Als die Normannia-Akteure gleich nach Wiederanpfiff Yusuf-Serdar Coban im Mittelfeld frei laufen ließen, hielt dieser aus 22 Metern einfach mal drauf. Das Spielgerät landete unhaltbar für FCN-Keeper Yannick Ellermann genau im linken Dreiangel.

Wenn das Spiel 0:0 ausgegangen wäre, hätte niemand etwas sagen können.

Jermain Ibrahim Normannia-Spieler

Zwar drängten die Normannen fortan auf den Ausgleich. Sie fanden allerdings kein Rezept, um die sattelfest stehende Essinger Defensive, in der vor allem de 22-jährige Yamoussa Camara mit einer bärenstarken Leistung zu überzeugen wusste, zu überwinden.

Wer weiß, wie die Partie gelaufen wäre, wenn der großzügig leitende Schiedsrichter Felix Prigan aus Deizisau tatsächlich Elfmeter gepfiffen hätte, als Marvin Gnaase im Zweikampf mit Camara im Essinger Strafraum zu Fall kam. Stattdessen aber zeigte er dem aufgebrachten FCN-Coach Zlatko Blaskic den gelben Karton.

TSV-Coach Molinari hatte kurz zuvor Simon Knecht für die den wieder in der Startelf stehenden Johannes Eckl eingewechselt. Wenig später musste Knecht das Feld verletzungsbedingt schon wieder verlassen, weil er offensichtlich im Zweikampf das Knie verdreht hatte. Molinari: "Wir wissen noch nicht, was er hat. Er muss am Montag erst mal zu Arzt." Nur als Zuschauer mitgereist war auf Essinger Seite Felix Nierichlo, der im Pokalspiel gegen die Stuttgarter Kickers am vergangenen Mittwoch verletzt das Feld verlassen musste. Die Normannia musste auf ihre Abwehrspieler Daniel Stölzel, Patrick Lämmle und Joel Lansche verzichten. Daran aber lag es nicht, dass die Gmünder verloren haben.

Als die Blaskic-Elf in der siebten Minute der Nachspielzeit - nach vorangegangener Rudelbildung - einen Freistoß zugesprochen bekam, legte sich der eingewechselte Luca Molinari das Leder zurecht. Doch der Sohn des Essinger Trainers vermochte es nicht, seinem Vater ein Schnippchen zu schlagen. "Ich hatte schon ein mulmiges Gefühl", gestand Beniamino Molinari später. Schließlich sei Luca "gut drin gewesen im Spiel."

Den Elfmeter hätte Blaskic gerne gehabt

Auch wenn es nicht mehr zum Ausgleich gereicht hat, zeigte sich FCN-Trainer Zlatko Blaskic mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden. "Wir waren richtig gut drin im Spiel, waren sehr präsent, haben nur wenig zugelassen und verlieren dann durch einen solchen Sonntagsschuss." Den Elfmeter, den hätte er aber schon gerne gehabt.

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Mit energischem Einsatz versuchten die Spieler der Gmünder Normannia und des TSV Essingen das Ostalbderby der Verbandsliga zu entscheiden. Die Härte auf beiden Seiten verhinderte ein schönes Fußballspiel, das dennoch spannende war bis zum Abpfiff. Hier wetteifern Normanniaakteur Iurii Kotiukov (in rot) und der spätere Essinger Siegtorschütze Yusuf-Serdar Coban um das Leder.
Nicht nur FCN-Coach Blaskic war mit den Entscheidungen von Schiedsrichter Felix Prigan immer einverstanden. Der Normanniatrainer handelte sich später die Gelbe Karte ein.
Rudelbildung und hitzige Wortgefechte in den letzten Sekunden der Nachspielzeit.

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