Ein Vollblutkicker ohne Wehmut

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Am Höhepunkt seiner Karriere: Am 17. März 2013 absolviert Stani Bergheim (2. von links) gegen den SV Sandhausen sein zweites und letztes Spiel in der 2. Bundesliga. Gemeinsam mit (von links) Sascha Traut, Martin Dausch, Robert Lechleiter und Daniel Buballa feiert er den Treffer zum 1:0 für den VfR Aalen.
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Nach dieser Saison ist Schluss – für immer? Stani Bergheim verlässt den TSV Ilshofen und zieht nach Karlsruhe. "Ohne Fußball fehlt mir nichts", sagt der Ex-Profi des VfR Aalen.

Stani Bergheim ohne Fußball? Schwer vorstellbar. Und doch gut möglich. Der Ex-Profi des VfR Aalen verlässt nach dieser Saison den Oberligisten TSV Ilshofen, wo er aktuell als spielender Co-Trainer unter Vertrag steht. Den 35-Jährigen und seine Familie zieht es nach Karlsruhe, dort haben sich die Bergheims ein Haus gekauft. "Gekickt wird vorerst nur noch im Garten – mit dem neunjährigen Sohn Silas.

Dass Stani Bergheim im Sommer nach 17 aktiven Jahren womöglich bei keinem Verein mehr unter Vertrag steht, sieht der 35-Jährige außergewöhnlich gelassen. "Ohne Fußball fehlt mir nichts." Im Gegenteil. "Schon seit drei Jahren genieße ich jede Pause im Sommer und Winter, da kann ich super abschalten."

Für Stani Bergheim gibt es inzwischen Wichtigeres. Seinen Job als Händlermanager, bei dem er viel unterwegs ist. Und natürlich seine Familie mit Frau Anja und seinen Kindern Silas und Cara (7). Der Familie wegen zieht er jetzt auch nach Baden. "Damals beim KSC habe ich meine Frau kennengelernt. Sie hat dort als Physiotherapeutin gearbeitet", erzählt Bergheim. Als er 2008 zum FC Heidenheim gewechselt ist, "hat sie alles für mich aufgegeben". Jetzt sei es an der Zeit, "etwas zurückzugeben". Wobei ihm der Umzug leicht falle. "Ich hatte in Karlsruhe zwei tolle Jahre, und ich habe mich damals in dieser Stadt verliebt".

Seine andere große Liebe war in den vergangenen Jahren der Fußball. Wobei es bei dem Angreifer nicht nur Höhen gab. Steil bergauf ging es am Anfang. Mit der Empfehlung von 22 Toren in 21 Spielen schaffte der junge Bergheim beim FC Normannia den Sprung von den A-Junioren zu den Aktiven. "Ich hatte das Glück, dass Alexander Raaf den Verein verließ und ein Platz im Angriff frei wurde." 17 Tore steuerte Bergheim im ersten Jahr zum Aufstieg in die Oberliga bei. Und auch in der nächsthöheren Spielklasse traf er zweistellig, weil "mich Trainer Alexander Zorniger unglaublich gepusht hat". Der Stürmer wollte mehr und wechselte 2005 ins Profilager zum Viertligisten Bonner SC. Sportlich ein Fehler, wie er inzwischen zugibt. "Das war eine zusammengekaufte Truppe. Ich hätte damals auf Alex Zorniger hören sollen, der mich unbedingt in Gmünd halten wollte." Nach nur einem Jahr war der Torjäger sogar so weit, dass er Schluss machen wollte. "Ich wollte aus dem Profifußball aussteigen."

Dann aber kam der Lockruf vom Karlsruher SC II. Bergheim begann furios und klopfte schnell bei den Profis an. Den Durchbruch hat er nicht geschafft, wie auch danach beim Regionalligisten FC Heidenheim. Zwar war er ein Teil der Aufstiegsmannschaft, "ich kam aber mit der Mentalität der Heidenheimer nicht zurecht – und die nicht mit meiner", sagt der Charakterkopf – und ging 2009 zurück zum FC Normannia.

Es folgte die zweite Chance in der Karriere von Stani Bergheim. Der damalige Trainer Ralph Hasenhüttl holte den 26-Jährigen zum VfR Aalen. "Ich hatte eigentlich nicht mehr das Bedürfnis, Profi zu sein. Viel wichtiger war, dass ich mir mein Studium finanzieren konnte ..." Und doch schaffte Bergheim diesmal den Durchbruch und stieg 2012 mit dem VfR in die 2. Bundesliga auf. Auch wenn es am Ende nur zwei Zweitligaspiele waren, "so habe ich mir den Traum von der Bundesliga erfüllt". Und echte Freunde kennengelernt. Noch heute hat Bergheim ein enges Verhältnis zu Ex-Mitspieler Sascha Traut – der ebenfalls in Karlsruhe lebt.

Ich hätte auf Alex Zorniger hören sollen ...

Stani Bergheim Ex-Fußballprofi

Trainer im Jugendbereich?

Nicht missen möchte der Torjäger auch die sechs Jahre von 2013 bis 2019 beim TSV Essingen, wobei "ich die lieber beim FC Normannia verbracht hätte". Denn: "Die Umgangsweise der Verantwortlichen in Essingen kannte ich aus Gmünd und auch anderen Vereinen so nicht", sagt er offen.

Als "wahnsinnig reizvoll" bezeichnet Bergheim auch sein Engagement als spielender Co-Trainer beim TSV Ilshofen. "Ich habe im vergangenen halben Jahr viel gelernt. Wie Trainer denken und wie sie handeln." Dennoch: Eine Laufbahn als Fußballtrainer kann er sich nicht vorstellen. "Das ist überhaupt nicht meine Motivation", sagt der 35-Jährige. Zumindest im Moment nicht.

Dann geht Stani Bergheim wieder raus in Garten und kickt mit Silas. "Er wird immer besser", sagt der stolze Vater. Und fügt hinzu: "Wer weiß, vielleicht kehre ich ja doch zurück – als Trainer im Jugendbereich ..."

Womöglich sogar mit Sohnemann Silas unter seinen Fittichen.

Die Besten: Zorniger, Hasenhüttl, Dietterle, Stippel, Stindl und Cassio da Silva

Karriere. Stani Bergheim hat in seiner Laufbahn 2 Spiele in der 2. Bundesliga absolviert. Beide im Trikot des VfR Aalen gegen den SV Sandhausen. Hinzu kommen 23 Drittliga- (1 Tor), 63 Regionalliga- (12), 127 Oberliga- (40) und 115 Verbandsligaspiele (60).

Trainer: Bei der Frage nach seinem bestem Trainer nennt Bergheim gleich vier: Alexander Zorniger (beim FC Normannia Gmünd), Helmut Dietterle (Normannia Gmünd), Ralph Hasenhüttl (VfR Aalen) und Norbert Stippel (TSV Essingen).

Mitspieler: Mit vielen guten Fußballern habe er zusammengespielt, sagt Stani Bergheim. Der beste Mitspieler von allen sei Lars Stindl gewesen, mit dem er gemeinsam das Trikot des Karlsruher SC trug. Stindl spielt jetzt für Borussia Mönchengladbach.

Gegner: Wer war sein härtester Gegenspieler? Die Antwort ist Bergheim nicht leicht gefallen. Nach kurzem Überlegen nennt er Cassio da Silva. "Das war damals, als ich mit dem FC Normannia Gmünd gegen den VfR Aalen gespielt habe ..." alex

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