Es ist der Weg des geringsten Widerstandes

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Einige Vereinsverantwortliche können nicht verstehen, dass es in dieser Saison keine Absteiger gibt.

So bewerten Mitglieder von fünf Fußballvereinen auf der Ostalb die Entscheidung der Delegierten des Württembergischen Fußballverbandes (WFV)beim Verbandstag.

Armin Peter, Sprecher des Lenkungskreises bei der Union Wasseralfingen: "Die Entscheidung war zu erwarten. Enttäuscht bin ich aber von dem deutlichen Ergebnis gegen die Zweitplatzierten. Dass die Zweiten keine Chance auf den Aufstieg bekommen und die potenziellen Absteiger drin bleiben, ist aus meiner Sicht definitiv nicht das sportlich Gerechteste. Es ist der Weg des geringsten Widerstandes gegenüber dem WFV. Wenn es Absteiger gegeben hätte, hätten sie wesentlich mehr rechtliche Verfahren am Hals gehabt als bei den Zweitplatzierten. Denn es wären mindestens doppelt so viele Absteiger gewesen wie Zweitplatzierte. Aktuell weiß man gar nicht, wie es weitergeht. Falls es eine zweite Corona-Welle geben sollte, bin ich gespannt, wie die neue Saison mit mehr Teams pro Liga zu Ende gespielt werden soll. Man hätte die aktuelle Saison in aller Ruhe zu Ende spielen können. So hat man nun eine ganz lange Saison, mit wesentlich mehr Spielen vor sich, was ich persönlich nicht nachvollziehen kann."

Tobias Braun, Spielleiter FC Ellwangen: "Uns vom Verein stimmt die Entscheidung natürlich froh. Zum einen haben wir nun die Gewissheit, dass der Saisonabbruch definitiv so ist. Für uns war es die einzig richtige Entscheidung, weil es nicht absehbar war, wann wieder richtig gespielt werden kann. Zum anderen herrscht Klarheit über Aufstieg und Nichtabstieg. Klar, uns als FC Ellwangen kommt die Entscheidung natürlich entgegen. Obwohl wir aber auch sagen, dass wir ganz gut in die Rückrunde gestartet sind und guter Dinge waren. Am liebsten wäre es uns gewesen, wenn wir es sportlich hätten zeigen können, in der Kreisliga A zu bleiben. So sind wir durch die Entscheidung drin geblieben. Darüber sind wir froh, sagen aber auch: In der neuen Runde wollen wir den anderen Mannschaften zeigen, dass wir auch spielerisch zu Recht in der Kreisliga A sind. Das ist unser Ziel."

Mirko Doll, Trainer TSGV Waldstetten: "Ich bin der Meinung, dass es einfach eine Ausnahmesituation ist. Dabei wird es wahrscheinlich auch keine hundertprozentige Lösung geben, die alle zufriedenstellt. Nun hat der WFV eben so entschieden. Man muss es einfach akzeptieren. Klar, aus unserer persönlichen Sicht ist es mit einem Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter natürlich etwas bitter. Doch wir nehmen es jetzt so hin. Wir haben trotzdem eine gute Saison gespielt und sind insgesamt zufrieden. Bezüglich der Absteiger kann ich beide Seiten verstehen. Die Mannschaften, die sich im Abstiegskampf befinden, sind der Meinung, dass sie noch mindestens zehn Spiele Zeit gehabt hätten, die Klasse zu sichern. Wenn sie jetzt abgestiegen wären, wäre es auch nicht wirklich fair gewesen. Unsere zweite Mannschaft in der Kreisliga A ist so ein Beispiel. Auf der anderen Seite ist es so, dass viele andere Mannschaften das nun ein wenig "ausbaden" müssen, da es eine aufgeblähte Liga mit sehr vielen Spieltagen gibt. Dabei entstehen für alle Mehrkosten. Doch es ist derzeit einfach eine Ausnahmesituation - und das sollten alle Vereine akzeptieren."

Rainer Gröner, Abteilungsleiter Fußball SV Lautern: "Wir sehen es so, dass es für den WFV recht schwierig war, eine faire und gerechte Entscheidung für alle zu treffen. Das ist eigentlich fast gar nicht möglich. Wir haben uns natürlich intensive Gedanken gemacht, was auf uns zukommen könnte. Für uns ist es absolut glücklich gelaufen, nachdem die Quotienten-Regel zum Einsatz kam. Wir hatten einen Nutzen davon und freuen uns darüber. Es gibt aber auch immer zwei Seiten. Es ist ein paarmal zur Sprache gekommen, dass wir als Härtefall gesehen werden. Das finden wir nicht so, denn die ganze Entscheidung ist ein Härtefall. Wenn man sich aber für die Quotienten-Regel entscheidet, gibt es natürlich auch ein rechnerisches Ergebnis. Anhand dieser Rechnung sind wir dann letztlich auch verdienter Aufsteiger. Wir sind Nutznießer dieser Geschichte. Doch wir verstehen die anderen Vereine, die enttäuscht sind. Für viele Mannschaften sind Ziele, Hoffnungen und Pläne zerstört worden."

Frank Spliethoff, Spielleiter SGM Hohenstadt/Untergröningen: "Für mich war die Entscheidung keine Überraschung. Was ich aber nicht verstehe ist, dass es einen Aufsteiger gibt, einen Absteiger allerdings nicht. Eine Ausrichtung der Relegation wäre schwieriger, da man überhaupt nicht weiß, wann es weitergeht. Lässt man die Zweiten direkt aufsteigen, wird die obere Liga immer größer. Wer sagt uns, dass der Spielbetrieb im September überhaupt weitergeht? Das weiß ja noch niemand. Da bin ich gespannt, wie sie das mit wesentlich mehr Teams in einer Liga machen wollen. So wie sie es in Bayern und Thüringen planen, wäre für mich die richtige Entscheidung gewesen: So lange die Runde auszusetzen, bis ein Spielbetrieb wieder möglich ist. Wenn man im September wieder spielen könnte, dann hätten wir locker leicht die Saison zu Ende spielen können: Ohne Quotienten-Regelung. Wir waren einer dieser Härtefälle. Man kann es aber nie allen recht machen. Was mir aber schon ein wenig stinkt: Wenn ich ein Team aufsteigen lasse, warum kann ich dann im Gegenzug niemanden absteigen lassen. Das wird ja größtenteils damit begründet, dass es finanzielle Einbußen gibt. Doch auch ein Team auf dem zweiten Platz hat diese, denn die Relegationsspiele sind finanziell auch sehr lukrativ. Manche Teams, die abgeschlagen auf einem Abstiegsplatz stehen, werden durch diese Entscheidungen nun mit dem Klassenerhalt belohnt. Das kann verstehen wer will - ich nicht."

Tim Abramowski

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