Essingen strauchelt an den Kickers

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Janik Wiedmann (links) gibt Gas. Doch die Kickers-Akteure David Kammerbauer und Nico Blank sind dem Essinger dicht auf den Fersen. Am Ende gewann der Oberligist aus Degerloch das WFV-Pokal-Achtelfinale im Essinger Schönbrunnenstadion vor 499 Zuschauern mit einem Doppelschlag nach dem Seitenwechsel glücklich 2:0.
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Der Verbandsligist TSV Essingen zieht gegen den Oberligisten Stuttgarter Kickers mit 0:2 den Kürzeren und verpasst den Einzug ins Viertelfinale.

Nach dem 2:0-Erfolg vor einer Woche gegen den Ligakonkurrenten Dorfmerkingen gewann der Oberligist Stuttgarter Kickers am Mittwochabend auch sein WFV-Pokalspiel beim Verbandsligisten TSV Essingen mit 2:0 und zog damit ins Viertelfinale dieses Wettbewerbs ein. Mit Essingen ist der letzte Vertreter von der Ostalb aus dem WFV-Pokal ausgeschieden.

"Noch zwei Schritte, dann sind wir im Finale", blickte der Leiter des Degerlocher Nachwuchszentrums Norbert Stippel nach vorne. Sein Kompliment galt aber auch den Essingern, die der DFB-Fußballlehrer aus Waldstetten vor wenigen Jahren noch selbst trainiert hatte. "Sie haben sich wirklich gut geschlagen."

Es war eine Einschätzung, die von allen, die sich Mittwochabend im Essinger Schönbrunnenstadion eingefunden hatten, geteilt wurde. 499 Zuschauer – und damit coronabedingt ausverkauft – meldete der Gastgeber. Sie sahen von Beginn an eine Essinger Elf, die die meist lang gefahrenen Stuttgarter Angriffe konsequent abwehrte und versuchte, mit schnellen Tempogegenstößen selbst zum Torerfolg zu kommen. Es war ein Spiel auf Augenhöhe, bei dem die Essinger in Halbzeit eins durchaus hätten in Führung gehen können. Weil es beide Teams zunächst verstanden, die gegnerischen Angreifer vom eigenen Strafraum fern zu halten, mussten die Zuschauer lange Zeit auf echte Torchancen warten.

Niklas Weissenberger – der ausgefuchste Ex-Profi lauerte als aggressive Sturmspitze auf seine Chancen – prüfte nach 25 Minuten erstemals Kickers-Keeper Tobias Trautner. Doch der Sohn des Ex-VfB-Keepers Eberhard Trautner parierte.

Wenig später startete Stuttgarts Noah Lulic rechts durch. Seine Hereingabe klärte Essingens Tobias Feisthammel, der zusammen mit Patrick Auracher und dem bärenstarken Yamoussa Camara lange Zeit nichts anbrennen ließ. Bis in die Sturmspitze zeigte sich die Molinari-Elf aggressiv und ohne Scheu vor dem großen Favoriten.

Als zunächst Simon Knecht in der 34. Minute aus 18 Metern nur knapp am Tor vorbeizielte und dann Erman Kilic Kickers-Keeper Trautner aus kurzer Distanz zu einer Glanzparade zwang, hätte es durchaus die Essinger Führung sein können. Die Gastgeber waren in dieser Phase dem Führungstreffer näher als die Gäste, die sich vom Kampfgeist des Verbandsligisten den Schneid abkaufen ließen. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt.

Nach Wiederanpfiff dauerte es keine drei Zeigerumdrehungen, da führten die Blauen 1:0. Mijo Tunjic nahm eine weite Flanke auf und jagte den Ball aus zehn Metern ins lange Eck. Damit nicht genug: Keine zwei Minuten später stand's 0:2. Noha Lulic war Feisthammel davongeeilt und netzte ein. "Mein Tor war nur der Dosenöffner für unseren Sieg. Der zweite Treffer gleich hinterher war wichtig. Sonst wäre es vielleicht noch einmal richtig eng geworden. Die Essinger hatten ja auch ihre Chancen", konstatierte Tunjic nach dem Abpfiff.

Was wir heute an Glauben und Leidenschaft in diese Partie geworfen haben, war klasse.

Beniamino Molinari Cheftrainer TSV Essingen

Damit hatte der Goalgetter der Gäste durchaus recht. Die Essinger gaben nicht auf und setzten ihre Gäste, die nur noch darauf aus waren, ihr 2:0 zu verteidigen, in deren eigener Hälfte fest. Wer weiß, wie es gelaufen wäre, wenn der 25-Meter-Schuss von Simon Knecht nicht auf dem Querbalken gelandet, sondern ins Netz gegangen wäre? Oder wenn der Kopfball Weissenbergers sein Ziel gefunden hätte? Oder der Schiedsrichter tatsächlich Elfmeter gegeben hätte, anstatt das Handspiel Ruben Reisigs vor die Strafraumlinie zu platzieren?

"Uns hat heute einfach auch das Glück gefehlt, das du für ein solches Fußballspiel auch brauchst", sagte Essingens Chefcoach Beniamino Molinari auch etwas ärgerlich. Aber: "Meinen Jungs kann ich – bis auf die fünf Minuten nach der Halbzeit – überhaupt nichts vorwerfen. Was wir heute an Glauben und Leidenschaft in diese Partie geworfen haben, war klasse. Wir sind auf dem richtigen Weg."

Am Samstag zur Normannia

"Wenn wir den Anschluss schaffen, wird's eine ganz enge Kiste", war sich auch Patrick Funk sicher. Und fügte hinzu: "Was wir heute liegen gelassen haben, wollen wir jetzt am Sonntag gegen die Normannia auf den Platz bringen."

TSV Essingen: Gebauer – Auracher, Feisthammel, Camara – Ruth (85. Dayan), Nierichlo (33. Schiele) – Funk – Kilic (61. Rösch), Wiedmann, Knecht (61. Groiß) – Weissenberger. Stuttgarter Kickers: Trautner – Reisig, Zagaria, Rieg – Blank, Benkeser – Landwehr (77. Riedinger), Lulic (69. Moos), Kammerbauer – Tunjic (65. Dobros), Vioska (21. Braig). Tore: 0:1 Tunjic (47.), 0:2 Lulic (50.). Gelbe Karte: Funk Schiedsrichter: Matthias Wituschek (Ulm) Zuschauer: 499 (ausverkauft)

Immer knallhart am Mann. Erman Kilic (rechts) im Zweikampf gegen David Kammerbauer.Tim Ruth (links) und Patrick Auracher (rechts) beobachten das Geschehen aufmerksam.

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