„Feldzug gegen den Landsmann“

Polnische Presse ätzt wegen Lewandowski: „Bosse machten sich lächerlich“

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Robert Lewandowski ist mit dem FC Barcelona bei seinem Wunschverein gelandet. Die polnische Presse tritt nach dem Transfer-Poker gegen den FC Bayern nach.

München – Der Wechsel von Robert Lewandowski vom FC Bayern zum FC Barcelona war in den vergangenen Wochen das bestimmende Thema in diesem Transfer-Sommer. Zwischen den drei Parteien in diesem Poker flogen Giftpfeile hin und her, die einstige Erfolgsstory zwischen den Bayern und Lewy verkam zur Schlammschlacht.

Der Pole machte seinem Klub öffentlich Vorwürfe und wollte damit einen Transfer nach Spanien erzwingen. Die Bayern blieben aber lange Zeit hart und blockierten den gewünschten Wechsel. Schließlich lenkte der deutsche Rekordmeister bei einer Ablöse von 45 Millionen Euro plus fünf Millionen Boni doch noch ein und erteilte Lewandowski die Freigabe.

Das Wechsel-Theater hallt auch noch mit ein paar Tagen Abstand nach. Während Lewandowski mittlerweile versucht die Wogen zu glätten und die letzte Wochen „vergessen“ will, verschafft sich die polnische Presse Luft und ätzt gegen den FC Bayern. Lewandowski wird in Polen als Volksheld verehrt.

Robert Lewandowski
Geboren: 21. August 1988 (Alter 33 Jahre), Warschau, Polen
Ehepartnerin: Anna Lewandowska (verh. 2013)
Alter Klub: FC Bayern (2014 bis 2022)
Neuer Klub: FC Barcelona

Polnische Presse tritt nach Lewandowski-Transfer gegen FC Bayern nach: „Bosse machen sich lächerlich“

„Zwei Monate lang wurde immer wieder gesagt, dass Robert Lewandowski nirgendwo hingehe, dass er beim FC Bayern München bleiben werde, dass er seinen bis Ende Juni 2023 laufenden Vertrag erfüllen müsse“, fasst das polnische Portal Onet.pl zusammen und übt heftige Kritik an der Vereinsführung. „Robert Lewandowski wollte weg und hat sein Ziel erreicht. Bayern München wollte ihn behalten, aber die Bosse machten sich nur lächerlich.“ Immerhin konnten Oliver Kahn, Hasan Salihamidzic & Co. mit ihrer Taktik die Ablöse in die Höhe treiben.

„In Deutschland wird seit langem ein harter Feldzug gegen unseren Landsmann geführt“, schreibt die große Boulevard-Zeitung Fakt. Fans, Presse und Experten würden Lewandowskis Charakter in Frage stellen. „Ernsthaft? So über den besten ausländischen Spieler in der Geschichte der deutschen Liga sprechen?“, fragt die Zeitung rhetorisch. „Vielleicht ist Lewy der beste Spieler in der gesamten Geschichte der Bundesliga! Fans, die von aufeinanderfolgenden Hassartikeln deutscher Journalisten aufgewühlt wurden, schlossen sich oft selbst dem Angriff auf den polnischen Fußballer an. Sie sagten unter anderem, dass Robert nur ein Söldner war... Das ist verrückt!“

Der Transferpoker zwischen dem FC Bayern und Robert Lewandowski wurde in der polnischen Presse aufmerksam verfolgt.

Polnische Medien: „Robert Lewandowski ist und bleibt eine Bayern-Legende“

Doch nicht alle polnischen Medien machen den FC Bayern nieder. „Robert Lewandowski ist und bleibt eine Bayern-Legende. Daran ändert sich weder durch den Transfer nach Barcelona noch durch dessen Begleitumstände etwas“, schreibt etwa TVN 24. Lewandowski selbst erklärte zuletzt, dass er bald nach München zurückkommen möchte um sich angemessen von allen Kollegen und Mitarbeitern zu verabschieden.

Wirft man einen Blick auf Lewandowskis Zeit bei den Bayern war der Pole ein Glücksfall für die Münchner – sowohl sportlich aus auch finanziell. „Lewandowski kam im Sommer 2014 nach München. Die Bayern zahlten keinen einzigen Zloty für ihn, da sein Vertrag bei Borussia Dortmund gerade ausgelaufen war. Schon damals war klar, dass sich der Wechsel für die Bayern lohnen würde, doch was der Pole in ihren Farben geleistet hat, übertraf selbst die Erwartungen der größten Optimisten“, so der Nachrichtensender weiter.

Alle Bundesliga-Torschützenkönige seit 2010

2010: Edin Džeko - 22 Tore für den VfL Wolfsburg. Der Bosnier dürfte einer der unterschätztesten Stürmer seiner Zeit sein. 2018 wurde er zum ersten Spieler, der in drei der europäischen Top-5-Ligen über 50 Treffer erzielte! Mit dem VfL Wolfsburg wurde er 2009 Deutscher Meister.
2010: Edin Džeko - 22 Tore für den VfL Wolfsburg. Der Bosnier dürfte einer der unterschätztesten Stürmer seiner Zeit sein. 2018 wurde er zum ersten Spieler, der in drei der europäischen Top-5-Ligen über 50 Treffer erzielte! Mit dem VfL Wolfsburg wurde er 2009 Deutscher Meister. © imago sportfotodienst via www.imago-images.de
2011: Mario Gómez - 28 Tore für den FC Bayern. Der gebürtige Schwabe begann seine Profikarriere 2004 beim VfB Stuttgart und beendete sie sage und schreibe 16 Jahre später ebenfalls beim VfB. Der 78-malige Nationalspieler spielte zwischenzeitlich nicht nur beim FC Bayern, mit dem er unter anderem Champions-League-Sieger wurde und die Torjägerkanone gewann, sondern unter anderem auch beim AC Florenz.
2011: Mario Gómez - 28 Tore für den FC Bayern. Der gebürtige Schwabe begann seine Profikarriere 2004 beim VfB Stuttgart und beendete sie sage und schreibe 16 Jahre später ebenfalls beim VfB. Der 78-malige Nationalspieler spielte zwischenzeitlich nicht nur beim FC Bayern, mit dem er unter anderem Champions-League-Sieger wurde und die Torjägerkanone gewann, sondern unter anderem auch beim AC Florenz. © imago sportfotodienst
2012: Klaas-Jan Huntelaar - 29 Tore für den FC Schalke 04. Huntelaar war seinerzeit ein gefürchteter Strafraumstürmer. Der „Hunter“ erreichte 2010 mit der niederländischen Nationalmannschaft das WM-Finale. Im März 2022 begann Huntelaar, zehn Monate nach seinem Rücktritt aus dem Profifußball, im Management von Ajax Amsterdam zu arbeiten.
2012: Klaas-Jan Huntelaar - 29 Tore für den FC Schalke 04. Huntelaar war seinerzeit ein gefürchteter Strafraumstürmer. Der „Hunter“ erreichte 2010 mit der niederländischen Nationalmannschaft das WM-Finale. Im März 2022 begann Huntelaar, zehn Monate nach seinem Rücktritt aus dem Profifußball, im Management von Ajax Amsterdam zu arbeiten.  © imago sportfotodienst
2013: Stefan Kießling - 25 Tore für Bayer 04 Leverkusen. Auch Stefan Kießling ist nach wie vor bei seinem Ex-Verein tätig, er arbeitet in der Verwaltung von Bayer 04 Leverkusen. Kießling spielte von 2006 bis 2018 für die Werks-Elf, mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er Dritter bei der Weltmeisterschaft 2010. Trotz Forderungen von vielen Seiten, spielte Kießling in der Nationalmannschaft nie eine große Rolle, absolvierte lediglich sechs A-Länderspiele.
2013: Stefan Kießling - 25 Tore für Bayer 04 Leverkusen. Auch Stefan Kießling ist nach wie vor bei seinem Ex-Verein tätig, er arbeitet in der Verwaltung von Bayer 04 Leverkusen. Kießling spielte von 2006 bis 2018 für die Werks-Elf, mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er Dritter bei der Weltmeisterschaft 2010. Trotz Forderungen von vielen Seiten, spielte Kießling in der Nationalmannschaft nie eine große Rolle, absolvierte lediglich sechs A-Länderspiele. © imago sportfotodienst
2014: Robert Lewandowski - 20 Tore für Borussia Dortmund. In seiner letzten Saison in Dortmund, bevor er ablösefrei zum FC Bayern wechselte, gewann Robert Lewandowski zum ersten Mal die Torjägerkanone. Der Pole war 2010 von Lech Posen zum BVB gekommen.
2014: Robert Lewandowski - 20 Tore für Borussia Dortmund. In seiner letzten Saison in Dortmund, bevor er ablösefrei zum FC Bayern wechselte, gewann Robert Lewandowski zum ersten Mal die Torjägerkanone. Der Pole war 2010 von Lech Posen zum BVB gekommen. © imago sportfotodienst
2015: Alexander Meier - 19 Tore für Eintracht Frankfurt. Meier war nie der dynamischste Stürmer, dennoch ist er in Frankfurt eine Ikone. Heute ist das Kopfballungeheuer Jugendtrainer und Markenbotschafter bei der Eintracht. Meier absolvierte zwischen 2004 und 2018 336 Spiele und erzielte dabei 119 Tore für die Adler.
2015: Alexander Meier - 19 Tore für Eintracht Frankfurt. Meier war nie der dynamischste Stürmer, dennoch ist er in Frankfurt eine Ikone. Heute ist das Kopfballungeheuer Jugendtrainer und Markenbotschafter bei der Eintracht. Meier absolvierte zwischen 2004 und 2018 336 Spiele und erzielte dabei 119 Tore für die Adler.  © imago sportfotodienst
2016: Robert Lewandowski - 30 Tore für den FC Bayern. In der letzten Saison von Trainer Pep Guardiola dominierte der FC Bayern die Bundesliga, gewann das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund im Elfmeterscheißen und schied in der Champions League im Halbfinale unglücklich gegen Atletico Madrid aus.
2016: Robert Lewandowski - 30 Tore für den FC Bayern. In der letzten Saison von Trainer Pep Guardiola dominierte der FC Bayern die Bundesliga, gewann das DFB-Pokalfinale gegen Borussia Dortmund im Elfmeterscheißen und schied in der Champions League im Halbfinale unglücklich gegen Atletico Madrid aus. © imago sportfotodienst
2017: Pierre-Emerick Aubameyang - 31 Tore für Borussia Dortmund. Bestwert in der Bundesliga, außerdem erzielte Aubameyang 2017 auch das entscheidende Tor zum vierten Pokalsieg von Borussia Dortmund. Der blitzschnelle Gabuner kam von AS Saint-Etienne zur Borussia, wo er von 2013 bis 2018 sein Geld verdiente. „Auba“ erzwang in der Folge einen Wechsel zum FC Arsenal, 2022 wechselte er zum FC Barcelona.
2017: Pierre-Emerick Aubameyang - 31 Tore für Borussia Dortmund. Bestwert in der Bundesliga, außerdem erzielte Aubameyang 2017 auch das entscheidende Tor zum vierten Pokalsieg von Borussia Dortmund. Der blitzschnelle Gabuner kam von AS Saint-Etienne zur Borussia, wo er von 2013 bis 2018 sein Geld verdiente. „Auba“ erzwang in der Folge einen Wechsel zum FC Arsenal, 2022 wechselte er zum FC Barcelona. © Anke Waelischmiller/SVEN SIMON
2018: Robert Lewandowski - 29 Tore für den FC Bayern Nachdem Carlo Ancelotti entlassen wurde übernahm Jupp Heynckes noch einmal. Der FC Bayern spielte am Ende eine seiner besten Bundesliga-Saisons überhaupt. Im Pokalfinale scheiterte man an Eintracht Frankfurt, in der Königsklasse an Real Madrid.
2018: Robert Lewandowski - 29 Tore für den FC Bayern. Nachdem Carlo Ancelotti nach zehn Spielen entlassen wurde, übernahm Jupp Heynckes noch einmal. Der FC Bayern spielte am Ende trotz Trainerwechsel die viertbeste Saison seit Einführung der Drei-Punkte-Regel. Im Pokalfinale scheiterte man an Eintracht Frankfurt, in der Königsklasse an Real Madrid. © Bernd Feil/M.i.S.
2019: Robert Lewandowski - 22 Tore für den FC Bayern. Unter Niko Kovac konnte der Rekordmeister nicht ganz an die Vorsaison anknüpfen, Borussia Dortmund schrammte nur knapp an der Meisterschaft vorbei. Robert Lewandowski traf im DFB-Pokalfinale doppelt, der FC Bayern gewann den Pott durch ein 3:0 gegen RB Leipzig. In der Liga räumte er wieder einmal die Kanone ab.
2019: Robert Lewandowski - 22 Tore für den FC Bayern. Unter Niko Kovac konnte der Rekordmeister nicht ganz an die Vorsaison anknüpfen, Borussia Dortmund schrammte nur knapp an der Meisterschaft vorbei. Robert Lewandowski traf im DFB-Pokalfinale doppelt, der FC Bayern gewann den Pott durch ein 3:0 gegen RB Leipzig. In der Liga räumte er wieder einmal die Kanone ab. © via www.imago-images.de
2020: Robert Lewandowski - 34 Tore für den FC Bayern. Eine historische Saison für den FC Bayern! Die 30. deutsche Meisterschaft wurde beinahe zum Randaspekt. Nach einem halben Jahr unter Hansi Flick gewann der FC Bayern alle möglichen Titel, inklusive der Champions League. Lewandowski war einmal mehr der Erfolgsgarant.
2020: Robert Lewandowski - 34 Tore für den FC Bayern. Eine historische Saison für den FC Bayern! Die 30. deutsche Meisterschaft wurde beinahe zum Randaspekt. Nach einem halben Jahr unter Hansi Flick gewann der FC Bayern alle möglichen Titel, inklusive der Champions League. Lewandowski war einmal mehr der Erfolgsgarant. © Bernd Feil/M.i.S./Pool
2021: Robert Lewandowski - 41 Tore für den FC Bayern. In der Saison 2020/2021 macht sich Lewandowski endgültig unsterblich, indem er den Tor-Rekord von Gerd Müller knackte.
2021: Robert Lewandowski - 41 Tore für den FC Bayern. In der Saison 2020/2021 macht sich Lewandowski endgültig unsterblich, indem er den Tor-Rekord von Gerd Müller knackte. © Poolfoto / Imago
2022: Robert Lewandowski - 35 Tore für den FC Bayern. Das Verhältnis zum FC Bayern bekommt Risse, nichtsdestotrotz liefert Lewandowski. Der Pole gewinnt zum siebten Mal die Torjägerkanone der Fußball-Bundesliga!
2022: Robert Lewandowski - 35 Tore für den FC Bayern. Das Verhältnis zum FC Bayern bekommt Risse, nichtsdestotrotz liefert Lewandowski. Der Pole gewinnt zum siebten Mal die Torjägerkanone der Fußball-Bundesliga! © IMAGO/Revierfoto

Lewandowski-Spitze gegen FC Bayern bei Barca-Termin

Lewandowski ist mittlerweile bei seinem neuen Klub FC Barcelona in Miami gelandet. Die Katalanen sind in Florida zur Saisonvorbereitung und Marketing-Zwecken unterwegs. Lewandowski konnte es sich bei seinem ersten Auftritt in Barca-Kleidung nicht verkneifen, eine Spitze Richtung FC Bayern zu senden. (ck)

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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