FCH besiegt den HSV in letzter Sekunde

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Spiele und Betreuer waren nach dem 2:1-Siegtreffer von Konstantin Kerschbaumer (links, Nr. 27) nicht mehr zu halten. Zum zweiten Mal in dieser Saison haben sie den HSV bezwungen und haben die Aufstiegsrelegation zur Bundesliga vor Augen.
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Heidenheim springt auf Rang drei und hat die Aufstiegsrelegation zur Bundesliga vor Augen. Nächsten Sonntag letztes Ligaspiel beim Meister und Aufsteiger Bielefeld.

Der FC Heidenheim ist einen Sieg von der Relegation zur Fußball-Bundesliga entfernt. Die Elf von Cheftrainer Frank Schmidt besiegte am Sonntag den Hamburger SV in einem Schlussspurt, der an Spannung nicht mehr zu überbieten war, mit 2:1 in der fünften Minute der Nachspielzeit und hat den HSV damit auf Rang vier verdrängt. Am kommenden Sonntag geht's zum bereits feststehenden Meister und Aufsteiger Arminia Bielefeld.

Der Ex-Aalener Joel Pohjanpalo war es, der nur 20 Sekunden nach dem Wiederanpfiff den Hamburger Sportverein in der Voith-Arena mit dem Führungstreffer auf die vermeintliche Siegesstraße brachte. Bis dahin hatte es nämlich nicht danach ausgesehen, als ob die Heidenheimer dieses Topspiel der Liga gewinnen könnten. Zwar gaben beide Mannschaften von der ersten Sekunde an richtig Gas. Bald jedoch waren es die Gäste von der Elbe, die das Spiel dominierten. Schon nach fünf Minuten scheiterte der Hamburger Jan Gyamerah aus spitzem Winkel am Heidenheimer Schlussmann Kevin Müller. Bei der Ecke zwei Minuten später, die Aaron Hunt auf den Hinterkopf von Gideon Jung platzierte, hätte Müller keine Chance gehabt. Vom Innenpfosten sprang der Ball wieder ins Feld zurück. Das hätte bereits die Hamburger Führung sein können.

Beide Teams gingen mächtig zur Sache. Während die Elf von HSV-Trainer Dieter Hecking die spielerischen Akzente setzte und immer wieder für Gefahr im FCH-Strafraum sorgte, vermochte es Heidenheim lange Zeit nicht, sich mit seinen schnellen Tempogegenstößen richtig in Szene zu setzen. Oftmals wurden solche Konter zu leichtfertig verspielt.

So dauerte es fast eine halbe Stunde, ehe Niklas Dorsch mit einem 20-Meter-Schuss Gästekeeper Julian Pollersbeck das erste Mal prüfte. Kein Problem für den HSV-Schlussmann war auch der Schuss von FCH-Angreifer Tim Kleindienst wenig später. Als Sebastian Griesbeck den an diesem Nachmittag nicht allzu auffällig agierenden Aaron Hunt vor dem Strafraum legte, vergab der Gefoulte selbst den Freistoß aus aussichtsreicher Position. Mit 0:0 wurden die Seiten gewechselt.

Joel Pohjanpalo macht den Anfang

Gerade mal 20 Sekunden waren in der zweiten Halbzeit gespielt, da führte Hamburg 1:0. Der Ex-Aalener und finnische Nationalspieler Joel Pohjanpalo erlief sich einen langen Ball und ließ Müller im Kasten der Heidenheimer keine Chance. War es das für den FCH? Das fragten sich die wenigen Menschen im Stadion und die Fans, die das Spiel an den Bildschirmen zuhause oder in den Kneipen verfolgten. Nur zwei Zeigerumdrehungen später prüfte Martin Harnik Müller. Der hielt.

FCH-Coach Schmidt wusste die Zeichen wohl zu deuten. Mit einem Doppelwechsel – Stefan Schimmer und Denis Thomalla kamen ins Spiel – versuchte er die Heidenheimer Offensive zu stärken. Beinahe mit sofortigem Erfolg. Denn fünf Minuten später zappelte das Leder bereits im Netz. Edeljoker Schimmer hatte getroffen. Schiri Deniz Aytekin, der den Treffer anerkannte hatte, wurde aber aus dem Kölner Keller zurückgerufen. Die Videoaufzeichnungen dort zeigten ein Handspiel von Griesbeck. Kein Tor. Weiter ging's.

Das geht nur, wenn die Mannschaft über sich hinauswächst.

Holger Sanwald FCH-Vorstandsvorsitzender

Marc Schnatterer und Norman Theuerkauf kamen ins Spiel. Mit zwei Distanzschüssen zeigte Schnatterer, dass sich der FC Heidenheim noch nicht verloren gab.

Dann der Ausgleich. Als Schnatterer in der 80. Minute den Ball nach innen flankte, war es zunächst Tim Kleindienst, der das Spielgerät im vielbeinigen Gewusel in Richtung Tor bugsierte, der Hamburger Louis Jordan Beyer gab ihm den Rest. Eigentor. Ausgleich 1:1.

Geradezu zum Verzweifeln dann die Schlussminuten. Heidenheim erspielte sich Torchance um Torchance. Der Siegtreffer lag förmlich in der Luft. Nach einer weiten Flanke von Marc Schnatterer war es dann soweit: Schimmer bediente den eingewechselten Konstantin Kerschbaumer. Der netzte zum 2:1-Sieg ein. Nur wenige Sekunden später war die Partie zu Ende.

"Unfassbar", musste selbst FCH-Coach Frank Schmidt zugeben. "Was wäre hier wohl los, wenn Zuschauer da wären." Auf der Tribüne jubelt Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald mit Heidenheims OB Bernhard Ilg. "Ich freue mich riesig. Aber bei mir fällt null Spannung ab", gibt Sanwald unumwunden zu. Er weiß: Zum großen Coup, dem Erreichen der Aufstiegsrelegation, wird im letzten Ligaspiel am kommenden Sonntag beim Meister in Bielefeld ein Sieg nötig sein. "Das geht nur, wenn die Mannschaft über sich hinauswächst."

FC Heidenheim - Hamburger SV 2:1 FCH: Müller - Busch, Mainka, Beermann, Föhrenbach (64. Theuerkauf) - Griesbeck (74. Kerschbaumer) - Leipertz (64. Schnatterer), Dorsch, Mohr (52. Thomalla) - Kleindienst, Otto (52. Schimmer) HSV: Pollersbeck - Beyer, van Drongelen, Letschert - Gyamerah (55. Vagnoman), Jung, Dudziak (67. Kinsombi), Leibold - Hunt - Harnik (67. Jatta), Pohjanpalo (82. Hinterseer) Tore: 0:1 Pohjanpalo (46.), 1:1 Beyer (80./Eigentor), 2:1 Kerschbaumer (90+5) Schiedsrichter: Deniz Aytekin (Nürnberg) Gelbe Karten: Griesbeck, Thomalla - Pollersbeck, Beyer, Jung

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