Papa pöbelt, Sohn muss gehen

  • Weitere
    schließen
+
Die letzte Einheit beim TSV Essingen: Im Mai war Tamás Herbály (Mitte) beim Saison-Abschlusstraining mit dabei. Danach wechselte der 23-jährge Torjäger zum 1. CfR Pforzheim. Eine schnelle Rückkehr könnte an der hohen Ablösesumme scheitern.
  • schließen

Der 1. CfR Pforzheim und Tamás Herbály trennen sich, weil dessen Vater den Trainer beleidigt und einen anderen Spielervater attackiert. Rückkehr zum TSV Essingen schwierig.

Noch vor dem ersten Punktspiel ist Schluss! Der CfR Pforzheim und Torjäger Tamás Herbály werden nach nur wenigen Wochen wieder getrennte Wege gehen. Grund ist ein Vorfall beim Pokalspiel gegen den 1. FC Bruchsal (2:3), an dem der 23-Jährige noch nicht einmal direkt beteiligt war. Dafür dessen Vater, der während des Spiels gegen CfR-Trainer Fatih Ceylan gepöbelt und hinterher den Vater eines anderen Spielers attackiert haben soll.

Was genau war passiert? Auf der vereinseigenen Homepage des Oberligisten ist von "unschönen Vorkommnissen" die Rede. CfR-Sportdirektor Giuseppe Ricciardi sagte gegenüber der Pforzheimer Zeitung, dass ein Mann auf den Stehstufen hinter der Pforzheimer Trainerbank ab der ersten Spielminute in Richtung Trainer Ceylan gepöbelt habe. "Wir dachten erst, das ist ein Bruchsaler Zuschauer", sagt Ricciardi. Wie sich später aber herausstellte, war es der Vater von Tamás Herbály – offensichtlich stark angetrunken.

Außerdem sei er wohl verärgert darüber gewesen, dass sein Sohn zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen musste. Der Spielervater beleidigte Ceylan, und er soll auch immer wieder kleine Gegenstände in Richtung Trainerbank geworfen haben. Ceylan sagte gegenüber der Pforzheimer Zeitung, dass das "kleine Steine oder auch Erbsen" waren. Der Bitte, den Mann aus dem Stadion zu verweisen, sei der gastgebende Verein aber nicht nachgekommen. Lediglich die Aufforderung des Stadionsprechers, zehn Meter Abstand zur Auswechselbank zu halten, habe erst einmal für Ruhe gesorgt. Allerdings nicht lange: Denn nach der Partie soll es auf der Terrasse des Clubheimes "richtig abgegangen sein", so der Sportdirektor. Herbálys Vater und dessen Begleiter sollen laut Augenzeugen auf einen anderen Pforzheimer Spieler losgegangen sein. Und auf dessen Vater. Sogar ein Aschenbecher soll geworfen worden sein.

Die Polizei rückt an ...

Der Verein bestätigt die Auseinandersetzungen in einer Stellungnahme auf der Homepage: "... die Attacke war an einen anderen Spielervater gerichtet, worauf die Situation eskalierte und durch mehrere herbeieilende Personen geschlichtet werden musste." Einer dieser Schlichter sei CfR-Trainer Fatih Ceylan gewesen. "Wir können froh sein, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagt Ricciardi. Als die alarmierte Polizei eintraf, waren die Handgreiflichkeiten bereits beendet. Tamás Herbály äußerte sich hinterher gegenüber der Pforzheimer Zeitung zu dem Vorfall. "Schon während des Spiels gab es einen Disput mit meinem Vater und dem Vater eines Teamkollegen. Der Stress nach dem Spiel lag dann aber nicht nur an meinem Vater", sagt der Spieler und fügt hinzu, dass das Verhalten seines Vater teilweise "nicht okay" war. Er sei eben mit dem Herzen dabei, wenn der Sohn spiele, schließlich sei der Papa selbst mal Fußballprofi in Ungarn gewesen.

Ja, wir haben uns mit Tamás beschäftigt.

Patrick Schiehlen Sportdirektor des TSV Essingen

Und wie geht es jetzt weiter? Der Verein und der Spieler wollen den Vertrag auflösen, Herbály spielt in den Planungen des 1. CfR Pforzheim keine Rolle mehr. "Der Spieler ist ein super Junge, wir bedauern den Vorfall sehr", sagt Sportdirektor Giuseppe Ricciardi. Auch Fatih Ceylan tut der Spieler leid. "Leider verhindern manchmal Eltern den sportlichen Weg ihrer Kinder ..."

Molinari sagt Ja zu Herbály

Herbály selbst sagt nur: "Ich wurde als Stammspieler geholt, doch es ist in Pforzheim nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe." Sein Berater müsse nun einen neuen Verein für ihn suchen. Oder geht's zurück zum Ex-Club? Beniamino Molinari sagt, dass "ich Tamás gerne wieder bei uns hätte". Denn: "Er kennt die Mannschaft, er kennt die Abläufe, und ich kenne ihn." Allerdings weiß der Trainer auch, dass eine Rückkehr "schwierig wird". Denn: Die Pforzheimer verlangen eine Ablösesumme für den ehemaligen ungarischen Junioren-Nationalspieler. "Ja, wir haben uns mit Tamás beschäftigt, aber wir sind uns bislang weder mit dem CfR Pforzheim noch mit dem Spieler einig geworden", sagt TSV-Sportdirektor Patrick Schiehlen.

Eine Rückkehr von Tamás Herbály sei daher "fragwürdig".

Zurück zur Übersicht: Fußball

Mehr zum Thema

WEITERE ARTIKEL