Saison abgebrochen und annulliert

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Die Amateurkicker können die Fußballschuhe ausziehen: Der Württembergische Fußballverband hat am Freitag entschieden, die Saison 2020/2021 abzubrechen und zu annullieren.
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Schlusspfiff für die Amateure: Der WFV beschließt, die seit Ende Oktober 2020 unterbrochenen Runde mit sofortiger Wirkung zu beenden. Es gibt keine Auf- und keine Absteiger.

Jetzt ist amtlich, was sowieso jeder erwartet hat: Die Fußball-Saison 2020/2021 ist mit sofortiger Wirkung beendet. Genau genommen hat es sie aus sportlicher Sicht nie gegeben, weil alle bislang absolvierten Partien annulliert werden. "Mich macht es traurig für all die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen, die so gerne Fußball spielen", sagt Jens-Peter Schuller. Wobei der Bezirksvorsitzende, der die Entscheidung mit getroffen hat, auch sagt: "Es war alternativlos."

Ausgenommen von der Entscheidung ist lediglich die Oberliga. Der Grund: Weil die übergeordnete Regionalliga Südwest ihre Saison nach jetzigem Stand zu Ende spielt, sei die Aufstiegsfragen noch ungeklärt. Eine Entscheidung über mögliche Aufsteiger steht noch aus.

Für alle anderen Spielklassen von der Verbandsliga bis zu den Kreisligen bedeutet der Beschluss, dass es weder Auf- noch Absteiger gibt. Damit wird die Saison 2021/2022 in den jeweiligen Ligen mit demselben Teilnehmerfeld gestartet wie die jetzige. "Wir haben bis zuletzt gehofft, müssen nun aber diese bittere Entscheidung treffen", sagt WFV-Präsident Matthias Schöck. Ein Abbruch sei deshalb erst dann sachgerecht, wenn in der verbleibenden Zeit keine sportliche Entscheidung mehr herbeigeführt werden könne. "Dieser Punkt war nun erreicht."

Ärgerlich ist das natürlich für die Vereine, die in ihren Ligen die Tabelle angeführt und auf dem besten Weg zum Aufstieg waren. Wie der TSV Essingen. Die Elf von Trainer Beniamino Molinari hatte zum Zeitpunkt der coronabedingten Unterbrechung Ende Oktober 2020 bereits sechs Punkte Vorsprung auf den Zweiten FSV Hollenbach. "Das ist extrem bitter für uns", sagt Patrick Schiehlen. Der Sportdirektor des TSV Essingen ist sich sicher, dass "wir die ganz große Möglichkeit hatten, in die Oberliga aufzusteigen". Dazu habe der Verein auch die entsprechenden Möglichkeiten geschaffen. "Wir haben vor Saisonbeginn unseren Kader und das Umfeld professioneller aufgestellt, das alles verpufft nun." Natürlich sei es aus sportlicher Sicht "in Ordnung", dass eine Runde mit gerade einmal 12 absolvierten Spielen nicht gewertet werde. Aber: "Mich ärgert, dass der Verband vergangenes Jahr so blauäugig war und gedacht hat, dass man die Saison regulär durchziehen könne." "Folgerichtig" nennt Achim Pfeifer die Entscheidung des WFV, weil "es keine ernsthafte Wertung möglich ist, wenn nur 12 von 38 Partien gespielt sind". Der Vorsitzende der TSG Hofherrnweiler weiß natürlich auch, dass seine Mannschaft als Tabellenvorletzter vom Abbruch profitiert und in der Liga bleiben darf. Wobei Pfeifer auch sagt: "Ich bin mir sicher, dass wir aufgrund unserer Entwicklung die Klasse auch sportlich gehalten hätten." Eines ist dem Vorsitzenden der TSG Hofherrnweiler noch wichtig: "Für die Vereine, die oben stehen, tut es mir sehr leid."

Einige Etagen tiefer: Die SGM Hohenstadt/Untergröningen hat in der Kreisliga B II zehn Spiele absolviert – und alle zehn gewonnen. Der Vorsprung auf den Zweiten TSF Gschwend beträgt bereits sieben Punkte. "Jeder kann sich denken, wie wir uns gerade fühlen ...", sagt Spielleiter Fabian Berroth.

Es war alternativlos.

Jens-Peter Schuller Bezirksvorsitzender Ostwürttemberg

Im Pokal soll gespielt werden

Ein paar Spiele soll es aber noch geben: in den Pokalwettbewerben – sowohl auf Verbands- als auch auf Bezirksebene. Im WFV-Pokal sind noch vier Partien zu absolvieren. Dort soll der Sieger auf sportlichem Weg ermittelt werden. Offen ist, wie es im Bezirkspokal weitergeht. Da haben die Bezirke das letzte Wort.

Patrick Schiehlen vom TSV Essingen wagt bereits einen Blick in die Zukunft. Und sagt: "Für die kommende Runde wünsche ich mir eine vorausschauendere Planung." Denn der Sportdirektor geht davon aus, dass auch die Saison 2021/2022 nicht regulär gespielt werden könne. "Für mich gibt es deshalb nur eines: die Liga teilen und eine Nord- und Südstaffel."

WFV-Präsident Schöck äußert sich da schon hoffnungsvoller: "Ich bin zuversichtlich, dass wir die neue Saison pünktlich starten und endlich wieder die Wochenenden in gewohnter Atmosphäre auf unseren Fußballplätzen verbringen können."

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