Schaut die Union in die Röhre?

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Das tut weh. Strauchelt der aktuelle Tabellenführer der Aalener Kreisliga A am Saisonabbruch? Die Quotientenregelung wirft die Wasseralfinger auf Rang hinter dem SSV Aalen zurück. Sie dürfen – sollte der Verbandstag gemäß dem Vorschlag der Verbandsspitze entscheiden – nicht einmal eine Aufstiegsrelegation spielen.
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Wenn der Zweitplatzierte keine Aufstiegschance erhalten sollte, dann fühlt man sich bei der Union Wasseralfingen – bei Saisonabbruch A-Liga-Tabellenführer – betrogen.

Potenzielle Absteiger werden für eine schlechte Leistung belohnt. Andere, die eigentlich eine tolle Leistung gebracht haben, werden bestraft. Auf diesen Nenner bringt Armin Peter den Beschlussantrag des Württembergischen Fußballverbandes, die Saison abzubrechen, keine Mannschaft absteigen zu lassen und den Zweitplatzierten ihre Chance zu nehmen, über die – vor der Saison ausgesprochene – Relegation in die nächsthöhere Liga aufzusteigen.

Ob es tatsächlich so kommt, darüber entscheiden die Delegierten der Fußballbezirke in diesen Tagen über einen außerordentlichen Verbandstag per Online-Stimmabgabe. Ausgezählt wird am Samstag.

Die Union Wasseralfingen, unter der sich die Fußballabteilungen des FV Viktoria, der DJK-SG und des SV Wasseralfingen zusammengeschlossen haben, würde ein solcher Beschluss doppelt hart treffen. Als die Saison wegen der Corona-Pandemie im März abgebrochen wurde, führte die Union die Tabelle der Kreisliga A II an. Einen Punkt dahinter, aber mit einem Spiel weniger, rangierte der SSV Aalen. Über die Quotientenregel, über die laut Verbandsvorschlag nun der Meister und damit der Aufsteiger in die Bezirksliga ermittelt würde, würde der SSV Aalen in der Tabelle nach vorne rutschen und damit direkt in die Bezirksliga aufsteigen. Wenn die Relegation – wie ebenfalls vom Verband empfohlen – in dieser Saison nicht ausgetragen würde, dann ginge der Zweitplatzierte – in diesem Fall die Union Wasseralfingen – leer aus.

"Das kann es doch nicht sein", sagt Armin Peter. Der Vorsitzende des Wasseralfinger Stadtverbandes Sport und Kultur ist gleichzeitig Sprecher des Lenkungskreises der Union-Fußballer. In dieser Funktion hat er in einem Schreiben dem Württembergischen Fußballverband (WFV) und dem Vorsitzenden des Bezirks Ostwürttemberg, Jens-Peter Schuller, das Leid der Union-Fußballer geklagt.

Die Wasseralfinger sind nicht die einzigen, die – wenn die Delegierten der Bezirke mehrheitlich dem Vorschlag des Verbandes folgen – sich auf diese Weise um den Lohn ihrer Arbeit geprellt sehen. Rund 40 Schreiben liegen mittlerweile auf dem Tisch von WFV-Hauptgeschäftsführer Frank Thumm.

Ein Streichen dieser Chance ist nicht spielordnungskonform, ungerecht und nicht akzeptabel.

Armin Peter Sprecher des Union-Lenkungskreises

"Es ist doch klar, dass wir mit dem Verfahrensvorschlag des WFV nicht einverstanden sind", sagt Peter und betont, dass sich seine Fußballer und die gesamte Abteilung um den möglichen Aufstieg betrogen fühlen. "Wir sind überzeugt davon, dass wir die Tabellenführung nicht mehr abgegeben hätten und als Meister aufgestiegen wären." Dies sage er, ohne damit dem SSV an den Karren fahren zu wollen. Dass aber sein Verein jetzt nicht einmal mehr über eine Relegation die Chance des Aufstiegs bekomme, "das halten wir für ungerecht." Peter: "Wenn es dann so kommt, dass es keine Absteiger gibt, dann werden wir für eine gute Leistung, mit der wir sportlich in dieser Liga überzeugen konnten, sogar noch bestraft, während jene, die eine schlechte sportliche Leistung gebracht haben, belohnt werden. Das ist nicht gerecht." Warum werden Absteiger nicht auch über die Quotientenregel ermittelt? So fragt man sich in Wasseralfingen. Und nicht nur dort, wie die Empörung der betroffenen Vereine im gesamten Landesverband zeigt.

Andere Landesverbände würden zeigen, dass es auch "besser und gerechter" geht. Peter verweist zum Beispiel auf Schleswig-Holstein, wo sowohl die Erst- als auch Zweitplatzierten direkt aufsteigen dürfen und niemand absteigt. Oder in Bayern. Dort wird die Saison ab September – sofern es dann möglich ist – fortgeführt.

Die bayerische Lösung, nämlich die Saisonfortsetzung, ist es, wofür sich Mannschaft und Verantwortliche von Union Wasseralfingen aussprechen. Das hätte, erläutert Peter, den Vorteil, dass die Saison sogar erst im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden könnte, wenn es die Bedingungen nicht anders erlauben. Denn: Niemand weiß heute, ob im September tatsächlich wieder gespielt werden kann.

Neben der Anwendung der Quotientenregel auch für den Abstieg fordert die Union außerdem, dass für den Fall, dass die Zweitplatzierten nicht direkt aufsteigen dürfen, ein Konzept erarbeitet wird, wie eine Aufstiegschance über die Anwendung der Quotientenregel ermöglicht werden kann. Denn, sagt Peter: "Ein Streichen dieser Chance ist nicht spielordnungskonform, ungerecht und nicht akzeptabel."

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