SV Neresheim: Der Eklat um die Werner-Brüder

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Nach einer Auseinandersetzung im Training kam's zum Bruch: Der SV Neresheim hat Kapitän Denis Werner (ganz links) suspendiert. Auch dessen Bruder Amir Werner (3. von links) trägt künftig nicht mehr das Trikot des Landesligisten.
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Der SV Neresheim suspendiert seinen Kapitän Denis Werner. Auch Bruder Amir verlässt den Verein. Auslöser für die Trennungen war ein Zoff im Training.

Harald Zettl bedauert, was passiert ist. Aber der Vorstand und Sportliche Leiter des SV Neresheim sagt auch klipp und klar: "Wir mussten als Verein reagieren." Reagiert hat der Fußball-Landesligist zuerst gnädig, dann rigoros – anfangs mit einer Einmal-Strafe fürs Auswärtsspiel in Plattenhardt, am Ende dann mit der Trennung von Kapitän Denis Werner und dessen Bruder Amir – die sich ungerecht behandelt fühlen. "Das alles ist völlig übertrieben", sagt der Ex-Spielführer.

Was ist passiert? Harald Zettl spricht von "totalen Ungereimtheiten" in einer Trainingseinheit vergangener Woche. Amir Werner und Dominik Pfeifer sind dabei aneinander geraten. Stirn an Stirn. So sehr, dass sich Kapitän Denis Werner – Bruder von Amir – eingemischt hat und dabei Pfeifer wegschubste. Auf Initiative von Vize-Kapitän Sven Lukina hat Trainer Manfred Raab die ohnehin kurz vor dem Ende stehende Trainingseinheit abgebrochen. Wiederum sehr zum Ärger von Denis Werner.

"Die Sache war längst gegessen, wir hätten ganz normal weitertrainieren können", versichert der Ex-Kapitän, der nach eigenen Aussagen seinen Bruder nach dem Vorfall in die Kabine geschickt habe.

Aber: Vom Tisch war das Thema noch lange nicht. Vor der darauffolgenden Trainingseinheit am Freitag hat es mit der Mannschaft eine Aussprache gegeben. Und: "Wir haben Amir mitgeteilt, dass er für das Spiel in Plattenhardt aus dem Kader gestrichen ist und Denis für diese Partie die Kapitänsbinde abgeben muss", sagt Zettl. Worauf es laut Vorstand zum "Eklat" gekommen ist. Denis Werner habe die Konsequenzen nicht akzeptiert und sich entsprechend zu Wort gemeldet. Dann habe er die Kabine verlassen und nicht am Training teilgenommen.

Werner widerspricht Zettl

Zettl: "Erst später war Denis einsichtig. Er ist zurückgekommen und hat sich für sein Verhalten entschuldigt. Er wollte bei uns bleiben." Das Problem: Ein größerer Teil der Mannschaft hätte sich da bereits gegen den Kapitän ausgesprochen und für eine Trennung plädiert. "Wir mussten als Verein reagieren", sagt der Vorstand und bestätigt, dass Denis Werner daraufhin suspendiert wurde. Amir Werner hatte zu diesem Zeitpunkt bereits das Team über die WhatsApp-Gruppe informiert, dass er nicht mehr zurückkommen und den Verein verlassen werde.

Denis Werner ärgert sich noch immer , wie die Sache abgelaufen ist und wirft Zettl "schlechten Stil" vor. So habe er sich gewünscht, dass die verhängten Strafen gegen ihn und seinen Bruder "vorher kommuniziert werden". Aber: "Mit mir wurde überhaupt nicht gesprochen, und ich durfte auch nicht Stellung beziehen. " Und: "Ich bin enttäuscht, dass Leute darüber entscheiden, die den Vorfall nicht mal gesehen haben."

Wir mussten als Verein reagieren.

Harald Zettl Vorstand des SV Neresheim

In einem Punkt widerspricht Denis Werner sogar dem Vorstand: dass er reumütig zurückgekommen sei. "Das stimmt nicht. Ich habe Harald Zettl und Teammanager Stefan Aubele lediglich wegen der Vertragsauflösung angerufen, weil bereits am Montag die Wechselfrist endete. Nicht ich, sondern Harald Zettl und Stefan Aubele haben sich bei mir entschuldigt, und mich gebeten, dass ich bleibe." Werner betont, dass für ihn das Thema damit erledigt war. Und er weiterhin das Trikot des SVN tragen wollte. "Ich hatte nicht vor, den Verein zu verlassen. Ich wollte das Team nicht im Stich lassen."

Ohnehin sei er damals gekommen, als der Verein am Tiefpunkt war, "und ich habe meinen Teil zum Erfolg beigetragen. Schade, dass die Vergangenheit so schnell vergessen wird." Und: Es sei auch nur ein kleiner Teil des Teams gewesen, das ihn weg haben wollte.

Wechsel in die Verbandsliga

Wie geht es mit den Werner-Brüdern nun weiter? Beide haben bereits einen neuen Verein gefunden. Denis Werner ist sogar eine Etage höher gewechselt: zum Verbandsligisten Türk Sport Neu-Ulm. Und Amir Werner schnürt ab sofort die Kickschuhe für den AC Milan Heidenheim in der Kreisliga A.

Und der SV Neresheim? Der muss nach der Trennung versuchen, dass schnellstmöglich wieder Ruhe einkehrt.

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