VfR Aalen entlässt Trainer Roland Seitz

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Ein letztes Gespräch am Sonntagmorgen: Sportpräsident Michael Weißkopf (rechts) vom VfR Aalen hat nach dem 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart II überraschend Trainer Roland Seitz entlassen. Für den 56-Jährigen ist die Entscheidung "nicht nachvollziehbar".
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Nach dem 1:0-Sieg gegen den VfB Stuttgart II ist für den Trainer überraschend Schluss. U19-Coach Petar Kosturkov übernimmt interimsmäßig bis der Neue gefunden ist

Roland Seitz hat es geahnt. "Ich habe am Samstagabend eine WhatsApp bekommen, dass ich am Sonntag um 9 Uhr auf der Geschäftsstelle sein soll. Da wusste ich bescheid ..." Tatsächlich wurde der Trainer des VfR Aalen am Tag nach dem 1:0 (0:0)-Sieg gegen den VfB Stuttgart II entlassen. "Für mich ist das nicht nachvollziehbar", sagt der 56-Jährige.

Der Nachfolger saß am Samstag beim Derby schon auf der Tribüne. Die Mütze tief ins Gesicht gezogen und mit Mund- und Nasenbedeckung verfolgte Petar Kosturkov das Derby. Der U19-Trainer betreut die Ostälbler jetzt interimsweise mit Co-Trainer Christian Demirtas. Wobei Präsidiumsmitglied Michael Weißkopf klarstellt, dass Kosturkov zu diesem Zeitpunkt noch nichts vom anstehenden Beben im Verein gewusst habe.

Ich habe mir nichts vorzuwerfen.

Roland Seitz Ex-Trainer des VfR Aalen

Stattdessen sei zuerst Roland Seitz informiert worden. Dass der Schritt ausgerechnet jetzt komme, "ist für viele sicherlich überraschend". Aber: "Die Entscheidung stand schon vor dem Spiel fest, es war also egal, ob wir 6:0 gewinnen oder 0:8 verlieren". Denn: "Wir haben in den vergangenen Wochen das Ziel Klassenerhalt in Gefahr gesehen. Deshalb mussten wir reagieren." Weißkopf sagt, dass der Kader mehr Potenzial habe als dass "wir den Blick nur nach unten richten müssen. Ich hatte eine ruhige Saison mit einem sicheren Abstand zu den Abstiegsplätzen erwartet." Für den Sportpräsidenten "ging die Entwicklung der Mannschaft nicht so voran, wie wir es uns erhofft hatten". Mit der Entlassung wolle der Verein nun auch eine Perspektive für die neue Saison geben und "den Sponsoren zeigen, dass es hier in die richtige Richtung geht".

Roland Seitz sei "natürlich nicht happy" gewesen, er habe die Nachricht aber "professionell aufgenommen". Der Entlassene selbst sagt, dass er damit nach dem Sieg nicht gerechnet habe. Eines ist ihm wichtig: "Wir hätten vielleicht vier, fünf Punkte mehr haben müssen, das nehme ich auf meine Kappe. Aber ich habe mir sonst definitiv nichts vorzuwerfen und kann in den Spiegel schauen." Im Gegenteil. Die Mannschaft habe unter ihm jede "Minikrise" weggesteckt und sofort wieder dreifach gepunktet. Auch habe er nie das Gefühl gehabt, dass es zwischen Mannschaft und Trainer nicht stimme. "Das Team hat mich nie im Stich gelassen, obwohl es oft die Möglichkeit dazu gehabt hätte. Auf die Mannschaft lasse ich nichts kommen!" Seitz hat sich am Sonntagmorgen kurz von seinen Spielern verabschiedet und ist dann nach Hause zu seiner Familie gefahren. "Natürlich tut das weh, und es ist auch eine persönliche Niederlage."

Kosturkov keine Dauerlösung

Der 56-Jährige wolle jetzt erst einmal abschalten und "dann Ausschau halten, dass es weitergeht". Um den VfR Aalen macht er sich keine Sorgen. "Die Mannschaft wird nicht absteigen."

In der Pflicht steht jetzt U19-Trainer Petar Kosturkov. Allerdings nur vorübergehend. Weißkopf stellt klar, dass es definitiv nur eine Interimslösung ist. Zumal sich der Fußballlehrer "bei der U19 sehr wohl fühlt". Heißt: Der VfR Aalen ist nun auf Trainersuche. "Wir wollen möglichst schnell den Nachfolger präsentieren", sagt der Sportpräsident. Er versichert aber auch, dass "wir noch mit keinem Kandidaten gesprochen haben. Das gebührt der Respekt."

Gesucht werde ein Trainer, der "Bock auf die Aufgabe hat und den VfR Aalen als Herausforderung sieht". Außerdem müsse der Seitz-Nachfolger in der Lage sein, "gierige Spieler zu entwickeln, die in ihrer Karriere noch nicht unbedingt nachgewiesen haben, dass sie gestandene Drittliga- oder Regionalliga sind". Das sei die Aufgabe des finanziell nicht auf Rosen gebetteten Vereins für die kommenden Jahre. Einen genauen Zeitpunkt, wann der neue Trainer präsentiert werden soll, will sich Michael Weißkopf nicht setzen.

Jetzt soll erst einmal Petar Kosturkov die Punkte für den Klassenerhalt einfahren. Seine Premiere gibt er am Samstag beim Drittletzten Schott Mainz

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