Werder-Bus von FCH-Fans demoliert - Warum die Situation eskalierte

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Die Mannschaft des FC Heidenheim präsentierte sich nach dem Spiel gegen Bremen auf dem Balkon der Voith-Arena rund 200 Fans, die ihnen zujubelten. Danach haben sich einige von ihnen den Spielern und Mannschaftsbus der Bremer "zugewandt".
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    Werner Röhrich
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Nachdem Heidenheimer Fans ihrer Mannschaft zugejubelt hatten, bewarfen sie den Bremer Mannschaftsbus.

Randale in der Heidenheimer Voith-Arena nach dem Relegations-Rückspiel gegen Werder Bremen am Montagabend. Als die Spieler von der Weser freudestrahlend und tänzelnd in den vor dem Stadion geparkten Mannschaftsbus steigen wollten, war dies für einige Fans des FC Heidenheim zu viel.

Zuvor hatten sie den Spielern, Trainer Frank Schmidt und dem Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald zugejubelt, als diese sich auf dem Balkon der Voith-Arena zeigten. Dann wandten sie sich dem Bus der Bremer zu. Steine flogen, eine Flasche auch. Eine Scheibe barst. Es gab Rempeleien mit den Werder-Spielern. Dann schritt die Polizei ein und geleitete den beschädigten Bus um Mitternacht aus der Arena. Die Ermittlungen laufen, bestätigte Ulms Polizeisprecher Holger Fink.

Es war lange nach dem Schlusspfiff. Rund 200 Heidenheimer Fans, die auf den Schlossberg gekommen waren, erhielten nach dem Spiel Einlass in den abgezäunten Parkplatzbereich der Voith-Arena, in dem auch der Mannschaftsbus der Gäste parkte.

Als einige Bremer Profis feiernd und singend in einer Polonaise aus den Katakomben der Voith-Arena kamen und – lediglich mit einem rot-weißen Absperrband geschützt – zum Mannschaftsbus liefen, fühlten sich die Heidenheimer offenbar provoziert. "Die Bremer haben gesungen und uns angelacht", sagt ein Augenzeuge. Die Situation ist eskaliert. Eine private Videoaufnahme, die der Redaktion vorliegt, zeigt, wie die Bremer verbal beleidigt und mehrfach mit Bier bespritzt wurden. Ein Torhüter des Bundesligisten wurde von einem FCH-Anhänger sogar tätlich angegangen und angerempelt, der Keeper lief aber unbeeindruckt weiter und ignorierte den Angreifer.

Einsatzkräfte der Polizei gingen sofort dazwischen, um weitere Streitigkeiten zu unterbinden. Die Stimmung war jedoch aggressiv und aufgeheizt, berichtet die Polizei, die die Fans nach hinten drängte, um dem Bus die Abfahrt zu ermöglichen.

Pfefferspray eingesetzt

Die Bremer haben gesungen und uns angelacht.

Ein FCH-Fan, der dabei war

Dennoch seien Steine und eine Flasche gegen den Bus geworfen worden. Beim Abdrängen der Fans musste die Polizei sogar Pfefferspray einsetzen. Ein Polizeihund soll einen Fan gebissen haben, der sei aber weggegangen und der Polizei bislang nicht bekannt. Ein 28-Jähriger, der die Flasche geworfen haben soll, und ein Steinewerfer im Alter von 29 Jahren seien ermittelt. Die weiteren Ermittlungen laufen. Der Schaden am Bus beträgt nach einer ersten Schätzung mehrere tausend Euro. Dort war an einem doppelt verglasten Seitenfenster die äußere Scheibe komplett zersplittert.

Bereits kurz vor dem Vorfall, gegen 23.30 Uhr wollte ein Kameramann auf einem Parkplatz eine größere Gruppe Heidenheimer Fans filmen. Dabei sei aus der Gruppe heraus eine Flasche auf den 33-Jährigen geworfen worden. Diese soll ihn getroffen und leicht verletzt haben. Der Verdächtige, ein 27-Jähriger, und der Kameramann reichten sich nach dem Vorfall die Hände.

Nachdem der Bus den Parkplatz verlassen hatte, beruhigte sich die Lage schnell. Weitere Vorkommnisse verzeichnete die Polizei danach weder am Stadion, noch in der Innenstadt.

"Zunächst war alles friedlich. Ich fand es eine tolle Aktion, dass unsere Fans die Mannschaft mit Abstand spontan gefeiert haben und ihnen Respekt zollten. Dass danach offenbar ein, zwei Leuten die Sicherungen durchgebrannt sind, das tut uns Leid. Davon distanzieren wir uns natürlich", sagte FCH-Vorstandsvorsitzender Holger Sanwald.

Dass sich in der zweiten Halbzeit während des Spiels Personen auf der Tribüne aufgehalten haben, die dort nach den Coronabestimmungen der DFL nicht sein durften, das bestätigt Sanwald. "Es waren einige unserer Mitarbeiter und Frauen von Spielern, die im Sparkassen BusinessClub unter Beachtung der Hygiene- und Abstandsregeln das Spiel auf einer großen Leinwand angeschaut haben", sagt Sanwald. Sie seien plötzlich nach vorne auf die Ränge gekommen – und haben dort zum Ärger einiger Bremer Verantwortlichen ihre Mannschaft lautstark angefeuert. "Auf Anweisung sind sie sofort wieder reingegangen", sagt Sanwald.

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