Fragwürdige Vorgänge kurz vor WM-Start

WM 2022: Organisatoren streichen offenbar „Taschengeld“ für bezahlte Fans

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Vor der WM häufen sich die negativen Meldungen. Die Organisatoren sollen den eingeladenen Fans das „Taschengeld“ gestrichen haben, zudem sagte der DFB-Fanclub seine Teilnahme am Fanturnier ab.

Doha - Die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar könnte vor allem für die Fans vor Ort gewöhnungsbedürftig werden. Viele Regeln für Besucher, eingeschränkter Alkoholausschank und die Menschenrechtslage im Land trüben die Euphorie. Nun wurde unmittelbar vor dem Turnierbeginn bekannt, dass angeblich gekaufte Fans kein „Taschengeld“ mehr bekämen. Zudem stellte sich der DFB-Fanclub aufgrund von Ungleichbehandlung seiner weiblichen Mitglieder gegen eine Teilnahme am offiziellen Fanturnier in Katar.

Fußball-Weltmeisterschaft 2022
Gastgeber: Katar
Eröffnungsspiel: 20. November
Endspiel: 18. Dezember 2022
Titelverteidiger: Frankreich

WM 2022: Katar kaufte hunderte Fans ein – und streicht ihnen offenbar das „Taschengeld“

In den Wochen vor dem Turnierstart machten Berichte zu eingekauften Fans die Runde. Die FIFA reagierte offenbar auf das zögerliche Interesse der Fans großer Fußball-Nationen und ließ Zuschauer einfliegen, die für Stimmung und positive Fernsehbilder sorgen sollen. Als Gegenleitung würden Unterkünfte und Flüge gestellt. Am sogenannten „Fan Leader Network“ sind dem Bericht nach etwa 450 Fußball-Anhänger aus 59 Ländern beteiligt.

WM 2022: Katar will eingeladene Fans vor „falschen Behauptungen“ schützen

Nun berichtet die ARD-Sportschau jedoch, dass das WM-Organisationskomitee den eingeladenen Fußballfans kein „Taschengeld“ mehr zahlen werde. Demnach heißt es in einer E-Mail an die Teilnehmer des WM-Reiseprogramms, dass die Gäste damit vor der „irrtümlichen, falsch informierten Behauptung“, sie seien „bezahlte Fans“ geschützt werden.

Aus diesem Grund werde „das Taschengeld leider nicht mehr bereitgestellt“. Ursprünglich war ein Tagesbudget von 70 Euro in Form einer aufgeladenen Kreditkarte für die eingeflogenen Fans vorgesehen. Das Organisationskomitee reagierte noch nicht auf die Berichte zur Streichung des Taschengelds für die Teilnehmer des Programms.

Die Mitglieder des „Fan Club Nationalmannschaft“ sagten die Teilnahme am Fanturnier in Katar ab.

WM 2022: Fans-Sprecher rät, gekaufte Anhänger „nicht als repräsentative Fanvertreter“ zu betrachten

In Deutschland fand die Fan-Akquisition keinen großen Anklang, der „Fan Club Nationalmannschaft“ des Deutschen Fußball-Bundes zählt nicht zu den Unterstützern des Programms. Trotzdem wurden bereits Ende Oktober 35.000 Tickets für die WM-Partien an deutsche Fans verkauft.

Martin Endemann, Politologe und Sprecher des europäischen Fan-Bündnisses Football Supporters Europe, hatte schon Anfang November gegenüber der dpa die künstliche Anschaffung der ausländischen Fans erklärt. „Dass Katar kurz vor Turnierstart noch Fans einkauft, spricht auch dafür, dass die Begeisterung unter aktiven Nationalmannschafts-Fangruppen in vielen Ländern eher gering ausgeprägt ist“. Man dürfte „diese Leute nicht als repräsentative Fanvertreter betrachten, sondern höchstens als freiwillige Helfer für die FIFA und das Organisationskomitee“, fügte er hinzu.

Deutschlands Kader für die WM 2022 in Katar

Manuel Neuer (* 27. März 1986), beim FC Bayern unter Vertrag, wurde 2014 Weltmeister. Er ist seit 2009 fester Bestandteil der A-Nationalmannschaft.
Tor: Manuel Neuer (* 27. März 1986), beim FC Bayern unter Vertrag, wurde 2014 Weltmeister. Er ist seit 2009 fester Bestandteil der A-Nationalmannschaft. © Mladen Lackovic/IMAGO
Tor: Marc-André ter Stegen (* 30. April 1992) ist beim FC Barcelona unter Vertrag. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er 2012.
Tor: Marc-André ter Stegen (* 30. April 1992) ist beim FC Barcelona unter Vertrag. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er 2012. © Juanjo Martin/IMAGO
Tor: Kevin Trapp (* 8. Juli 1990) steht seit 2018 wieder für Eintracht Frankfurt auf dem Platz. 2017 debütierte er im Kader der A-Nationalmannschaft.
Tor: Kevin Trapp (* 8. Juli 1990) steht seit 2018 wieder für Eintracht Frankfurt auf dem Platz. 2017 debütierte er im Kader der A-Nationalmannschaft. © Jürgen Kessler/IMAGO
Abwehr: Armel Bella-Kotchap (* 11. Dezember 1992) kickt zur Zeit für den FC Southampton. Er ist seit 2022 Teil der deutschen A-Nationalmannschaft.
Abwehr: Armel Bella-Kotchap (* 11. Dezember 1992) steht zur Zeit bei FC Southampton unter Vertrag. Er gab 2022 sein Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft. © Marc Niemeyer/IMAGO
Abwehr: Matthias Ginter (* 19. Januar 1994) läuft für den SC Freiburg auf. Er gab bereits 2014 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft.
Abwehr: Matthias Ginter (* 19. Januar 1994) steht beim SC Freiburg unter Vertrag. Er gab bereits 2014 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. © Grant Hubbs/IMAGO
Abwehr: Thilo Kehrer (* 21. September 1996) steht bei West Ham United unter Vertrag. 2018 debütierte der Tübinger in der A-Nationalmannschaft.
Abwehr: Thilo Kehrer (* 21. September 1996) steht bei West Ham United unter Vertrag. 2018 debütierte der Tübinger in der A-Nationalmannschaft. © Sebastian Frej/IMAGO
Christian Günter (* 28. Februar 1993) ist beim SC Freiburg unter Vertrag. Günter gab sein Länderspiel-Debüt in der A-Nationalmannschaft im Jahr 2014 bei einem Testspiel.
Abwehr: Christian Günter (* 28. Februar 1993) ist beim SC Freiburg unter Vertrag. Günter gab sein Debüt in der A-Nationalmannschaft im Jahr 2014. © Gerd Gründl/IMAGO
Abwehr: Lukas Klostermann (* 3. Juni 1996) steht bei RB Leipzig unter Vertrag. 2019 debütierte er in der A-Nationalmannschaft.
Abwehr: Lukas Klostermann (* 3. Juni 1996) steht beim RB Leipzig unter Vertrag. 2019 debütierte er in der A-Nationalmannschaft. © IMAGO
Abwehr: David Raum (* 22. April 1998) ist bei RB Leipzig unter Vertrag. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er 2021.
Abwehr: David Raum (* 22. April 1998) ist beim RB Leipzig unter Vertrag. Sein Debüt in der A-Nationalmannschaft gab er 2021. © Robin Rudel/IMAGO
Abwehr: Antonio „Toni“ Rüdiger (* 3. März 1993) spielt zur Zeit für Real Madrid. 2014 debütierte er in der A-Nationalmannschaft.
Abwehr: Antonio „Toni“ Rüdiger (* 3. März 1993) spielt zur Zeit für Real Madrid. 2014 debütierte er in der A-Nationalmannschaft. © Bert Harzer/IMAGO
Abwehr: Nico Schlotterbeck (* 1. Dezember 1999) spielt bei Borussia Dortmund. 2022 debütierte er in der A-Nationalmannschaft.
Abwehr: Nico Schlotterbeck (* 1. Dezember 1999) spielt für Borussia Dortmund. 2022 debütierte er in der A-Nationalmannschaft. © Marco Steinbrenner/IMAGO
Abwehr: Niklas Süle (* 3. September 1995) ist Innenverteidiger bei Borussia Dortmund. Im Jahr 2016 gab er in der A-Nationalmannschaft sein Debüt.
Abwehr: Niklas Süle (* 3. September 1995) ist Innenverteidiger bei Borussia Dortmund. Im Jahr 2016 gab er in der A-Nationalmannschaft sein Debüt. © Marco Steinbrenner/IMAGO
Leon Goretzka (* 6. Februar 1995) läuft seit 2018 für den FC Bayern auf. Der Mittelfeldspieler hatte 2014 sein erstes Spiel in der A-Nationalmannschaft, flog aber verletzungsbedingt wieder aus dem Kader.
Mittelfeld/Angriff: Leon Goretzka (* 6. Februar 1995) läuft seit 2018 für FC Bayern auf. Der Mittelfeldspieler hatte 2014 sein erstes Spiel in der A-Nationalmannschaft, flog aber verletzungsbedingt wieder aus dem Kader. © Philippe Ruiz/IMAGO
Serge Gnabry (* 14. Juli 1995) wechselte von TSG 1899 Hoffenheim zum FC Bayern. 2016 hatte er seinen ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Serge Gnabry (* 14. Juli 1995) wechselte von TSG 1899 Hoffenheim zu FC Bayern. 2016 hatte er seinen ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft. © IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Ilkay Gündoğan (* 24. Oktober 1990) kickt zur Zeit für Manchester City. Er ist seit 2011 Teil der A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Ilkay Gündoğan (* 24. Oktober 1990) spielt zur Zeit für Manchester City. Er debütierte 2011 in der A-Nationalmannschaft. © Ryan Browne/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Kai Havertz (* 11. Juni 1999) läuft seit 2020 für den FC Chelsea auf. 2018 nominierte ihn Jogi Löw erstmals für die A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Kai Havertz (* 11. Juni 1999) läuft seit 2020 für FC Chelsea auf. 2018 debütierte er in der A-Nationalmannschaft. © Conor Molloy/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Jonas Hofmann (* 14. Juli 1992) steht bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. Seit 2020 ist er auch Teil der A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Jonas Hofmann (* 14. Juli 1992) steht bei Borussia Mönchengladbach unter Vertrag. 2020 hatte er seinen ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft. © Norbert Jansen/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Joshua Kimmich (* 8. Februar 1995), zur Zeit beim FC Bayern unter Vertrag, debütierte 2016 in der A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Joshua Kimmich (* 8. Februar 1995), zur Zeit beim FC Bayern unter Vertrag, debütierte 2016 in der A-Nationalmannschaft. © Martin Hangen/IMAGO
Thomas Müller (* 13. September 1989) ist FC-Bayern-Urgestein. Seit 2010 ist er auch in der Nationalmannschaft fest gesetzt.
Mittelfeld/Angriff: Thomas Müller (* 13. September 1989) ist FC-Bayern-Urgestein. 2010 gab er in der A-Nationalmannschaft sein Debüt. © Jose Breton/IMAGO
Jamal Musiala (* 26. Februar 2003) spielt für den FC Bayern. Als viertjüngster Spieler überhaupt hatte er seinen ersten Nationalmannschafts-Einsatz bei der Qualifikation für die WM 2022.
Mittelfeld/Angriff: Jamal Musiala (* 26. Februar 2003) spielt für FC Bayern. Musiala hatte seinen ersten Einsatz in der A-Nationalmannschaft im Jahr 2021. © IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Leroy Sané (* 11. Januar 1996), zur Zeit bei FC Bayern unter Vertrag, debütierte 2015 in der A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Leroy Sané (* 11. Januar 1996), zur Zeit beim FC Bayern unter Vertrag, debütierte 2015 in der A-Nationalmannschaft.  © Mladen Lackovic/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (* 2. Mai 1996) läuft für Borussia Dortmund auf. Der Bremer debütierte 2016 in der A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Julian Brandt (* 2. Mai 1996) läuft für Borussia Dortmund auf. Der Bremer debütierte 2016 in der A-Nationalmannschaft. © Teresa Kroeger/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Niclas Füllkrug (* 9. Februar 1993) steht bei SV Werder Bremen unter Vertrag. Es ist seine erste Berufung in die A-Nationalmannschaft.
Mittelfeld/Angriff: Niclas Füllkrug (* 9. Februar 1993) steht beim SV Werder Bremen unter Vertrag. Es ist seine erste Berufung in die A-Nationalmannschaft. © Burghard Schreyer/IMAGO
Youssoufa Moukoko (* 20. November 2004) läuft zur Zeit für Borussia Dortmund auf. Der deutsch-kamerunische Stürmer ist zum ersten Mal in der Nationalmannschaft dabei.
Mittelfeld/Angriff: Youssoufa Moukoko (* 20. November 2004) läuft zur Zeit für Borussia Dortmund auf. Der deutsch-kamerunische Stürmer ist zum ersten Mal in der A-Nationalmannschaft dabei. © Dennis Ewert/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Mario Götze (* 3. Juni 1992) läuft für Eintracht Frankfurt auf. 2010 debütierte er in der A-Nationalmannschaft und wurde 2014 Weltmeister.
Mittelfeld/Angriff: Mario Götze (* 3. Juni 1992) läuft für Eintracht Frankfurt auf. 2010 debütierte er in der A-Nationalmannschaft und wurde 2014 Weltmeister. © Sven Simon/IMAGO
Mittelfeld/Angriff: Karim Adeyemi (* 18. Januar 2002) spielt zur Zeit für Borussia Dortmund. Der Münchner wurde 2021 erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen.
Mittelfeld/Angriff: Karim Adeyemi (* 18. Januar 2002) spielt zur Zeit für Borussia Dortmund. Der Münchner wurde 2021 erstmals in die A-Nationalmannschaft berufen. © Marco Steinbrenner/IMAGO

WM 2022: DFB-Fanclub sagt für Fanturnier in Katar ab – gemischte Teams verboten

Doch nicht nur die eingeladenen Stimmungsmacher stoßen den deutschen Fans vor Ort übel auf. Der offizielle Fanclub der deutschen Nationalmannschaft sagte seine Teilnahme an einem Fanturnier kurzfristig ab. Grund dafür war das Verbot von gemischten Teams aus Männern und Frauen, wie ein Sprecher des Fanclubs gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung bestätigte.

„Auf Nachfrage hatte man uns mitgeteilt, dass nur gleichgeschlechtliche Teams antreten dürfen. Deshalb haben wir uns dagegen entschieden“, hieß es vonseiten des Fanclubs. Die Organisatoren hätten zunächst „darauf verwiesen, dass sie die Männer-WM nachspielen“, erklärte Philipp Beitzel von der Koordinationsstelle Fanprojekte. „Dann hieß es, das Turnier sei auch für Frauen offen, jedoch dürften die Teams nicht durchmischt werden.“ Das ging den deutschen Nationalelf-Anhängern nun klar ersichtlich zu weit. (ajr)

Rubriklistenbild: © Gladys Chai von der Laage/imago

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