Hängepartie für Didavi

Der Vertrag des Spielmachers wird nicht automatisch verlängert – dennoch deutet sich an, dass er bleibt. Wie sieht es bei Gonzalo Castro aus?
  • Bleibt er die Nummer zehn des VfB? Daniel Didavi im Spiel gegen Bayern München. Foto: MATTHIAS BALK
Daniel Didavi kann einer Mannschaft noch immer einiges geben. Tore, Pässe, Freistöße – denn der linke Fuß des Mittelfeldspielers gehört weiter zu den speziellen in der Fußball-Bundesliga. Und der 31-Jährige fühlt sich auch vollkommen fit. Allerdings ist Didavi beim VfB Stuttgart zuletzt nicht mehr über den Part einer Teilzeitkraft hinausgekommen. Mal war er 13 Minuten im Einsatz, mal eine knappe halbe Stunde und gelegentlich gar nicht. Für Didavis Ansprüche ist das wenig. Über Jahre hinweg war er Stammspieler, und noch zu Saisonbeginn stand er fünfmal in Folge in der Startelf, letztmals dann am 23. Januar in Freiburg.

Über die volle Spielzeit lässt ihn der Trainer Pellegrino Matarazzo jedoch nicht mehr auf dem Rasen, wenn es schnell und intensiv zugeht. Das bringt neben der Unzufriedenheit mit der sportlichen Situation aber noch ein anderes Problem mit sich: Didavis Vertrag läuft im Sommer aus – und dieser wird sich nicht automatisch um ein Jahr verlängern. Dazu wären laut einer Klausel in seinem Kontrakt 25 Ligaeinsätze nötig gewesen. Bislang kommt er auf 16 Spiele – bei noch acht ausstehenden Partien. Macht also höchstens 24. Dennoch denken sowohl der Klub als auch der Spieler über eine weitere Zusammenarbeit nach.

„Wir befinden uns mit dem VfB in guten Gesprächen, und Sportdirektor Sven Mislintat geht fair mit uns um“, sagt Karlheinz Förster, Didavis Berater. Das Eigengewächs kann sich vorstellen, ein weiteres Jahr für seinen Herzensverein zu spielen. Die Frage ist nur, welche Rolle er einnehmen soll. Auf dem Platz legt Matarazzo Wert auf ein temporeiches Spiel in die Tiefe. Didavis Spiel ist das nicht unbedingt. Er ist ein klassischer Zehner, in seinen besten Zeiten war er der Fixpunkt, um den die anderen kreisten.

Viele Verletzungen

Überholt scheint dieses Modell beim VfB. Weshalb ihm die Aufgabe zufallen könnte, ein Mann für besondere Fälle zu werden – als effektive Waffe (bislang drei Tore/vier Assists) und darüber hinaus könnte er mit seiner Erfahrung als Mentor für die Talente Mateo Klimowicz (20) und Lilian Egloff (18) dienen. Auch der lange verletzte Clinton Mola könnte von Didavi profitieren.

Denn der erst 20-jährige und so talentierte Engländer plagt sich, wie berichtet, seit Monaten mit Hüftproblemen herum. Mittlerweile ist von einem Knorpelschaden die Rede – und Didavi kennt sich aufgrund seiner eigenen Verletztengeschichte mit Knorpelschäden aus. Als Jungprofi wurde ihm wegen seiner Kniebeschwerden das Karriereende vorausgesagt, noch ehe diese richtig begonnen hatte. Jetzt kommt Didavi auf 167 Erstligaspiele (45 Tore), und er will noch weitere draufpacken.

Am liebsten im Trikot mit dem Brustring, falls notwendig dann eben woanders. Allerdings müsste er beim VfB Stuttgart dazu eine hohe Gehaltseinbuße in Kauf nehmen. Wie Gonzalo Castro, dessen Vertrag Ende Juni ebenfalls endet. Der 33-jährige Kapitän hat jedoch keine Sonderregelung in seinem Arbeitspapier stehen. Beide Mittelfeldspieler zählen zu den Spitzenverdienern im Stuttgarter Kader.

Mehr als drei Millionen Euro pro Jahr sollen sie jeweils erhalten. Geld, das der VfB weder weiter bezahlen kann noch will. Voraussichtlich soll auch nur einer der beiden Routiniers gehalten werden. In nächster Zeit sollen deshalb weitere Gespräche zwischen dem Didavi-Berater Karlheinz Förster und VfB Sportdirektor Mislintat stattfinden, um die Zukunft zu klären. Auch mit Castro und dessen Berater Volker Struth ist das vereinbart.

Die Schwaben müssen wegen Corona sparen. Didavi und Castro werden wohl ein Angebot erhalten, das deutlich geringes Grundgehalt beinhaltet und sie dann mehr verdienen lässt, wenn sie spielen. Didavi könnte es leichter fallen als Castro, dies zu akzeptieren, da er aus der Region kommt und sich stark mit dem VfB identifiziert. Zudem ist er zwei Jahre jünger. Castro stammt aus dem Westen der Republik und steht zwar häufig beim Anpfiff auf dem Feld, beim Abpfiff jedoch nicht mehr.

Eine vorzeitige Vertragsverlängerung streben die Stuttgarter dagegen mit Orel Mangala an – um ein Jahr. Weit gediehen ist die Sache. Bis 2023 ist das jetzige Arbeitspapier datiert, und für den VfB geht es zum einen darum, den angehenden Nationalspieler zu halten, was sie ein höheres Jahresgehalt kostet – und zum anderen, den 23-jährigen Belgier im Fall der Fälle aufgrund der dann längeren Laufzeit teurer als bisher verkaufen zu können.

Schließlich gehört der aktuell verletzte Mangala zu jenen Kräften, die ihr Potenzial schon in Qualität umgewandelt haben und denen absolut der Sprung zu einem europäischen Topclub zugetraut wird.
© Südwest Presse 30.03.2021 07:45
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