Alfdorf/Lorch im personellen Umbruch

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Von seiner Drittligaerfahrung profitierte Alfdorf viele Jahre. Ab sofort ist Sascha Röhrle (rechts) der Teammanager für die 1. Herrenmannschaft des TSV Alfdorf/Lorch.

Der TSV Alfdorf/Lorch stellt die Weichen in die Zukunft. Langjährige Leistungsträger beenden ihre Karriere im Schwäbischen Wald.

Beim Handball-Württembergligisten TSV Alfdorf/Lorch steht ein größerer Umbruch ins Haus. Nachdem der Handballverband Württemberg aufgrund der aktuellen politischen Entscheidungen die Saison vorzeitig beendete, können die Macher des TSV Alfdorf konkret die neue Saison, mit der man, sofern möglich, im September 2021 starten will, planen. Es gibt Veränderungen.

Die Verantwortlichen der Spielgemeinschaft um den sportlichen Leiter Jochen Heller sind bei ihren Planungen rund um den Spielkader zur Überzeugung gekommen, dass der jetzige Zeitpunkt richtig ist für eine personelle Veränderung in der Mannschaft. Schließlich sind mehrere Spieler mittlerweile in einem Alter, in dem die meisten Akteure ihre Handball-Schuhe an den Nagel gehängt haben.

Neben dem 46 Jahre alten Ausnahmetorwart Dragan Jerkovic beenden der 40 Jahre alte Besnik Salja, sowie Ex-Nationalspieler Adrian Pfahl und Kreisläufer Sascha Röhrle, beide werden im Sommer 39, ihre sportliche Laufbahn. Auch Spielmacher Armin Bauer, mit 36 wenige Jahre jünger als seine Kameraden, hört zum Ende der Runde auf. Bei ihm kam im Februar letzten Jahres eine schwerwiegende Schulterverletzung am Wurfarm hinzu, die bis zuletzt noch keine handballspezifischen Belastungen zuließ. Auch Simon Bareiß (33) wird, hauptsächlich wegen seiner beruflichen Belastung, die Sporttasche in die Ecke stellen.

In guten Gesprächen

Indes sind aktuell Trainer Pascal Morgant und Jochen Heller dabei, die Lücken zu füllen. Dies wird sicherlich nicht einfach sein, da alle Akteure, die aufhören, in der vergangenen Runde noch zu Leistungsträgern des Württembergligisten zählten. Heller äußerte sich zu den Planungen des Vereines, die noch nicht abgeschlossen sind, wie folgt "Wir sind in guten Gesprächen mit interessanten Spielern, die den Kader verjüngen werden und gleichzeitig die Qualität mitbringen, die wir in der Württembergliga benötigen. Aber auch Eigengewächse spielen in unseren Planungen eine Rolle"

Die sechs scheidenden Spieler haben teilweise eine längere Karriere beim TSV Alfdorf/Lorch hinter sich.

Der Denker und Lenker hört auf

Armin Bauer, der das Handballspielen beim TV Börtlingen erlernte, zog es bereits als Ausnahmespieler in der Jugend zu Spitzenvereinen. Noch als Jugendlicher spielte er in den aktiven Mannschaften von höherklassigen Vereinen. "Magic Armin", wie er wegen seiner unnachahmlichen technischen Fähigkeiten genannt wurde, schloss sich bereits vor der Saison 2011/2012 dem TSV Alfdorf an, als man noch in der Bezirksliga spielte. Leider wurde es im ersten Jahr nichts mit dem Aufstieg. Ausgerechnet gegen den TV Börtlingen verlor man die Relegation um den Aufstieg in die Landesliga, nicht zuletzt deshalb, weil man in der Halle in Wangen nicht harzen durfte. Dafür klappte es nach einer überragenden Saison 2013/2014. Bauer war zehn Saisonen lang der Denker und Lenker des Alfdorfer Spiels. In den letzten Jahren musste er immer mehr mit Verletzungen kämpfen. Mutter Doris, eine kritische ehemalige Handballerin und frühere HVW-Schiedsrichtern, war und ist eine der treuesten Fans und hat mit ihrem Einsatz an der großen Trommel manches Spiel von außen mitgewonnen.

In der Saison 2012/2013 kam Besnik Salja zu der Mannschaft aus dem Welzheimer Wald. Bala, so sein Spitzname, den er nach seinem großen sportlichen Vorbild dem ehemaligen Stuttgarter Krasimir Balakov erhielt, war einer der Aufstiegsgaranten in die Landesliga. Der Mann mit dem unheimlichen Tordrang und dem athletischen Durchsetzungsvermögen, wurde nach vielen Vereinswechseln in Alfdorf schnell heimisch. Trotz seiner beruflichen Belastung als selbstständiger Handwerker fand er Zeit für den Handball. Noch ein Kuriosum brachte Bala mit. Seine Familie, allen voran seine Mama, sein Papa und die Brüder waren fast bei jedem Spiel als großartige Fans dabei.

"Armin und Bala prägten beim TSV die Ära der letzten 10 Jahre und waren eine der Hauptverantwortlichen des sportlichen Aufstieges des Vereins. Beide, mit Ihrer Qualität und Ihrer unnachahmlichen Art Handball zu spielen, faszinierten unsere Fans und werden in Zukunft sehr fehlen", so Jochen Heller. "Bei den Beiden tut es mir am meisten weh, dass wir sie – aufgrund der Coronasituation – nicht auf dem Handballfeld vor ihren Zuschauern, so wie sie es absolut verdient hätten, verabschieden dürfen". Ein kleiner Hoffnungsschimmer bleibt, dass im Rahmen der 100-Jahr-Feier des Vereins ein attraktives Spiel stattfinden kann, sofern dies wegen der Pandemie möglich ist.

Meisterjahr 2016

2016 war für den TSV Alfdorf ein außerordentliches Jahr. Nach 18 Siegen in Folge wurde man überlegen Meister der Landesliga und damit Aufsteiger in die Württembergliga, der höchsten Liga im Verband. Mit dem TSV Lorch wurde eine Spielgemeinschaft vereinbart. Seit dieser Zeit laufen die männlichen Mannschaften der Vereine unter dem Namen TSV Alfdorf/Lorch auf. Daniel Wieczorek übernahm kurz vor dem Saisonbeginn das Traineramt und brachte vom TV Oppenweiler Sascha Röhrle einen erfahrenen Kreisläufer und Abwehrstrategen mit, der in der Saison zuvor noch mit seinem ehemaligen Verein in der 3. Bundesliga gespielt hatte. Röhrle war allein durch seine Erfahrung eine enorme Verstärkung für den Aufsteiger. Mit ausschlaggebend für den Wechsel war auch der Umstand, dass Sascha nach Iggingen gezogen war. Nach zwei erfolgreichen Saisonen zog es ihn für eine Saison nach Oppenweiler zurück, wo er mit seinen alten Kameraden in der Württembergliga agierte. Bereits in der Saison 2019/2020 folgte er nochmals dem Ruf des TSV. Röhrle bleibt dem TSV jedoch erhalten, er wird ab sofort als Teammanager der Männer 1 agieren und zusätzlich in der Öffentlichkeitsarbeit und der Organisation des Vereins mitarbeiten.

Die Königstransfers

Vor der Saison 2018/2019, im dritten Jahr der Zugehörigkeit zur Württembergliga, gelangen dem TSV zwei Königstransfers. Trainer Wieczorek hatte mit, seinem ehemaligen Mannschaftskollegen, dem Ex-Nationalspieler Adrian Pfahl, der seine Profilaufbahn bei Frisch-Auf Göppingen beendete, Kontakt aufgenommen und ihn spaßeshalber gefragt, ob er sich einen Einsatz beim TSV Alfdorf/Lorch vorstellen kann. Pfahl sagte überraschend nicht gleich nein. Die Verantwortlichen der Spielgemeinschaft und Pfahl fanden schließlich ein Gesamtpaket, das sowohl Handball als auch eine berufliche Perspektive beim Vereinssponsor LAS in Lorch-Weitmars für ihn beinhaltete. Nachdem der Neuzugang die Folgen einer Schulteroperation im Herbst 2018 soweit überwunden hatte, griff er in den Spielbetrieb ein. Wie es der Zufall wollte, traf er ausgerechnet bei seinem Debüt auf den SKV Oberstenfeld, jenen Verein, bei dem seine Karriere als Jugendspieler begonnen hatte.

Das Spiel der Alfdorf/Lorcher Mannschaft gewann durch Pfahls Einsatz deutlich an Qualität und in der Rückrunde gewann das Team von der Rems und dem Welzheimer Wald fast alle Spiele und konnte sich somit den Klassenerhalt lange vor Rundenende sichern. In der darauffolgenden Saison konnte er in allen Spielen mitwirken und hatte großen Anteil daran, dass sich das Team sehr erfolgreich den 3. Platz in der Württembergliga sicherte. Leider haben sich in der letztjährigen Vorbereitung wieder diverse Verletzungen eingeschlichen und somit ist Pfahls Entscheidung, aufzuhören, durchaus nachvollziehbar. Jochen Heller ist sehr froh darüber, dass auch er weiterhin dem TSV im Trainerstab erhalten bleibt. Wie und wo genau ist noch offen. Die Gespräche laufen.

Nationaltorhüter Jerkovic

In derselben Saison landeten die Verantwortlichen des TSV Alfdorf/Lorch einen weiteren spektakulären Coup. Durch die Insolvenz des TV Neuhausen/Erms war der ehemalige kroatische Nationaltorhüter Dragan Jerkovic, der einige Jahre auch beim TV Bittenfeld gespielt hatte, ohne Vertrag. Wiederum wurde ein passendes Paket geschnürt, das sowohl für den Verein als auch für den Handballprotagonisten Jerkovic passte. Parallel dazu übernahm er einen Trainerjob beim Schweizer Erstligisten Kadetten Schaffhausen.

Mit unglaublichen Paraden hat der Vollblutsportler Jerkovic manchen Gegenspieler zur schieren Verzweiflung gebracht und auch wesentlich dazu beigetragen, dass die Mannschaft insbesondere im abgebrochenen Spieljahr 2019/2020 in der Spitzengruppe der Württembergliga agierte und sich souverän für die eingleisige Württembergliga qualifizierte. Er wird in diesem Jahr noch 47 und will sich künftig auf eine Trainertätigkeit konzentrieren.

Von seinem Können und seiner Erfahrung hat auch sein Torhüterkollege beim Württembergligisten, Tom Plaschke, sehr profitiert.

Landesliga-Torschützenkönig

Last but not least wird auch Simon Bareiß, mit gerade mal 33 Jahren seine Handballkarriere in der Ersten beenden. Bareiß, ein Alfdorfer Eigengewächs, wollte, nachdem er bereits ab 2018 wegen seines Promotionsstudiums in der 2. Mannschaft agierte, in der Saison 2020/2021 nochmals richtig angreifen. Er hat jedoch gemerkt, dass Beruf, Familie und das intensive Training in der Württembergliga aktuell sehr schwer vereinbar sind. Simon Bareiß hatte sein erfolgreichstes Handballer-Jahr in der Saison 2015/2016, also im Aufstiegsjahr. Er wurde seinerzeit Torschützenkönig in der Landesliga und trug somit wesentlich zum Aufstieg in die Württembergliga bei.

Der Verein will zu gegebener Zeit, wenn es wieder möglich ist, eine gemeinsame, gebührende Verabschiedung organisieren.

Adrian Pfahl
Armin Bauer
Besnik "Bala" Salja
Dragan Jerkovic

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