Ein Team mit Herz – Wille – Leidenschaft

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Ex-Handballprofi Dragos Oprea weiß als neuer Chefcoach der TSB-Handballer seine Spieler zu begeistern.
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TSB Gmünds neuer Chefcoach Dragos Oprea steckt sein Herzblut in die Mannschaft – und bekommt's zurück.

Links, rechts, oben, unten. "Hop, hop", gibt Primoz Prost das Kommando im schnellen Takt. Die Keeper des Handball-Oberligisten TSB Schwäbisch Gmünd kommen gehörig ins Schwitzen. "Einen echten Profikeeper als Trainer, das habe ich noch nie gehabt. Das ist schon super", freut sich TSB-Torhüter Sebastian Fabian. Seit fast sechs Wochen sind die TSB-Handballer im Training. Zunächst im Freien. Seit es die Coronabestimmungen zulassen, wieder in der Halle. Auch der neue Chefcoach ist ein Profi, wenn auch ein ehemaliger. Dragos "Dodo" Oprea hat in Schwäbisch Gmünd seine erste Trainerstation angetreten. Und das – Corona-bedingt – gleich in einer ganz besonderen Situation.

"Die Spieler konnten nach dem Saisonabbruch mehrere Monate weder spielen noch trainieren. Das war schon eine sehr lange Zeit. Für mich war es deshalb wichtig, dass wir langsam wieder ins Training eingestiegen sind. Wir legen viel Wert auf Präventionsarbeit, um Verletzungen vorzubeugen."

Wer das Training in dieser Woche in der Sporthalle in der Katharinenstraße beobachtet hat, der hat schnell den Eindruck gewonnen, dass die Jungs über diese Phase bereits hinaus sind. Nach einem tatsächlich intensiven Warmmachen wurde Vollgas gegeben in der Halle. Unter der Anleitung von Torwarttrainer Primoz Prost – der ehemaligen slowenische Nationalkeeper, der in dieser Saison zusammen mit Johannes Bitter beim Bundesligisten TVB Stuttgart den Kasten hütet – durften Fröhlich & Co. ihre Torhüter unter Beschuss genommen, ehe Oprea damit begann, seine Jungs mit Spielzügen zu betrauen, um Automatismen und Laufwege einzuüben. Stets in vollem Tempo, versteht sich.

Kapitän Aaron Fröhlich, der die Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre im TSB-Dress selbst miterlebt und -geprägt hat, ist begeistert von seinem neuen Trainer. "Das ganze Training ist abgestimmt auf Abläufe im Spiel. Er macht alles mit Blick aufs Spielgeschehen. Das ist klasse. Das macht richtig viel Spaß." Die Mannschaft sei mit Feuereifer bei der Sache.

Auch die Neuzugänge Moritz Knück sowie Marian und Nico Rascher waren auf Anhieb voll integriert. "Einige kannten sie ja schon von früher", sagt Fröhlich. Dass aus seiner eigenen A-Jugend, deren Trainer er ist, mit Tom Abt, Patrick Watzl, Valentin Pick und Arian Pleißner gleich vier Talente mit dabei sind, erfüllt ihn auch ein wenig mit Stolz. Abt und Watzl haben ja bereits Oberliga-Erfahrung in den Beinen.

"Es ist klasse, wie die Jungen mitziehen. Jeder einzelne bekommt seine Chance", verspricht Dodo Oprea. Am Ende werden es 16 Spieler (bisher 14) sein, die der Handballverband ab dieser für die Kadernominierung zulässt. 17 sind derzeit im Training an Bord. Ob jung oder alt, das spiele keine Rolle. "Von jedem erwarte ich vom Trainingseinsatz das Selbe. Wer im Training 110 Prozent gibt, der kann im Spiel dann mindestens 100 Prozent abrufen", nennt der Ex-Profi seine Devise.

Was ihn an dieser Mannschaft begeistere, und das sei auch ein maßgeblicher Aspekt für seine Zusage gewesen, sei, dass sich das Team durch "Herz, Wille und Leidenschaft" auszeichne.

Alle gemeinsam, auch die Spieler, müssen sagen, was wir uns zutrauen.

Dragos Oprea Cheftrainer des TSB Gmünd

"Der Trainer lebt das vor"

"Der Trainer lebt das vor", betonen TSB-Abteilungsleiter Michael Hieber und der Sportliche Leiter Jürgen Rilli unisono. Ihnen sei auch wichtig gewesen, dass der neue Coach es verstehe, den eigenen Nachwuchs mitzunehmen. Hieber: "Es geht um eine Philosophie, die dieser Verein hat." Ab dieser Saison spielt die A-Jugend auch in der Oberliga und damit ebenfalls in der höchsten Liga in Baden-Württemberg. Hieber: "Darüber gibt's nur noch die Bundesliga." Auch dass Zweitmannschaftstrainer Andreas "Rudi" Rascher im Training der Ersten dabei ist, gehöre zum Konzept. Der Jugend soll damit ein Sprungbrett zum Oberligateam geschaffen werden.

Welche Ziele sich dieses Oberligateam nach dem Fast-Abstieg der vergangenen Saison setzt, das ist noch nicht besprochen. Nicht die Abteilungsführung und nicht der Trainer alleine müssen dieses Ziel formulieren, sagt Dragos Oprea. "Alle gemeinsam, auch die Spieler, müssen sagen, was wir uns zutrauen. Ich schätze meine Spieler so ein, dass sie dies realistisch tun können." Aber, ergänzt der Coach: "Viel wichtiger ist, dass sie dann sagen: Was müssen wir dafür tun?" Dass die Formulierung eines Saisonziels natürlich vor dem Saisonauftakt stehen muss, ist klar. Unklar ist allerdings noch, wann die Oberligasaison tatsächlich starten wird. Die Oberliga muss im Verbund mit den beiden badischen Handballverbänden den Saisonstart erst noch fixieren.

Nur 170 Zuschauer?

Und den Akteuren und Verantwortlichen stehen noch weitere Unwägbarkeiten bevor. Wieviele Absteiger wird es geben, nachdem sich die Liga jetzt von 16 auf 18 Mannschaften erhöht hat? "Angenommen, es gibt acht Absteiger, dann stecken aber alle im Abstiegskampf – bis auf zwei vielleicht", sagt Michael Hieber. Der Abteilungsleiter kämpft noch an einer anderen Front. Nach der momentanen Regelung dürften bei den Heimspielen in der Gmünder Großsporthalle von den 1000 Sitzplätzen nur rund 170 belegt werden. Hieber: "Ganz abgesehen davon, dass das Handling mit Hygiene- und Abstandsregeln ganz schön kompliziert wird, brechen uns da auch Einnahmen weg. Und es sieht nicht so aus, als ob wir diese über unsere Sponsoren werden auffangen können. Die Firmen stecken ja gerade auch in einer sehr misslichen Lage. Das müssen wir verstehen."

Das ehrenamtliche Engagement in den Vereinen komme in einer solchen Situation an seine Grenzen. An die Adresse der Verbände sagt Michael Hieber deshalb: "Jetzt ist es schon so, dass man die Vereine an die Hand nehmen muss."

Beim Training steht stets der Blick aufs Spiel im Vordergrund.

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