SG2H-Handballer geben nicht klein bei

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Kein Sportbetrieb, keine Veranstaltungen, keine Erlöse. Was das für die Handballer der SG Hofen/Hüttlingen bedeutet und wie sie damit umgehen.

Keine Bandenwerbung, kein Hallenheft. Und große Einbußen wegen der fehlenden Bewirtschaftung. "Wir haben unsere Kosten minimiert. Und wir haben in der Vergangenheit gut gewirtschaftet. Ohne unsere Rücklagen würden diese Situation sonst kaum bewältigen", sagt Philipp Röhrer, der Abteilungsleiter der Handballspielgemeinschaft Hofen/Hüttlingen (SG2H). Nicht nur seine Handballer blicken derzeit in ein Nichts. "Wenn in dieser Saison noch etwas gehen sollte, dann müssten wir ab Mitte Februar wieder trainieren dürfen. In der Halle und im Vollkontakt. Das scheint aus aktueller Sicht ziemlich utopisch", sagt er. Die Handballer der SG2H sind nicht die Einzigen, die die Saison im Geiste bereits abhakt haben.

Und dennoch versuchen auch sie, sich irgendwie über Wasser zu halten. Acht aktive Teams (Damen und Herren) sowie 15 Jugendmannschaften (sechs davon spielen auf württembergischer Ebene) zählt die Handballgemeinschaft. Bis zu drei- oder gar vierhundert Zuschauer besuchen die Heimspiele der Aktiven in der Wasseralfinger Talsporthalle oder der Limeshalle in Hüttlingen. Das bedeutet nicht nur eine tolle Stimmung, da geht auch was in Sachen Bewirtschaftung. Doch momentan geht gar nichts. "Die Erlöse fehlen uns", sagt Röhrer und ergänzt: "Es ruht ja nicht nur der normale Spielbetrieb. Wir haben ja auch keine anderen Veranstaltungen." Tobias Rathgeb, stellvertretender Abteilungsleiter und zuständig fürs Sponsoring und Marketing, zählt die Begleiterscheinungen auf, mit denen der Verein seit einem Jahr zu kämpfen hat, seit die Corona-Pandemie im März 2020 den Sport per Lockdown von jetzt auf nachher ausgehebelt hat.

Die damals laufende Saison wurde zunächst abgebrochen und dann ad acta gelegt. Auch die Hoffnung nach den Sommerferien, sich peu à peu - mit aufwändigen Hygienekonzepten und einer begrenzten Zuschauerzahl - wieder an normale Zeiten heranarbeiten zu können, ist mit dem zweiten Lockdown im November jäh zerstoben. "Wir haben im Herbst einen immensen Aufwand betrieben, um den Spielbetrieb unter strengen Auflagen wieder möglich zu machen. Am Ende war es für die Katz", klagt der Sportliche Leiter der Herrenteams, Heiko Huber. Manche Mannschaften haben gerade einmal ein Spiel in der neuen Saison absolviert, andere höchstens drei.

200 Kinder wollen Handball spielen

Viel schlimmer noch hat es die Jugend getroffen. Vor allem die Kleinsten. "Unsere E-Jugend hat seit März kein einziges Handballspiel mehr bestritten", erklärt Jugendleiter Manuel Linsenmaier. Und er schiebt die Befürchtung nach: "Wenn kein Training ist, wenn man sich sonst auch nicht treffen darf, wie soll man da die Kinder bei der Stange halten?" Rund 200 Kinder und Jugendliche zählt die Spielgemeinschaft der TG Hofen und des TSV Hüttlingen, die zusammen rund 3500 Mitglieder hinter sich hat. Die Trainer und Übungsleiter versuchen zwar, über WhatsApp-Gruppen und Online-Angebote den Kontakt zu halten. Das gelingt nicht immer. Der Zeitraum, diese spiel- und trainingsfreie Phase auf diese Weise zu überbrücken, ist groß. "Die Kinder wollen Handball spielen. Sie wollen beisammen sein und sich miteinander austoben dürfen", sagt der Jugendleiter.

Bei den Aktiven gelingt die Online-Anbindung besser. Die Bedürfnisse sind andere. Natürlich haben auch sie ihre WhatsApp-Gruppen. Trainiert wird über eine Fitness-App, um sich individuell fit zu halten.

Unsere E-Jugend hat seit März kein einziges Handballspiel mehr bestritten.

Manuael Linsenmaier SG2H-Jugendleiter

Das Frühjahr ist in der Regel die Zeit, in der bereits die Weichen für die im Herbst beginnende neue Saison gestellt werden. Die bange Frage ist: Werden überhaupt wieder alle kommen, wenn es wieder weiter gehen wird? Wann immer das sein wird. "Da hängen wir ganz schön in der Luft", sagt Manuel Linsenmaier. Wie viele Teams kann die Spielgemeinschaft überhaupt für die neue Saison melden? Und: Gibt es überhaupt die Trainer und Betreuer dafür? "Normalerweise trifft man sich bei den Spielen in der Halle und kann über solche Dinge reden", erklärt Philipp Röhrer. "Da siehst du dann auch immer wieder Leute, die du neu ansprechen kannst." Die Gelegenheit ist derzeit nicht gegeben.

In dieser Frage herrscht dennoch Zuversicht bei den SG2H-Verantwortlichen. Rund 75 Prozent der bisherigen Trainer haben bereits zugesagt. Von der Jugend bis hinauf in den Aktivenbereich, wo die erste Damenmannschaft als höchstklassigstes Damenteam der Region in der Württembergliga und damit in der höchsten Liga des Verbands spielt. "Für uns geht es ganz klar um den Klassenerhalt", sagt die Sportliche Leiterin der Damen, Sabrina Linsenmaier. "Schade, dass wir uns in dieser Saison noch nicht beweisen durften", sagt sie. Drei Spiele erst haben ihre Mädels in dieser Spielzeit bestritten. "Wir gehen alle davon aus, dass diese Saison nicht mehr gespielt wird", sagt sie. Mit dem Trainerteam Simon Oppold und Manuel Ilg ist sie sich einig. Sie werden auch in der kommenden Runde am Spielfeldrand stehen.

Trainer und Übungsleiter verzichten auf Entschädigung

Dass alle rund 50 Trainer und Übungsleiter - von der Jugend bis zu den Erwachsenen - gerade auf ihre Entschädigung verzichten, "das ist ein sehr schönes Zeichen. Und das zeichnet unsere Vereinsfamilie aus", sagt Abteilungsleiter Philipp Röhrer mit Blick auf die Finanzen der SG. Er lobt auch die Vielzahl der Sponsoren, die dem Verein die Stange halten, auch wenn sie ihr Sponsoring zum Teil heruntergefahren haben. Auf rund 80 Prozent schätzt der Marketing- und Sponsoring-Verantwortliche Tobias Rathgeb die Einbußen im Sponsoringbereich in dieser Saison. Kein Hallenheft. Ohne Spiele keine Bandenwerbung in der Halle. Rathgeb: "Da ist uns schon ein hoher fünfstelliger Betrag weggebrochen." Man müsse ja auch sehen, dass viele Firmen mit dieser Pandemie-Situation selbst zu kämpfen haben, zeigt er Verständnis und ist froh für die Signale eines Großteils der rund 300 Firmen, dass sie den Handballern weiterhin die Stange halten werden.

Natürlich versucht man bei der SG2H Ideen zu kreieren, um wenigstens kleine Erlöse erzielen zu können. Und damit auch die Bindung zu den Mitgliedern und der Bevölkerung aufrecht zu erhalten. Mit To-Go-Verkaufsaktionen zum Beispiel. Denn dass in diesem Jahr das Kappelbergturnier wieder stattfinden kann, daran glaubt so recht niemand. Philipp Röhrer: "Wir wollen machen, was möglich ist." Aber ein volles Barzelt wie zuletzt 2019? "Von dem Gedanken", sagt der Abteilungsleiter, "haben wir uns schon verabschiedet."

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