Kommentar Philipp Kaiser über das deutsche Fußball-Debakel

Joachim Löw ohne Plan

  • Philipp Kaiser LR Autorenfoto Foto: LR
Es war ein trauriger Tag für den deutschen Fußball. Das 0:6-Debakel war die höchste Pleite eines Nationalteams seit 1931. Fassungslos sahen wir Fernseh-Zuschauer im menschenleeren Stadion von Sevilla, wie sich das Team von Joachim Löw am Ende fast willenlos abschlachten ließ. Es hatte keinen Plan gegen die technisch weit besseren Iberer.

Nach solchen Pleiten stellt sich unweigerlich die Trainerfrage. Joachim Löw steht seit der völlig verkorksten Weltmeisterschaft 2018 in Russland ohnehin in der Kritik, doch der Verband hielt an ihm fest. Besser ist es seitdem nicht wirklich geworden, das können auch Siege gegen die Ukraine oder die Schweiz nicht ändern. Am Dienstagabend wirkte er ratlos, manchmal sogar teilnahmslos. Der DFB wird ihn nicht rauswerfen, Löw müsste selbst den Schritt tun. Die Frage wäre dann nur, wer ihm folgen könnte. Da bin ich leider völlig ratlos.

Das Spiel in Sevilla hat gezeigt: Dem jungen Team fehlt es an Anführern. Die Spieler sind sicher alle begabt, aber wenn es mal nicht läuft, braucht es jemanden, der sie anleitet. Und so stellt sich zum wiederholten Mal die Frage, ob es richtig war, erfahrene Profis wie Thomas Müller und Mats Hummels aus dem Team zu werfen. Die beiden hätten die Niederlage wahrscheinlich auch nicht verhindert. Aber sie hätten sich nicht so kampflos ergeben.
© Südwest Presse 19.11.2020 07:45
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